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Credit Suisse : Daten deutscher Steuersünder blieben im Fitness-Center liegen

  • -Aktualisiert am

Ihre Kunden wurden transparent Bild: AFP

Begonnen hat die Geschichte um die Steuersünder-CD mit einer Nachlässigkeit. Jetzt hat der Datendieb der Credit Suisse eine Bewährungsstrafe erhalten.

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          Am 30. Januar 2010 kam es zum Knall. Damals berichtete diese Zeitung als erste über jene CD mit Daten deutscher Steuerhinterzieher in der Schweiz, die dann das Land Nordrhein-Westfalen für 2,5 Millionen Euro kaufte. Schon der „Fall Zumwinkel“ in Liechtenstein zwei Jahre zuvor hatte gezeigt, dass die deutschen Strafverfolger den Kauf gestohlener Bankunterlagen nicht scheuen, wenn dadurch viel Geld für die Staatskasse winkt.

          Anders sieht es für die Datendiebe aus. Im Schweizer Fall ist der Datenlieferant, ein ehemaliger Mitarbeiter der Credit Suisse (CS), gefasst und des wirtschaftlichen Nachrichtendienstes, der Geldwäscherei und der Verletzung des Geschäfts- und Bankgeheimnisses angeklagt worden. Da er geständig ist, haben Anklage und Verteidigung eine Haftstrafe von zwei Jahren auf Bewährung aushandeln können. Das Bundesstrafgericht in Bellinzona wird am Donnerstag diese Einigung absegnen.

          Einen Handel machte erst der Österreicher

          Besonders aufschlussreich stellt sich die Schilderung der Datenweitergabe dar, welche die Bundesanwaltschaft vorab zu dem Urteil veröffentlichte. Sie ist geprägt von Skurrilitäten, zweifelhaften Methoden und persönlicher Tragik. Am Anfang des Daten-Krimis steht der Anklageschrift zufolge eine Aktentasche. Sie hatte der CS-Banker Anfang des Jahres 2008 in einem Fitness-Studio aus Versehen liegengelassen. Gefunden wurde sie von einem in der Schweiz lebenden Österreicher. Bei der Durchsicht machte er einen Fund, der ihn innerlich jubeln ließ. Die Tasche enthielt handschriftliche Notizen über 1500 bis 2500 CS-Kunden aus Deutschland mit einem Depotwert von 1,8 bis 2 Milliarden Franken und angefertigt seit 2007 „zum Zeitvertreib, aus Leidenschaft sowie historischem Interesse an der Nazi-Zeit“, wie Staatsanwalt Carlo Bulletti schreibt.

          Einen Handel aus den Daten machte erst der Mann aus Österreich. Er gewann den Bankangestellten als Komplizen. Als eine Art Bestellzentrale der Steuerfahnder in Nordrhein-Westfalen leitete er zusätzliche Informationswünsche weiter. Im Februar 2010 wurde dann eine Daten-CD übergeben. Zuvor gelieferte Unterlagen enthielten auch eine Powerpoint-Präsentation der CS über den Umgang mit deutschen Kunden. Von den 2,5 Millionen Euro bekam der Bankangestellte nach den Erkenntnissen der Bundesanwaltschaft nur 340.000 Euro.

          Großteil des Hehlergelds verschwunden

          Aber das große Geld brachte dem Österreicher kein Glück. Durch eine Nachlässigkeit der deutschen Behörden keimte bei der österreichischen Bank, auf die ein Teil des Geldes floss, der Verdacht der Geldwäscherei. Sie erstattete Meldung. Auf Wegen, über die sich die Staatsanwälte ausschweigen, gelangte die Verdachtsmeldung in die Schweiz. Die von Nordrhein-Westfalen genannte „Begleichung einer vertraglichen Verpflichtung“ über genau jene 2,5 Millionen Euro, welche der Vermittler erhalten hatte, machte die Bundesanwaltschaft stutzig. Der Mann wurde festgenommen. Zwei Wochen danach brachte er sich Ende September 2010 im Gefängnis um. Wo der Löwenanteil des Hehlergeldes ist, bleibt vorerst im Dunkeln.

          Inzwischen haben Deutschland und die Schweiz ein Steuerabkommen zur Abgeltung alter Sünden und ordnungsgemäßen Versteuerung künftiger Kapitalerträge von Deutschen abgeschlossen. Darin verpflichtet sich die Bundesrepublik, gestohlene Bankdaten nicht „aktiv“ zu erwerben. SPD und Grüne laufen gegen das Abkommen Sturm. Somit bleibt offen, ob es zu einer Wiederholung des Falles Credit Suisse kommen könnte.

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