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Rechnungshof fordert Bestandsaufnahme : Politiker dürfen Goldreserven nicht sehen

Einige Goldbarren lagern auch in Frankfurt: Das undatierte Bild zeigt eine Mitarbeiterin der Deutschen Bundesbank in einem Tresorraum Bild: dpa

Fast 3400 Tonnen Gold besitzt die Deutsche Bundesbank. Der Großteil davon lagert in New York, London und Paris. Die CDU-Bundestagsabgeordneten Philipp Mißfelder und Marco Wanderwitz wollten nun einmal die Bestände in Augenschein nehmen. Und erhielten prompt eine Absage.

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          Der Goldschatz der Deutschen Bundesbank, der im Ausland liegt, bleibt weiter ein gut gehütetes Geheimnis. Auch Politiker dürfen ihn nicht sehen. Die CDU-Abgeordneten Philipp Mißfelder und Marco Wanderwitz hatten sich an die Bundesbank gewandt, um die Goldbestände in London und in Paris in Augenschein zu nehmen. Sie erhielten nun von Bundesbank-Vorstand Carl-Ludwig Thiele einen abschlägigen Bescheid: „Leider müssen wir Ihnen nach Rücksprache mit den beiden Notenbanken mitteilen, dass die Bank of England und die Banque de France Besuchern keinen Zutritt zu ihren Tresoren gewähren.“ Die Zentralbanken hätten keine „Sonderbereiche für Besucher“.

          Philip Plickert
          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in London.

          Allerdings hatte der französische Notenbank-Chef Christian Noyer im Interview mit der F.A.Z. erst kürzlich versichert: „Unsere Kunden (die Gold bei der Banque de France hinterlegt haben) können sich das ansehen, wann immer sie wollen.“

          Das gilt offenbar nicht für deutsche Volksvertreter. Mißfelder nannte die Absage „befremdlich“. Die Geheimniskrämerei stimme ihn misstrauisch.

          Mehr als die Hälfte der Goldreserve soll in Manhattan liegen

          Hintergrund des Streits ist die Kritik des Rechnungshofes an der intransparenten Lagerung des Goldes im Ausland. Der überwiegende Teil der deutschen Goldreserven von 3396 Tonnen im Wert von gegenwärtig mehr als 130 Milliarden Euro liegt in New York, London und Paris.

          „Warum wird darum so ein Staatsgeheimnis gemacht?“, fragt Philipp Mißfelder
          „Warum wird darum so ein Staatsgeheimnis gemacht?“, fragt Philipp Mißfelder : Bild: dpa

          Es gibt Schätzungen, wonach mehr als die Hälfe bei der New Yorker Federal Reserve an der Südspitze von Manhattan und kleine Teile in London und Paris sein sollen. Etwa 30 Prozent sollen in Bundesbank-Tresoren in Frankfurt und Mainz liegen. Die Bundesbank äußert sich nicht dazu. Ihre Diskretion hat zu vielerlei Spekulationen und Gerüchten geführt. „Warum wird darum so ein Staatsgeheimnis gemacht?“, sagte Mißfelder der F.A.Z

          Bundesbank will keine Inventarisierung

          Der Rechnungshof mahnt in einem aktuellen Bericht mehr Kontrolle der im Ausland befindlichen Goldreserven an. Die Bundesbank solle „die Goldbestände in regelmäßigen Zeitabständen mittels geeigneter Stichproben körperlich aufnehmen“. Die Frankfurter Währungshüter hingegen wollen keine Inventarisierung machen. Thiele verweist in einem Brief an Rechnungshof-Präsident Dieter Engels auf die „allerhöchste Reputation und Bonität“ der Partnernotenbanken.

          Der Haushaltsausschuss wird sich an diesem Donnerstag mit dem Thema befassen. Insbesondere der CSU-Abgeordnete Herbert Frankenhauser setzt sich für mehr Transparenz ein.

          Frankreich hat 1966 sein Gold mit U-Booten aus New York abgeholt

          In Frankfurt liegen nach Bundesbank-Angaben gegenüber dem Rechnungshof derzeit 82857 Barren überwiegend in verplombten Containern. Dem Bericht des Rechnungshofs zufolge, der der F.A.Z. vorliegt, sollen in den kommenden drei Jahren je 50 Tonnen Gold aus New York für eine Prüfung nach Deutschland geholt werden. Auf Druck der Bundesbank sind in dem Bericht viele Stellen geschwärzt worden. „Die Bundesbank hat sich in Widersprüche verwickelt“, meint Mißfelder.

          Das Gold ist in den fünfziger und sechziger Jahren als Bezahlung der hohen deutschen Außenhandelsüberschüsse in den Besitz der Bundesbank gekommen. Frankreich hat unter Präsident Charles de Gaulle 1966 sein Gold mit U-Booten aus New York abgeholt. Der damalige Bundesbank-Präsident Karl Blessing dagegen versicherte 1967 in einem Brief, Deutschland werde sein Gold nicht antasten, solange amerikanische Truppen in Deutschland stationiert seien.

          Bürgerinitiative: „Holt unser Gold heim!“

          Im Mai hat sich eine Bürgerinitiative mit dem Namen „Holt unser Gold heim!“ gebildet. Deren Aufruf haben mittlerweile mehr als 10.000 Menschen unterschrieben. Zu den Erstunterzeichnern zählen der FDP-Abgeordnete Frank Schäffler und der frühere BDI-Präsident Hans-Olaf Henkel. „Es ist ein Unding, dass keine Transparenz herrscht“, sagte Peter Boehringer, einer der Initiatoren. Hinter der Aktion steht auch der bayerische Steuerzahlerbund.

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