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Ratlosigkeit in Fukushima : Unter Wasser

Stätte des Unglücks: Das Atomkraftwerk Fukushima Daiichi

Tepco scheint beim Versuch, die Lage im Kraftwerk Daiichi allein unter Kontrolle zu bekommen, überfordert zu sein. Das Unternehmen hat immer nur ad hoc auf aktuelle Probleme reagiert, wenn sie auftauchten, meint Tanaka. Deswegen, so Regierungschef Abe, werde die Politik nun - mehr als zwei Jahre nach der Katastrophe - eine „proaktive Rolle“ einnehmen. Zuerst einmal bedeutet das, dass sie Tepco mehr Geld gibt. 47 Milliarden Yen (rund 360 Millionen Euro) stellt sie zur Verfügung, um die Probleme mit dem radioaktiv belasteten Wasser zu lösen. Damit soll unter anderem ein Ring aus gefrorener Erde - für den Kühlschächte in den Boden gegraben werden - um die Reaktorgebäude gebaut werden, um das Grundwasser um die havarierten Reaktorgebäude herum in den Pazifik zu leiten.


Neuer „Hotspot“ entdeckt

Die Kontrollen an den Wassertanks sind schon verstärkt worden. Gingen dort bislang maximal neun Arbeiter auf Patrouille, sollen es künftig 96 sein. Meldungen über Lecks dürften sich allein wegen der verschärften Kontrollen häufen. Erst am Mittwoch entdeckten die Arbeiter an einem der Tanks für verstrahltes Kühlwasser einen neuen „Hotspot“ mit einem Strahlenwert von 2200 Millisievert pro Stunde. Einen halben Meter entfernt ist die Strahlung nur noch 40 Millisievert. Es handelt sich dabei um Beta-Strahlung, die nicht durch die Schutzkleidung der Arbeiter dringt. Für einen ungeschützten Menschen ist diese hohe Dosis allerdings in nur vier bis fünf Stunden tödlich.

Tanakas NRA hat nun angekündigt, Tepco genaue Anweisungen zu geben, wie richtig gemessen wird. Mehr als zwei Jahre nach dem Unfall sind solche Meldungen kaum geeignet, das internationale Vertrauen zu stärken. Hat sich bislang im Amt des Premierministers, in der NRA, im Industrie-oder im Umweltministerium niemand dafür interessiert, was und wie Tepco die radioaktive Belastung misst?

Japans Politik, die in diesen Tagen versucht, dem Energiekonzern den Schwarzen Peter für das schlechte Krisenmanagement zuzuschieben, muss sich die Frage gefallen lassen, was sie selbst eigentlich in den letzten zwei Jahren getan hat. Abe hat die NRA, die personell immer noch schwach ausgestattet ist, mit Vorrang darauf angesetzt, die Sicherheit für die Wiederinbetriebnahme der nach der Atomkatastrophe abgeschalteten Reaktoren zu prüfen. Von den 50 japanischen Atomreaktoren ist derzeit noch einer in Betrieb. Auch der wird noch in diesem Monat wegen Wartungsarbeiten abgeschaltet. Japan ist dann wieder atomfrei.

„Noch viele Risiken“

Tanaka sagt es klar und deutlich: „Es gibt in Fukushima noch viele Risiken.“ Noch ist unklar, wie es in den havarierten Reaktoren genau aussieht. Im obersten Geschoss des zerstörten Reaktorgebäudes 4 lagern 1533 Brennstäbe, die erst von November an Stück für Stück abtransportiert werden können. „Es mag Zeit dauern, die Lage zu stabilisieren“, sagt der NRA-Chef. Offiziell ist jetzt das Industrieministerium zuständig. Doch das hat auch in den vergangenen Jahren die Aufsichtspflicht gehabt - ohne dabei durch Aktivitäten aufzufallen. Bei Tepco ist deswegen hinter vorgehaltener Hand zu hören: „So viel wird sich nicht ändern.“ Das Management in Tokio rechnet allein für den Rückbau des havarierten Atomkraftwerks mit Kosten von 950 Milliarden Yen (rund 7,3 Milliarden Euro). Schon jetzt sind rund 270 Milliarden Yen angefallen, am Ende dürften die Kosten weit höher liegen.

Das Problem mit dem radioaktiv belasteten Wasser wird sich so schnell nicht lösen lassen. Atomaufseher Tanaka hat die internationale Öffentlichkeit deswegen schon auf den nächsten Schritt vorbereitet. Notfalls müsse man das Wasser in den Pazifik abpumpen, sagt er. Selbstverständlich nur, wenn es genügend verdünnt ist, so dass die Belastung unter den Grenzwerten liegt, fügt er hinzu.

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