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Umstrittenes Buch : Random House gesteht Falschaussage über Sarrazin

Thilo Sarrazin im März 2014 beim ARD-TV-Forum auf der Leipziger Buchmesse in Leipzig (Sachsen). Bild: dpa

Thilo Sarrazin darf sein neues Buch nicht bei seinem bisherigen Verlag Random House veröffentlichen. Darüber gibt es einen Rechtsstreit – und nun einen kleinen Erfolg für den Autor.

          In der juristischen Auseinandersetzung um das neue Islam-Buch des umstrittenen Bestsellerautors Thilo Sarrazin hat der Chefjustiziar des Verlag Random House eine Falschaussage zugegeben. Es geht um die Frage eines Gutachtens über die Thesen  in dem Buch mit dem Titel „Feindliche Übernahme“. Chefjurist Rainer Dresen hatte öffentlich behauptet, Sarrazin habe es abgelehnt, vor Veröffentlichung des Buchs durch einen wissenschaftlichen Gutachter zu klären, ob seine Interpretation des Korans tragbar sei. Doch Sarrazin konnte eine Mail vorlegen, in der er explizit eine mit ihm abgestimmte Begutachtung akzeptiert hatte.

          Philip Plickert

          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in London.

          Der Verlagsjustiziar musste daraufhin einen Fehler eingestehen. Seine Aussage sei „in der Tat nicht vollständig und damit nicht korrekt“, schrieb Dresen in einer Mail, die der F.A.Z. vorliegt. Mitte Juli hatte eine mündliche Verhandlung vor dem Landgericht München stattgefunden. In dem Rechtsstreit geht es um große Summen: Autor Sarrazin, ehemals Vorstandsmitglied der Bundesbank, verlangt mehr als 800.000 Euro Schadenersatz, nachdem der zum Bertelsmann-Konzern gehörende Random-House-Verlag sich trotz eines gültigen Autorenvertrags weigerte, das Buch herauszugeben.

          Random-House-Justiziar Dresen gab an, Sarrazin könne die Hälfte des bereits bezahlten Vorschusses von 100.000 Euro behalten. Mehr will der Verlag nicht zahlen. Sarrazin beansprucht eine halbe Million Euro für entgangenen Gewinn. Allerdings hat er schon einen neuen Verlag gefunden, den Münchner FinanzBuch Verlag, der das Buch Ende August herausgeben will. Das Werk hat den vollständigen Titel „Feindliche Übernahme: Wie der Islam den Fortschritt behindert und die Gesellschaft bedroht.“

          Dresen schrieb gegenüber der F.A.Z., ihm sei kein Fall bekannt, in dem ein Autor eine so hohe Schadenersatz-Summe verlange. Er sei skeptisch, ob eine Einigung auf einen Vergleich möglich sein wird. Der frühere SPD-Finanzsenator und Bundesbanker Sarrazin hatte vor acht Jahren, im Herbst 2010 sein Buch „Deutschland schafft sich ab“ im Verlag DVA, der Teil von Random House ist, herausgebracht und damit eine monatelange hitzige Debatte ausgelöst. Das viel kritisierte Buch wurde einer der größten Sachbuch-Bestseller mit mehr als 1,5 Millionen verkauften Exemplaren. Damit haben Verlag und Autor mutmaßlich mehrere Millionen Euro Gewinn gemacht. Seitdem erschienen weitere Bücher von Sarrazin bei DVA. Nun haben sich Verlag und Autor verkracht.

          Korrektur: Random House teilt mit, dass es anbietet, dass Sarrazin die Hälfte des Vorschusses behalten kann, nicht den ganzen Vorschuss, wie in der ursprünglichen Meldung geschrieben. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.

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