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Energieminister : Qatar droht Europa mit Gas-Entzug

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Saad Al Kaabi in Kairo Bild: EPA

„Der freie Markt ist immer die beste Lösung“, sagt der Energieminister von Qatar – und bezeichnet den Gaspreisdeckel als „heuchlerisch“. Wer nur einen Cent mehr biete, erhalte den Zuschlag.

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          Der Energieminister von Qatar hat die europäischen Vorschläge zur Deckelung der Erdgaspreise als „heuchlerisch“ bezeichnet. Eingriffe in die Märkte konterkarierten die Wettbewerbsregeln, die Europa bisher auf die Produzenten angewandt habe, sagte Saad Al Kaabi im Interview mit Bloomberg TV. Er ist in Personalunion auch Chef des weltgrößten Flüssiggas-Produzenten, Qatar Energy.

          „Der freie Markt ist immer die beste Lösung“, sagte Al Kaabi am Sonntag. Eine Begrenzung des Erdgaspreises verringere auch die Anreize für Investitionen in die Gasförderung und könnte einigen Abnehmern den Zugang zu Lieferungen verwehren. Konkurrierende Importeure könnten Ladungen anlocken, die sonst nach Europa gehen würden, wenn sie nur einen Cent mehr böten, so der Minister.

          Sollten die Winter streng ausfallen und die russischen Pipeline-Lieferungen nicht wieder auf ein normales Niveau zurückkehren, rechnet Al Kaabi damit, dass Europas Schwierigkeiten bis mindestens 2025 andauern.

          Faeser zu Besuch in Qatar

          Versuche europäischer Spitzenpolitiker in diesem Jahr, sich größere Flüssiggas-Mengen aus Qatar zu sichern, waren weitgehend erfolglos. Das Emirat reizt seine installierte Kapazität für den supergekühlten Brennstoff schon seit Jahren aus.

          Zur Stabilisierung der Energiekosten will die Europäische Kommission die Gaspreise mithilfe eines dynamischen Preismechanismus deckeln, der bereits in diesem Winter in Kraft treten könnte.

          Im März hatte die Europäische Kommission eine fast vierjährige kartellrechtliche Untersuchung der LNG-Lieferverträge zwischen Qatar und europäischen Unternehmen abgeschlossen. Bedenken, dass die Vereinbarungen die Möglichkeiten der EU-Gasimporteure einschränkten, LNG an alternative Bestimmungsorte innerhalb des Binnenmarktes zu verkaufen, erhärteten sich nicht.

          Für Bundesinnenministerin Nancy Faeser stehen am zweiten und letzten Tag ihres Besuchs in Qatar die ersten Termine mit Verantwortlichen aus dem Gastgeberland der Fußball-WM auf dem Programm. Die für den Spitzensport zuständige SPD-Ministerin will an diesem Dienstag mit dem qatarischen Premier- und Innenminister Scheich Chalid bin Chalifa Al Thani und mit dem Generalsekretär des WM-Organisationskomitees, Hassan al-Thawadi, sprechen. Davon, wie diese Gespräche laufen, wird wohl auch abhängen, ob und wer für die Bundesregierung zur Weltmeisterschaft anreist. Auch ein Treffen von Faeser mit FIFA-Präsident Gianni Infantino ist geplant. Vor Beginn ihres Besuchs hatte sich die qatarische Regierung beschwert, weil die deutsche Sportministerin die WM-Vergabe an Qatar kritisiert hatte.

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