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Quartalsverlust : Commerzbank muss Jahresziel 2012 kippen

Das zweitgrößte deutsche Geldhaus rutschte im dritten Quartal wegen neuer Abschreibungen auf Griechenland-Anleihen tief ins Minus Bild: dpa

Nach einem hohen Verlust im dritten Quartal stellt die Tochterbank Eurohypo bis Juni 2012 das Neugeschäft komplett ein. Die Commerzbank vergibt bis dahin außerhalb Deutschlands und Polens keine Kredite mehr.

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          Nach einem höher als erwartet ausgefallenen Quartalsverlust muss die Commerzbank ihre Gewinnprognosen für die Jahre 2011 und 2012 aufgeben. Um den von der Europäischen Bankenaufsicht aufgedeckten Kapitalbedarf von 2,9 Milliarden durch den Abbau von Risiken zu decken, stellt die teilverstaatlichte Bank zudem ihr Kreditneugeschäft außerhalb Deutschlands und Polens bis zur Jahresmitte 2012 ein.

          Hanno Mußler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die Immobilientochterbank Eurohypo darf bis dahin gar kein Neugeschäft mehr machen. Mutmaßungen, die Eurohypo, die nach EU-Auflagen bis 2014 verkauft werden muss, könne größtenteils in die zur Abwicklung bestimmte Einheit in der Commerzbank integriert werden, nannte Finanzvorstand Eric Strutz „Spekulation“ und „kaum vorstellbar“.

          Drei Jahre nach der angekündigten Übernahme der Dresdner Bank, unter der die Commerzbank mehr als ein Jahr lang litt, werden nun alle Beteiligungen mit Ausnahme der Comdirect und der polnischen BRE Bank zum Verkauf gestellt - etwa die Bank Forum in der Ukraine. Auf die Frage, wann die Commerzbank die verbliebene stille Einlage des Bundes von 1,9 Milliarden Euro zurückzahlt und ob sie für dieses Jahr 170 Millionen Euro Zinsen zahlt, sagte Strutz angesichts der korrigierten Ziele: „Alles ist im Fluss.“

          Bild: dpa

          Die Gewinnprognose für 2012 von 4 Milliarden Euro vor Steuern zu kippen, die er schon im Jahr 2009 nach dem Erhalt von 18,2 Milliarden Euro Staatshilfe als „Roadmap 2012“ ausgegeben hatte, fiel dem Vorstandsvorsitzenden Martin Blessing offenbar schwer: „Wir fühlen uns unserem ursprünglichen Ergebnisziel ... verpflichtet, werden es jedoch aufgrund der Marktgegebenheiten noch nicht im nächsten Jahr erreichen können“, schrieb Blessing am Freitag an die Aktionäre. Die Commerzbank-Aktie war daraufhin mit einem Kursverlust von 4 Prozent größter Verlierer im Dax.

          „Desillusionierender Verlust“

          Olaf Kayser, Analyst der LBBW, nannte den Verlust der Commerzbank in Höhe von 687 Millionen Euro im dritten Quartal 2011 desillusionierend. Nach einem Gewinn im ersten Halbjahr von gut 1 Milliarde Euro weist die Commerzbank zwar für die ersten neun Monate noch ein positives Konzernergebnis von 322 Millionen aus. Doch das Ziel, den Vorjahresgewinn von 1,4 Milliarden Euro in 2011 wie geplant „signifikant“ zu steigern, ist nicht mehr realistisch, auch wenn im vierten Quartal ein zweistelliger Millionenbetrages als Buchgewinn aus dem Verkauf des ehemaligen Dresdner-Bank-Hochhauses anfällt. Denn alles überschattet die Krise hochverschuldeter Euroländer (PIGS).

          Hauptgrund für den ersten Quartalsverlust seit dem vierten Quartal 2009 sind Abschreibungen auf die von der Eurohypo gehaltenen griechischen Staatsanleihen. Nach 760 Millionen Euro im zweiten Quartal korrigierte die Commerzbank ihren Wert um weitere 798 Millionen Euro. Griechische Staatsanleihen stehen nun noch mit 1,4 Milliarden Euro in der Bilanz. Zudem hat die Bank Italien 7,9, Spanien 2,8 und Portugal 0,9 Milliarden Euro geliehen. Insgesamt ist der PIGS-Bestand auch wegen der Abschreibungen auf die Griechenland-Papiere in Höhe von 52 Prozent seit Jahresanfang von 16,7 auf nun 13 Milliarden Euro zurück gegangen. „Der Abbau von Risiken bleibt eine unserer zentralen Aufgaben“, sagt Strutz.

          Risikoabbau führte zu hohen Verlusten

          Seit einem Jahr hat die Commerzbank die Bilanzsumme um 13 Prozent auf 738 Milliarden Euro verringert. Durch schärfere Vorschriften („Basel 2,5“) steigen die Risikoaktiva zum Jahresende zunächst um 40 Milliarden Euro, so dass die harte Kernkapitalquote von derzeit 9,4 Prozent unter 9 Prozent sinkt. Bis zur Jahresmitte 2012 aber sollen die risikogewichteten Aktiva um 30 Milliarden Euro sinken. Damit sinkt auch der auf den Kapitalmarkt zu deckende Refinanzierungsbedarf von 10 bis 12 Milliarden in diesem auf 6 bis 8 Milliarden Euro im kommenden Jahr.

          Aber der Risikoabbau führte zumindest im dritten Quartal zu hohen Verlusten in der Immobilien-, Schifffahrt- und Abwicklungssparte von zusammen 1,7 Milliarden Euro. Dem stehen Gewinne der Kernbank aus Privatkunden, Mittelstand, Osteuropa und Investmentbanking von 542 Millionen Euro gegenüber. Den größten Ergebnisbeitrag mit 344 (Vorjahresquartal: 430) Millionen Euro lieferte wie üblich die Mittelstandsbank. Der Abbau von Risiken soll denn auch nicht zu Lasten deutscher Firmenkredite gehen. Für das Kreditgeschäft mit dem deutschen Mittelstand muss nur geringe Risikovorsorge getroffen werden, auch wenn sich der Wert im dritten gegenüber dem zweiten Quartal auf 51 Millionen Euro verdoppelte. Für den Konzern senkte die Commerzbank ihre Jahresprognose für die Risikovorsorge sogar leicht von weniger als 1,8 auf weniger als 1,7 Milliarden Euro.

          Auch lieferte das Investmentbanking im vierten Quartal mit 35 Millionen Euro anders als bei vielen Konkurrenten trotz der schwachen Kapitalmärkte einen Gewinn. Dabei profitierte die Sparte allerdings von einem positiven Effekt von 180 Millionen Euro, der daraus resultiert, dass Schuldverschreibungen der Commerzbank weniger wert sind, weil Anleger sie als riskanter einschätzen. Zudem profitierte die Commerzbank von einem Steuerertrag von fast 200 Millionen Euro.

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