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Ratingagentur Moody’s : Frankreich droht Herabstufung

  • Aktualisiert am

Die Ratingagenturen beobachten Frankreichs Sparbemühungen Bild: Marcus Jauer

Die Ratingagentur Moody’s hat Frankreich vor einer Herabstufung von dessen Spitzen-Bonitätsnote gewarnt. EU-Währungskommissar Rehn sieht inzwischen auch den Kern der Euro-Länder von der Krise erfasst.

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          Die steigenden Zinsen für französische Schuldpapiere und die schwächelnde Wirtschaft können nach Einschätzung der Ratingagentur Moody’s für Frankreichs Top-Bonität AAA gefährlich werden. Die von der französischen Regierung angestrebte Verringerung des Haushaltsdefizits werde bei längerem Andauern dieser Risikofaktoren schwerer zu erreichen, stellte Moody’s am Montag in einem Bericht für Investoren fest. Die Regierung bemühe sich zwar, aber auf bestimmte Faktoren wie das Wachstum und die europäische Schuldenkrise habe sie keinen direkten Einfluss.

          Moody’s’ Warnschuss trug dazu bei, dass die Aktienmärkte deutlich nachgaben. Der deutsche Dax und der französische CAC 40 lagen bis zum Mittag je rund 2,6 Prozent im Minus.

          Moody’s hatte bereits Mitte Oktober die Kreditwürdigkeit Frankreichs unter Beobachtung gestellt. Es sollte überprüft werden, inwieweit die französische Regierung die angekündigten Maßnahmen zur Reduzierung des Staatsdefizits umsetzt. Innerhalb von drei Monaten sollte entschieden werden, ob Frankreich, das derzeit mit der Bestnote AAA bei der Kreditwürdigkeit bewertet wird, noch die Bedingungen für die Perspektive „stabil“ erfüllt. Ein negativer Ausblick wäre der erste Schritt zu einer späteren Herabstufung.

          Langfristige Finanzierung wird für Frankreich teuer

          Moody’s-Experte Alexander Kockerbeck verwies im wöchentlichen Kreditausblick der Agentur darauf, dass die Renditeaufschläge zehnjähriger französischer Staatsanleihen vorige Woche erstmals seit Bestehen der Währungsunion um zwei Prozentpunkte über deutschen Bonds lagen. Damit zahle Frankreich für langfristige Finanzierungen Anlegern fast das Doppelte wie Deutschland. Ein Renditeanstieg um einen Prozentpunkt bedeute pro Jahr etwa Zusatzkosten von rund drei Milliarden Euro, erklärte Moody’s. Das von der Regierung erwartete Wachstum von nur einem Prozent 2012 erschwere den angepeilten Schuldenabbau.

          Der Moody’s Konkurrent Standard & Poor’s hatte jüngst - nach eigenen Angaben - versehentlich Frankreichs Toprating „AAA“ herabgestuft. Dies hatte für große Empörung in Frankreich gesorgt, aber vor allem für heftige Turbulenzen an den Finanzmärkten.
           

          Schuldenkrise weitet sich aus

          Laut EU-Währungskommissar Olli Rehn betrifft die Schuldenkrise inzwischen auch den harten Kern der Euro-Länder. „Die Krise trifft den Kern der Euro-Zone, wir sollten uns darüber keine Illusionen machen“, sagte Rehn am Montag bei einer Konferenz in Brüssel. Das Vertrauen der Finanzmärkte könne auf Dauer nur über einen Abbau der Staatsverschuldung zurückgewonnen werden. Dazu gebe es keine Alternative. „Man kann keine Wachstumsstrategie auf weiter steigenden Schulden aufbauen, wenn die Fähigkeit, die Schulden zu bezahlen, an den Märkten infrage gestellt wird“, ergänzte er.

          Ähnlich äußerte sich auch der scheidende EZB-Chefvolkswirt Jürgen Stark. Die Schuldenkrise habe sich auf die sogenannten Kenstaaten der Euro-Zone ausgeweitet, sagte Stark am Montag in Dublin. Zudem wüchsen die Sorgen, dass die Krise sich langfristig auf Wachstum und Beschäftigung auswirke.

          Auch von Österreich und den bisher als grundsolide betrachteten Euro-Staaten Niederlande und Finnland hatten die Investoren in der vergangenen Woche höhere Risikoprämien verlangt.

          Die französische Regierung hat in den vergangenen Monaten bereits zwei rigide Sparpläne aufgelegt, um das hohe Haushaltsdefizit zu drücken und zugleich die AAA-Note zu bewahren.

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