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Deutsche-Bank-Prozess : Fitschen-Verteidiger attackiert die Staatsanwälte

  • -Aktualisiert am

Jürgen Fitschen (rechts) und sein Anwalt Hanns Feigen Bild: dpa

Fünf Stunden lang müssen sich Top-Manager der Deutschen Bank von der Staatsanwaltschaft altbekannte Vorwürfe anhören. Doch dann geht die Verteidigung zum Gegenangriff über.

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          Die Deutsche Bank sitzt auf der Anklagebank – das darf man im winzigen Verhandlungssaal 273/II des Münchner Strafjustizzentrums wörtlich nehmen. Fünf Beschuldigte sitzen in drei Reihen, eingerahmt von jeweils bis zu drei Anwälten, und hören sich fast fünf Stunden lang die Verlesung der Anklageschrift wegen „versuchten Prozessbetrugs“ an. Einer von ihnen, der Ko-Vorstandsvorsitzende Jürgen Fitschen, hat ganz hinten Platz genommen und folgt dem Vortrag der Staatsanwälte mit seiner Lesebrille auf Papier. In der ersten Reihe sitzt das Geldhaus selbst: Weil die Wirtschaftsstrafkammer die Bank als „Nebenbeteiligte“ eingestuft hat, hat diese zwei ihrer Hausjuristen geschickt und drei externe Anwälte obendrein.

          Formal steht für das Kreditinstitut nicht viel auf dem Spiel: Maximal eine Million Euro kann das Bußgeld betragen. Doch wäre es ein Schlag für die Reputation und den viel beschworenen Kulturwandel, würde das Gericht sie am Ende schuldig sprechen. Für Rolf-Ernst Breuer, der ebenfalls in der ersten Reihe mit aufgestütztem Kinn die Vorwürfe der Anklagevertreter über sich ergehen lässt, geht es dagegen nicht nur um die Ehre, sondern äußerstenfalls um die Freiheit: Ihn halten die Strafverfolger für den Haupttäter bei dem mutmaßlichen Versuch, das Münchner Oberlandesgericht zu belügen und betrügen, um den verstorbenen Medienunternehmer Leo Kirch um einen milliardenschweren Schadensersatz für seine Pleite zu bringen.

          Die Vorwürfe sind längst bekannt, die Oberstaatsanwältin Christiane Serini und zwei Kollegen abwechselnd im D-Zug-Tempo vortragen. Josef Ackermann, der als Pensionär nicht mal mehr – wie vor gut zehn Jahren im Düsseldorfer Mannesmann-Prozess – die Zeit im Saal zum diskreten Aktenstudium nutzen kann, muss sich demnach ebenfalls Sorgen machen: War er doch einst verantwortlich für die Planspiele der Londoner Investmentbanker zur Zerschlagung des Kirch-Konzerns. Dadurch hält die Anklage nämlich die Aussagen der Manager im Zivilprozess vor drei Jahren für widerlegt.

          Fitschen hat viel zu verlieren

          Fitschen hingegen hat viel zu verlieren, ist er doch der einzige noch aktive Banker auf der Anklagebank – und würde seine knappe Zeit sicher lieber in den soeben beschlossenen Umbau der Bank stecken. Allerdings wiegen die Anschuldigungen gegen ihn am wenigsten schwer: Er soll nicht selbst gelogen, sondern nur die angeblichen Falschaussagen seiner früheren Vorstandskollegen nicht verhindert haben. Durch ein Spalier von Fotografen betreten die Angeklagten und ihre Verteidiger mit Verspätung den Verhandlungsraum. Justizwachtmeister mit Empfangsknopf im Ohr und mit Handschellen, Schlagstock und Handschuhen am Gürtel zeigen Präsenz. Eine Justizangestellte sorgt penibel dafür, dass keiner der nur 50 hineingelassenen Zuschauer sein Handy zückt.

          Auf deutschen Bänken: Rolf-Ernst Breuer (rechts vorn), Josef Ackermann (Mitte) und Jürgen Fitschen (dahinter)

          Doch zum Aufwärmen sorgt der Vorsitzende Richter Peter Noll erst einmal für etwas Lockerheit. „Ich sag jetzt nicht jedesmal Grüß Gott – das gilt für alle“, sagt er, als er die Personalien der Anwesenden festhält. Und fragt in leichter Mundart den ehemaligen Rechtsvorstand Tessen von Heydebreck: „Wo liegt denn diss?“, als dieser als Geburtsort eine Kleinstadt im früheren Hinterpommern nennt. Ex-Aufsichtsratschef Clemens Börsig schüttelt später gelegentlich den Kopf oder knabbert eine Süßigkeit, während er sich eifrig Notizen macht. Mehr als kleine Fehler von Strafverfolgerin Serini beim Vorlesen zu korrigieren, bleibt Noll nicht zu tun.

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