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Arcandor-Prozess : Thomas Middelhoff droht Gefängnis

  • Aktualisiert am

Ex-Arcandor-Chef Thomas Middelhoff im Oktober vor dem Essener Landgericht. Bild: dpa

Im Prozess gegen den früheren Arcandor-Chef Thomas Middelhoff fordert die Staatsanwaltschaft drei Jahre und drei Monate Haft. Sie sieht den Vorwurf der Untreue als erwiesen an.

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          Im Prozess gegen den ehemaligen Arcandor-Chef Thomas Middelhoff hat die Staatsanwaltschaft drei Jahre und drei Monate Haft wegen schwerer Untreue beantragt. Das erklärten die Ankläger am Donnerstag in ihrem Plädoyer vor dem Essener Landgericht.

          Zuvor hatte die Staatsanwaltschaft erklärt, Middelhoff habe nach ihrer Auffassung seine Treuepflichten verletzt und dem inzwischen pleitegegangenen Konzern geschadet. Middelhoff habe die frühere Karstadt-Mutter „nach Gutdünken“ mit Kosten seiner zahlreichen externen Nebentätigkeiten belastet, sagte Staatsanwalt Helmut Fuhrmann in seinem Plädoyer. Bei Reisen mit Arcandor- und zugleich mit privaten Terminen hätten die Kosten zumindest aufgeteilt werden müssen.

          Hauptsächlich geht es um Flüge mit Chartermaschinen, die von Arcandor bezahlt wurden, nach Auffassung der Ankläger aber ganz oder teilweise privat veranlasst waren. So habe der Manager in New York regelmäßig sein Aufsichtsratsmandat bei der „New York Times“ wahrgenommen. Wenn sich Middelhoff auf Termindruck und Zeitnot berufe, sei dies in vielen Fällen aber nicht Arcandor anzulasten, sondern seinen zahlreichen externen Mandaten, argumentierte die Staatsanwaltschaft.

          Was Middelhoff alles vorgeworfen wird


            Worum geht es eigentlich bei den Prozessen, in die Thomas Middelhoff verwickelt ist?

            Die Zahl der Zivil- und Strafprozesse, in die der frühere Arcandor-Chef Thomas Middelhoff verwickelt ist, ist kaum noch überschaubar. Im Zentrum steht der Prozess, bei dem Middelhoff in Essen als Angeklagter wegen des Verdachts der Untreue vor dem Landgericht steht. Er soll den Kaufhauskonzern (vor allem) mit Privatreisen geschädigt haben. Daneben war Middelhoff als Zeuge im Strafprozess gegen die frühere Führungsriege der Kölner Bank Sal. Oppenheim am Landgericht Köln vorgeladen, verweigerte aber weitgehend die Aussage. Zu groß war wohl die Gefahr, dass er Munition gegen sich selbst für den Prozess in Essen geliefert hätte.

            Welche finanziellen Forderungen gibt es gegen ihn?

            Gerichtsvollzieher nutzten mehrfach die Anwesenheitspflicht des Managers, um ihn mit Millionenforderungen ehemaliger Geschäftspartner oder des Arcandor-Insolvenzverwalters zu konfrontieren. Die größte Summe verlangt dabei der Karstadt-Insolvenzverwalter: insgesamt knapp 180 Millionen Euro.

            Warum will der Arcandor-Insolvenzverwalter Geld von Middelhoff?

            In einem Fall geht es um Boni, die Middelhoff bei dem Kaufhaus zu Unrecht kassiert haben soll. Das Urteil des Essener Landgerichts, das dem Verwalter 3,4 Millionen Euro zugesprochen hat, liegt derzeit beim Oberlandesgericht Hamm in Berufung. Am Landgericht Hagen hat der ehemalige Manager im Gegenzug einen Mahnbescheid gegen die Insolvenzverwaltung über 120 Millionen Euro beantragt, weil er sich von deren Vorwürfen und Klagen geschädigt sieht. In dem weitaus größeren der beiden Ex-Karstadt/Quelle-Verfahren dreht es sich um 175 Millionen Euro, die der Insolvenzverwalter geltend macht. Hierbei geht es um Sonderboni und Privatflüge. Das Landgericht Essen gab ihm im Juni 2012 allerdings nur in einem kleinen Teil der Vorwürfe recht, bezifferte dessen Ansprüche aber noch nicht. Das Oberlandesgericht Hamm prüft die Berufung dagegen und hat einen Sachverständigen eingeschaltet.

            Wer macht noch Ansprüche gegen Middelhoff geltend?

            Der Unternehmensberater Roland Berger fordert einschließlich Zinsen rund 7,5 Millionen aus einem früheren Gemeinschaftsprojekt mit Middelhoff und dem Investor Florian Manfred Lahnstein (Sohn des früheren SPD-Politikers). Middelhoff hat die Forderungen erst vor einem Notar anerkannt – nun macht er aber Gegenforderungen geltend. Der Immobilienentwickler Josef Esch verlangt Pacht für eine Luxusjacht in Höhe von 2,5 Millionen Euro. In beiden Fällen sind bereits Gerichtsvollzieher eingeschaltet. Und die Bank Sal. Oppenheim, die seine Guthaben von rund 25 Millionen Euro eingefroren hat, will weitere 50 Millionen Euro für Kredite, mit denen Middelhoff wiederum Esch-Fonds gekauft hat. Er kontert mit Forderungen von 200 Millionen Euro. Darüber soll im November in erster Instanz vor Gericht verhandelt werden.

            Und was hat Middelhoff mit den Kirch-Erben zu tun?

            Zu allem Überfluss ermittelt die Münchner Staatsanwaltschaft gegen Middelhoff wegen Verdachts der Falschaussage im Milliardenstreit der Kirch-Erben gegen die Deutsche Bank. Wie fast die gesamte frühere Spitze der Deutschen Bank bis hin zum jetzigen Ko-Vorstandschef Jürgen Fitschen soll er falsch ausgesagt haben.

          Einmal habe er einen Charterflieger nur deswegen leer von Köln nach Boston (Amerika) fliegen lassen, um ein paar Stunden früher ins Wochenende starten zu können. Auch Flüge in sein Feriendomizil in Saint-Tropez in Südfrankreich habe er dienstlich abrechnen lassen. Middelhoff habe seine Einlassungen mehrfach geändert, seine Angaben seien teils unschlüssig oder als reine Schutzbehauptungen zu werten, so der Staatsanwalt. Middelhoff hatte die Vorwürfe zurückgewiesen.

          Die Kosten für Flüge zwischen dem Wohnsitz in Bielefeld und dem Arbeitsplatz in Essen müssten von ihm privat getragen werden. So habe dem Manager jederzeit ein Dienstwagen mit Fahrer und eine Dienstwohnung zur Verfügung gestanden. „Wohnt man zu weit weg, oder sind die Verkehrswege schlecht, dann muss man umziehen“, sagte der Staatsanwalt. Von seinem Finanzvorstand habe Middelhoff dies schließlich auch erwartet.

          In der Anklageschrift hatte die Staatsanwaltschaft dem Manager insgesamt 49 Fälle von Untreue mit einem Gesamtschaden von 1,1 Millionen Euro vorgeworfen.

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