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Realwirtschaft auf Rekordfahrt : Dax-Konzerne erhöhen Gewinn auf mehr als 100 Milliarden Euro

  • -Aktualisiert am

Gewinne der Dax-Unternehmen Bild: F.A.Z.

Die großen deutschen Konzerne haben im vergangenen Jahr fast ausnahmslos gut gewirtschaftet - so gut, dass die 30 im Börsenindex Dax notierten Unternehmen zusammen erstmals einen Betriebsgewinn von mehr als 100 Milliarden Euro verbuchten. Die Rekordfahrt könnte 2012 gebremst weitergehen

           „Für viele Unternehmen war das vergangene Jahr das beste der Unternehmensgeschichte“, sagte Thomas Harms, Partner der Beratungsgesellschaft Ernst & Young (E&Y), die die Daten zusammengetragen hat. Den größten Sprung schaffte dabei die Deutsche Börse, die ihr operatives Ergebnis um 118 Prozent auf 1,15 Milliarden Euro steigerte.

          Die Unternehmen profitierten im vergangenen Jahr nicht nur vom starken Wachstum der deutschen Wirtschaft um 3 Prozent, die meisten Konzerne (mit Ausnahme der Energieversorger) sind auch in den rasch wachsenden Schwellenstaaten in Asien oder Südamerika auf Expansionskurs. Dadurch konnten die Dax-Unternehmen ihren Gesamtumsatz im vergangenen Jahr ebenfalls auf einem neuen Rekordwert von 1186 Milliarden Euro (plus 9 Prozent) steigern.

          Allerdings haben sich im Schlussquartal 2011 die ersten Zeichen einer Abschwächung schon gezeigt, heißt es. Immerhin sechs Unternehmen mussten in dieser Periode einen Betriebsverlust ausweisen, und fünf Konzerne hatten rückläufige Erlöse. Die gesamte Umsatzsumme wurde aber im vierten Quartal abermals um 8 Prozent auf 313 Milliarden Euro erhöht. „Für die meisten Dax-Konzerne verlief das Schlussquartal sehr erfolgreich“, sagte Harms. Die Schuldenkrise im Euroraum und die Abschwächung der globalen Konjunktur haben die Dynamik zwar gebremst. „Von einem Einbruch kann aber keine Rede sein“, betonte der E&Y-Fachmann.

          Pessimismus wäre daher auch für das laufende Jahr unangebracht, ergänzte Klaus Wiener, der Chefvolkswirt von Generali Investments. „Es wird für die Unternehmen zwar schwierig, die sehr guten Wachstumszahlen nochmals zu übertreffen“, sagte er. Aber die Aussichten seien für die global operierenden Konzerne besser, als es der Blick allein auf den Euroraum vermuten lasse. So sollten die Schwellenländer seiner Ansicht nach „robust weiterwachsen“, und in Amerika seien die Unternehmen inzwischen in ein deutlich besseres Fahrwasser gekommen.

          Auch winkten bei den Rohstoffen keine überbordenden Belastungen, da bislang nur der Ölpreis stark gestiegen sei, nicht jedoch die breite Palette der Rohstoffpreise. „Daher steckt auch noch in den Aktienkursen im Dax weiteres Potential, auch wenn der Weg nicht mehr so geradlinig verlaufen wird, wie seit dem vergangenen November“, resümierte Wiener.

          Dax-Konzerne haben viel Geld in Forschung und Entwicklung gesteckt

          Auszahlen könnte sich für die Dax-Konzerne nun, dass sie im vergangenen Jahr erhebliche Summen in Forschung und Entwicklung gesteckt haben (plus 10 Prozent auf 29 Milliarden Euro), außerdem wurden auch die Belegschaften leicht um 1,4 Prozent auf 3,68 Millionen Menschen vergrößert. Allerdings beschäftigten 13 Dax-Konzerne zum Jahresende weniger Mitarbeiter als im Vorjahr.

          Die Unternehmen sitzen immer noch auf prall gefüllten Kassen, auch wenn die Gesamtsumme an flüssigen Mitteln von 76 Milliarden Euro zum Jahresende rund 6 Prozent geringer war als im Vorjahr. Das meiste Geld hatte Volkswagen zur Verfügung (14,5 Milliarden Euro), gefolgt von Siemens und Daimler mit jeweils knapp 9 Milliarden Euro. Damit ließen sich weitere Expansionsschritte finanzieren, auch wenn die Konzerne mit großen Übernahmen wohl vorsichtig bleiben werden.

          Im ersten Quartal 2012 stieg das Volumen der Fusionen und Übernahmen mit deutscher Beteiligung zwar um 18 Prozent gegenüber dem Vorquartal auf 15,9 Milliarden Dollar, teilte der Datendienst Thomson Reuters mit. Unter den größten Transaktionen tauchen mit Linde (753 Millionen Euro für Teile des amerikanischen Konzerns Air Products) und Eon (471 Millionen Euro für einen Anteil am brasilianischen Energiekonzern MPX) aber nur zwei Dax-Konzerne auf.

          Um 4 Prozent erhöht hat sich im vergangenen Jahr die Nettoverschuldung der 30 Konzerne auf 156 Milliarden Euro. Das sei aber deutlich weniger als im Krisenjahr 2009, als es 188 Milliarden Euro waren. Zudem seien 5 Konzerne inzwischen gänzlich schuldenfrei, betonte Harms. Den in absoluten Zahlen höchsten Schuldenberg wies die Deutsche Telekom mit 44,6 Milliarden Euro auf.

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