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Vor Hauptversammlung : Deutsche Bank verliert ihren Privatkundenchef

Vorstand für das Privat- und Firmenkundengeschäft: Rainer Neske Bild: Frank Röth

Bei der Deutschen Bank geht ein wichtiger Topmanager von Bord: Privatkundenvorstand Rainer Neske will das Institut verlassen. Monatelang hatte er zuvor mit Ko-Bankchef Anshu Jain um die Strategie des Geldhauses gerungen.

          Der Privatkundenvorstand der Deutschen Bank, Rainer Neske, wird Deutschlands führende Bank in naher Zukunft verlassen. Nach Informationen dieser Zeitung aus Finanzkreisen besteht eine grundsätzliche Übereinstimmung mit dem Aufsichtsrat über ein Ausscheiden in allseitigem Einvernehmen, auch wenn Details zu verhandeln bleiben. Die Deutsche Bank wollte dies nicht kommentieren. Zuerst hatte das „Handelsblatt“ über einen Ausstieg Neskes berichtet. Ein Nachfolger ist dem Vernehmen noch nicht bestimmt, aber eine Neubesetzung wird bis zu der für Donnerstag anberaumten Hauptversammlung angestrebt. Am Mittwoch tagt der Aufsichtsrat.

          Der 50 Jahre alte Manager Neske, der dem Vorstand seit 2009 angehört, verlässt das Haus aus eigenem Antrieb. In den Strategiedebatten der vergangenen Monate hatte Neske mit den Investmentbankern um Ko-Vorstandschef Anshu Jain um die künftige Strategie der Bank gerungen. Durchgesetzt hatte sich am Ende Jain, der über mehr Rückhalt im Aufsichtsrat verfügte. Die Postbank, ein nicht unwesentlicher Bestandteil des Privatkundengeschäfts, soll aus der Deutschen Bank wieder ausgegliedert werden; das Filialnetz der Deutschen Bank wird in den kommenden Jahren in Deutschland deutlich schrumpfen. Dass auch das Investmentbanking Einschnitte hinnehmen muss und die Bank Geld in die digitale Weiterentwicklung des Privatkundengeschäfts stecken will, ändert nichts an der Tatsache, dass sich Jain in der internen Auseinandersetzung mit Neske durchgesetzt hat.

          Fitschen: „Zu keinem Zeitpunkt gelogen“

          Unterdessen wird in München der Prozess gegen führende und frühere Manager der Bank fortgesetzt. Der Ko-Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank, Jürgen Fitschen, hat vor dem Landgericht alle Vorwürfe des versuchten Prozessbetrugs zurückgewiesen – ebenso wie sein Vorgänger Josef Ackermann, der frühere Aufsichtsratschef Clemens Börsig und der ehemalige Rechtsvorstand Tessen Heydebreck. Der einstige Vorstands- und Aufsichtsratschef Rolf-Ernst Breuer verweigerte als einziger Angeklagter die Aussage. Er soll im Jahr 2002 mit einem Fernsehinterview den später verstorbenen Medienunternehmer Leo Kirch in den Ruin getrieben haben. Um dessen Schadensersatzklagen in Milliardenhöhe abzuwehren, sollen er und die anderen Ex-Vorstände das Oberlandesgericht München angelogen haben. Fitschen wird lediglich vorgeworfen, dies nicht verhindert zu haben.

          „Ich habe zu keinem Zeitpunkt gelogen oder betrogen“, versicherte er am Montag vor der Wirtschaftsstrafkammer. In einer 20-minütigen Erklärung sagte Fitschen, an eine Vorstandssitzung vom Januar 2002 habe er bei seiner Aussage vor dem Oberlandesgericht im Jahr 2011 nur eine „verblassende Erinnerung“ gehabt. Um Kirch sei es dort nur unter dem letzten Tagesordnungspunkt „Verschiedenes“ gegangen, nämlich als Breuer von einem Gespräch unter anderem mit dem damaligen Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) zur Rettung des kriselnden Medienkonzerns berichtet habe. Der Vorstand habe daraufhin lediglich gewünscht, dass Breuer Kirch fragt, ob er eine Beratung durch die Bank wünsche – nicht aber, wie die Anklage meint, ein Mandat von ihm angestrebt. Wichtiger war in jener Sitzung laut Fitschen ein Eklat mit dem damaligen Vorstand Thomas Fischer, der aus Verärgerung über die neue Führungsstruktur abrupt den Raum verlassen habe.

          Wie Fitschen erklärte, war er in die Führung des Zivilprozesses nicht eingebunden. Auch wies er die Anschuldigung zurück, Breuer habe mit dem Interview Kirch in die Insolvenz treiben wollen. Dies hätte gar keinen Sinn ergeben, weil dieser ohnehin schon angeschlagen gewesen sei; daher habe Kirch auch kein Schaden mehr entstehen können. In damalige Überlegungen des hauseigenen Investmentbanking zur Zerschlagung des Kirch-Konzerns war Fitschen nach seinen Angaben ebenfalls nicht eingeweiht. Ackermann, zu jener Zeit zuständiger Investment-Vorstand, bestritt vehement, sich gemeinsam mit Vorstandskollegen auf die angeblich falschen Aussagen vor dem Oberlandesgericht vorbereitet zu haben. „Ich habe keine Prozessstrategie festgelegt“, versicherte er. Es sei ihm um eine umfassende Aufklärung gegangen, nicht darum, die Zivilrichter durch Falschaussagen zu täuschen. Auch habe ihm niemand etwas „in den Mund gelegt“. Ackermann war demnach ohnehin gegen ein weiteres Mandat von Kirch, falls dies mit finanziellen Belastungen für die Bank verbunden gewesen wäre.

          Harsch ging Börsig mit den Anklagevertretern zu Gericht: „Eine wahrheitswidrige Aussage widerspräche mir total.“ Die Strafverfolger hätten ein „unzureichendes Verständnis der Corporate Governance einer Großbank“. Auch listete Börsig diverse Details aus der Anklage auf, die nach seinen Angaben nachweislich falsch seien, etwa der Zeitraum seiner Vorstandstätigkeit. Allerdings kritisierte er deutlich Breuers Interview, das er zufällig in einem Hotel in Moskau gesehen habe. „So spricht man nicht über einen Kunden“, habe er sofort gedacht. Dahinter eine böse Absicht zu vermuten sei aber „bar jeder kaufmännischen Lebenserfahrung“.

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