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Reaktionen im Netz : Willkommen auf dem Willy-Brandtschutz-Flughafen

Es wird noch dauern, bis die Flieger Kurs auf den neuen Berliner Flughafen nehmen Bild: dpa

Spott und Häme ernten Politiker und Planer nach der verschobenen Inbetriebnahme des Berliner Flughafens. Bei Twitter unterstellt einer der kalauernden Kommentatoren gar: „Niemand hat die Absicht, einen Flughafen zu eröffnen.“

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          Wer den Schaden hat, muss für den Spott nicht sorgen. Das erledigen im Fall des neuen Hauptstadtflughafens von Berlin, der nun doch nicht wie geplant am 3. Juni in Betrieb genommen wird, die Kommentatoren im Onlinekurznachrichtendienst Twitter. Die Völker der Netzwelt schauen auf die Stadt – und kalauern. Für den neuen Flughafen Berlin-Brandenburg Willy Brandt – kurz BER – schlagen sie alternative Namen vor. Weil nach Angaben der Flughafengesellschaft Brandschutzanlagen „nicht den Reifegrad erreicht haben, der eine Abnahme erlauben würde“, empfiehlt Twitterer Inpressulun den Werbespruch „Willy Brandtschutz begrüßt die Welt“.

          Timo Kotowski
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Andere – wie der Bundestagsabgeordnete Jens Koeppen – wollen den früheren Regierenden Bürgermeister Berlins, Bundeskanzler und Ehrenbürger der Stadt nicht mit der verschobenen Eröffnung in Verbindung gebracht sehen. Das habe Brandt wirklich nicht verdient, twittert der CDU-Politiker. Er plädiere stattdessen für „Matthias-Platzeck-Landebahn“ und „Wowi-Rollfeld“. Die Regierungschefs aus Berlin und Brandenburg, Platzeck und Klaus Wowereit, sitzen im Aufsichtsrat der Flughafengesellschaft.

          Für den Schreiber MattinBerlin gewinnt indes der Fußballanhängerruf „Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin!“ durch den vorerst geschlossenen Hauptstadtflughafen eine neue Bedeutung. Und nach der nunmehr zweiten Verschiebung der Eröffnung, die ursprünglich schon im vergangenen Herbst erfolgen sollte und nun für „nach den Sommerferien“ geplant ist, unterstellt Twitter-Nutzer maiksoehler: „Niemand hat die Absicht, einen Flughafen zu eröffnen.“

          Chaos auch ohne Aschewolken

          Während Baden-Württemberg auf Werbeplakaten mit seinen Dialekten kokettiert („Wir können alles außer Hochdeutsch“), empfiehlt eine Hauptstädterin für sich und ihre Mitbürger: „Wir können alles, außer fliegen.“ Ein Kommentator auf den Twitter-Seiten pflichtet bei: „Wir in Berlin brauchen keine Vulkane oder Aschewolken, wir lassen unseren Flughafen einfach so geschlossen.“ Ein weiterer spielt auf andere Schwierigkeiten in der Berliner Infrastruktur an und empfiehlt als Ausweichmöglichkeit zum gesperrten Terminal: „Wenn das Berliner Volk keinen Flughafen hat, so soll es eben S-Bahn fahren.“ Die Schnellbahnen verkehrten wegen technischer Probleme in den vergangenen Jahren zeitweise nach einem Notfahrplan.

          Der Comedian Dieter Nuhr glaubt indes den wahren Grund für die spätere Betriebsaufnahme am Großflughafen im Süden der Hauptstadt zu wissen: „Es ist aufgefallen, dass er zu weit draußen liegt. Jetzt soll er nach Mitte“, steht auf seiner Twitter-Seite. Andere Nutzer des Kurznachrichtendienstes garnieren ihren Spott mit Rettungsvorschlägen: „Ihr Lenkdrachen-Poser, Einweg-Griller und Freiluft-Kiffer: Bitte gebt sofort die Landebahn in Tempelhof frei. Die wird doch gebraucht“, fordert ein Schreiber die Reaktivierung des 2008 geschlossenen Stadtflughafens. Ein anderer sieht trotz aller Widrigkeiten das Optimum darin erreicht, ab Juni alle Flugzeuge vom neuen Flughafen zu starten – allerdings mit einer Einschränkung: „Das Check-in findet in Tegel statt. Auf dem Weg zum Gate hat der Fluggast dann tolle Shoppingmöglichkeiten.“ Nur ein Autor gibt sich zuversichtlich und verweist auf stockende oder gescheiterte Großprojekten in anderen Städten: „Hamburg – Elbphilharmonie, München – Transrapid, Stuttgart – S21, Frankfurt – Bahntower. Und ihr lacht über BER? Der kommt wenigstens“, schreibt Twitter-Nutzer mathiasrichel.

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