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Wissenschaft : Volkswirte müssen global denken, nicht provinziell

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In den vergangenen zwei Jahrzehnten ist es der Volkswirtschaft im deutschsprachigen Raum gelungen, sich aus der Provinzialität der deutschen Nachkriegszeit zu entfernen. Das hat verschiedene Gründe: Sie hat sich stärker an globalen Maßstäben und Qualitätskriterien orientiert und die für die Politik relevante empirische Wirtschaftsforschung ausgebaut. Sie hat die Entwicklung entsprechender Datensätze und Methoden vorangetrieben und Themengebiete definiert, die in den deutschsprachigen Ländern hoch relevant, aber gleichzeitig von internationalem Interesse sind. Diese Orientierung an der internationalen Forschung und an ihren Standards hat die Qualität der empirischen Forschung in Deutschland erheblich gesteigert, was sich direkt in bessere empirisch-fundierte Politikberatung übersetzt hat. Ein Beispiel ist die Bewertung von Arbeitsmarktpolitik und Arbeitsmarktreformen.

Nicht bedauerlich, sondern ein Fortschritt

Als Konsequenz publizieren immer mehr junge Wissenschaftler aus dem deutschsprachigen Raum in den internationalen Spitzenzeitschriften der Volkswirtschaft: Sie betreiben exzellente Forschung über europäisch relevante Themen. Es ist nicht bedauerlich, sondern ein Fortschritt, wenn Berufungen auf eine Professur sich an solchen internationalen Publikationen orientieren, in denen die Forschungsqualität von internationalen Fachkollegen begutachtet wird, statt an dem alten System der Habilitation festzuhalten, in dem die Bewertung lediglich der lokalen Fakultät – und im Extremfall sogar nur dem Betreuer – unterliegt, wodurch Nachwuchswissenschaftler oft über viele Jahre in eine Position der Abhängigkeit gebracht wurden.

Junge deutsche Wissenschaftler orientieren sich heute an internationalen Leistungsstandards, arbeiten oft an hochrelevanten Themen, und viele von ihnen zählen heute zu den besten Ökonomen der Welt. Der Artikel von Thomas Ehrmann und Aloys Prinz stellt diese Orientierung in Abrede. Er gibt an mehreren Stellen zu verstehen, die Arbeiten dieser Forscher seien opportunistisch, da lediglich an „amerikanischen“ Themen ausgerichtet, und lieferten keine relevanten Antworten mehr zu Fragen der europäischen Wirtschaftspolitik. Das Gegenteil ist jedoch der Fall. Es sind gerade die jüngeren Wissenschaftler, von denen viele auch im Ausland ausgebildet sind (was eine Folge der an ausländischen Spitzenuniversitäten häufig besseren Doktorandenprogramme ist), die sich im globalen Wettbewerb mit herausragender Forschung behaupten. Sie gehen auf wichtige wirtschaftspolitische Fragestellungen ein, kennen nicht nur deutsche oder europäische, sondern auch amerikanische und globale Zusammenhänge, und tragen dadurch zur aktuellen Politikdiskussion bei.

Der Artikel von Herrn Ehrmann und Herrn Prinz scheint einer Zeit nachzutrauern, in der deutsche Ökonomen in einem weitaus kleineren Pool – und in deutscher Sprache – miteinander konkurrierten. Ja, natürlich war das einfacher als der globale Wettbewerb, dem sich forschende Ökonomen heute ausgesetzt sehen. Es ergeht ihnen übrigens nicht anders als vielen Arbeitnehmern in anderen Berufen auch. Aber der Wettbewerb führt auch zu besserer, relevanterer und vor allem belastbarerer Forschung, die gerade auch für die politische Debatte von immenser Bedeutung sein kann.

Christian Dustmann ist Professor für Economics am University College London, Direktor des Centre for Research and Analysis of Migration (CREAM) und Mitglied im Research Network des RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung.

Christian Dustmann ist Professor für Economics am University College London, Direktor des Centre for Research and Analysis of Migration (CREAM) und Mitglied im Research Network des RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung.

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