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Randale vor Geschäften in China : Apple wird Opfer des eigenen Erfolgs

Am Ende musste sogar die Polizei einschreiten: Weil dieser wütende Kaufwillige sich weigerte, den Platz vor dem Apple-Store in Peking ohne neues Handy zu verlassen, wird er von chinesischen Sicherheitskräften weggebracht Bild: REUTERS

Der enorme Erfolg seiner Produkte in China bringt Apple wortwörtlich in Bedrängnis. Vor Geschäften des Elektronikkonzerns brachen Tumulte aus, weil zum offiziellen Verkaufsstart eines neuen Handys nicht genug Geräte verfügbar waren.

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          Schon zum zweiten Mal musste der amerikanische Informationstechnikhersteller Apple den Verkaufsbeginn eines neuen Geräts abbrechen, weil zu viele Käufer in die Geschäfte drängten. Am Freitagmorgen kam es vor einem offiziellen Apple-Store in Peking zu Tumulten, nachdem dieser nicht wie angekündigt um 7 Uhr geöffnet hatte, um erstmals das neue internetfähige iPhone 4S anzubieten. Das berichten Augenzeugen und Nachrichtenagenturen.

          Aus Sicherheitsgründen geschlossen

          Christian Geinitz

          Wirtschaftskorrespondent in Berlin

          Aus einer Menge von mehreren hundert Wartenden heraus kamen wütende Rufe, Eier flogen gegen die Schaufenster. Die Polizei musste eingreifen, um das Geschäft zu sichern. Den Angaben zufolge hatte während der Nacht eine Traube Menschen vor dem Verkaufsraum im Pekinger Bar- und Einkaufsviertel Sanlitun bei Minustemperaturen ausgeharrt, um die begehrten neuen Smartphones zu ergattern. Vergeblich, denn der Laden blieb den ganzen Tag über geschlossen. „Aus Sicherheitsgründen“, wie Apple mitteilte.

          Der zweite Pekinger Apple-Store im Xidan-Viertel nahe dem Tiananmen-Platz hatte am morgen nur kurz geöffnet. Nachdem er alle verfügbaren Telefone verkauft hatte, schloss er. In Schanghai-Pudong versuchten die Verkäufer den Druck der Menge dadurch zu mildern, dass sie eine Stunde früher öffneten. In ganz China gibt es sechs Apple-Stores.

          „Das wird wohl nichts mehr“

          In dem Geschäft in Sanlitun stehen seit Zerstreuung der Massen Schilder im Schaufenster. Darauf heißt es: „Dieses Geschäft verkauft vorerst kein iPhone 4S“. Die Schmierspuren der Eier an den Scheiben sind noch sichtbar. Vier Einsatzwagen der Polizei stehen parat, Uniformierte patrouillieren vor dem Geschäft. Ein Kunde sagt, er habe heute schon dreimal sein Glück versucht, immer seien die Türen verschlossen gewesen. Der Wartende will seiner Tochter in der Heimatprovinz Hubei für das bevorstehende chinesische Neujahrsfest ein iPhone mitbringen. „Das wird wohl nichts mehr“.

          Das Interesse möchten sich die Schwarzhändler zunutze machen, die sich hier „Huang Niu“ nennen, „Gelbe Rinder“. Einer von ihnen lungert vor dem Geschäft herum. Er hat vergeblich in der nächtlichen Schlange gefroren. Da er zu einer organisierten Gruppe gehört, hat er dennoch die neuen Telefone dabei, von „Kollegen“ in Xidan, sagt er. Er möchte 5700 Yuan pro Stück (707 Euro), 712 Yuan mehr als der offizielle Apple-Preis. Den Aufschlag erklärt er damit, dass er Wanderarbeiter engagiert habe, um sich vor den Geschäften anzustellen. Denn jeder Käufer darf nur zwei Telefone erwerben. „Die Helfer müssen bezahlt, transportiert, verpflegt werden.“

          Umsatzsteigerung um 10 Milliarden Euro

          Wer in Peking ein iPhone 4S haben will, bekommt auch eines - trotz der Schwierigkeiten. Apple verkauft die Geräte im Internet, der Mobilfunkbetreiber China Unicom bietet sie, zusammen mit einem Vertrag, für 5880 Yuan an. Schon seit Oktober gibt es überall in der Stadt geschmuggelte Geräte aus Kanada oder Hongkong, sie kosten derzeit 5300 Yuan.

          Im Mai war es in Sanlitun beim Verkaufsstart des Tabloid-Computers iPad2 zu ähnlichen Vorfällen wie am Freitag gekommen. Damals ging eine Glastür zu Bruch, vier Menschen wurden verletzt. Apple hat in den ersten neun Monaten 2011 rund 5,6 Millionen iPhones in China verkauft, die dortigen Apple-Stores erbringen die höchsten Umsätze. Im vergangenen Geschäftsjahr stieg Apples Umsatz im Reich der Mitte von 3 auf 13 Milliarden Dollar. Das waren 16 Prozent der Gesamterlöse. Wichtiger ist nur der Heimatmarkt Nordamerika.

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