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Australische Fluggesellschaft : Qantas meldet zweithöchsten Verlust in seiner Unternehmensgeschichte

Das nationale Geschäft von Qantas wird durch lokale Corona-Ausbrüche in Australien stark betroffen. Bild: AFP

Der Qantas-Chef bereitet sich trotz hoher Verluste wieder auf ein Wiederabheben des Unternehmens vor. Im Anschluss soll an der Kostenschraube gedreht werden. Zunächst aber verlieren 6000 Menschen ihre Arbeit.

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          Die Corona-Neuinfektionen in der Millionenstadt Melbourne und die folgenden Grenzschließungen belasten Qantas noch stärker als erwartet. Die größte australische Fluggesellschaft meldet bei ihrer Bilanzvorlage eine Auslastung von nur noch einem Fünftel im heimischen Flugverkehr – der internationale Verkehr aus oder nach Australien ist praktisch geschlossen. „Mir macht nur Hoffnung, dass wir wissen, es wird eine riesige Nachfrage geben, wenn die Grenzen geöffnet werden und Menschen wieder reisen können“, sagte Alan Joyce, der Vorstandsvorsitzende von Qantas Airways am Donnerstag.

          Christoph Hein
          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          Er rechnet allerdings damit, dass der internationale Verkehr erst ab Juli nächsten Jahres wieder abheben werde. „Schauen wir weiter in die Zukunft, sind wir in einer guten Position, diesen Sturm abzuwettern und das Beste aus einer Erholung zu machen“, sagte Joyce und verwies auf den heimischen Flugverkehr. In Australien soll dieser zum Jahresende wieder spürbar zunehmen, vor allem das Frachtgeschäft und Versorgungsflüge. Mit Blick auf die Konkurrenz fügte er aber an: „Das Ganze ist katastrophal und für viele eine Frage des Überlebens.“ Kehrt die Normalität zurück, will Joyce 15 Milliarden Australische Dollar (9,11 Milliarden Euro) innerhalb von drei Jahren einsparen, um die Fluggesellschaft für die Zukunft aufzustellen.

          Der Zeitraum ihres Geschäftsjahres (30. Juni) überdeckt bei Qantas die Tiefe der Krise: die Fluggesellschaft verlor 2,7 Milliarden Australische Dollar vor Steuern. Es ist der zweithöchste Verlust in der hundertjährigen Geschichte von Qantas; 2014 hatte die Fluggesellschaft ein Minus von 2,8 Milliarden Australischen Dollar ausgewiesen, weil sie sich in einem extrem teuren Kampf um Kapazitäten mit dem – heute in der Restrukturierung befindlichen – Konkurrenten Virgin Australia geliefert hatte. Nun wies Qantas für das Geschäftsjahr einen Nettoverlust von 1,96 Milliarden Australischen Dollar aus, doch fiel dieser Verlust erst in der zweiten Hälfte nach Ausbruch der Pandemie an. „Wir waren eigentlich in der Spur, einen weitere Gewinn von mehr als einer Milliarde Dollar auszuweisen, als die Krise ausbrach“, sagte Joyce denn auch. Er verwies auf die interne Messgröße eines Reingewinns vor Steuern, der im vergangenen Geschäftsjahr immer noch 124 Millionen Australische Dollar betrug – dank einer guten ersten Hälfte. Der Umsatz sank in den vergangenen zwölf Monaten um 20,6 Prozent auf 14,26 Milliarden Australische Dollar.

          Zum Vergleich: die Konkurrenz von Singapore Airlines meldete für das zweite Quartal des Jahres gerade einen Rekord-Nettoverlust von 1,29 Milliarden Singapur Dollar (793 Millionen Euro), der Umsatz sank um 80 Prozent im Jahresvergleich auf 851 Millionen Singapur Dollar. Die staatliche Fluggesellschaft erhielt eine Finanzspritze von 8,8 Milliarden Singapur Dollar, besichert von der staatlichen Investitionsgesellschaft Temsake Holdings. Seit Beginn ihres Geschäftsjahres (31. März) haben sich die Singapurer insgesamt schon rund 11 Milliarden Singapur Dollar gesichert. Cathay Pacific aus Hongkong verlor in der ersten Jahreshälfte 9,9 Milliarden Hongkong Dollar (1,07 Milliarden Euro).

          Rechtzeitig Finanzpolster aufgebaut 

          Den Verlust bei Qantas trieb auch die Abschreibung von 1,4 Milliarden Australischen Dollar auf die Anlagen. Dazu zählen unter anderem die lahmgelegten A380, die in der Wüste von Arizona geparkt sind. 642 Millionen Australische Dollar schreibt Qantas auf Kosten für das Freisetzen von Mitarbeitern und den Restrukturierungsprozess ab. Noch im Juni hatte sich Qantas eine weitere Finanzspritze über 1,9 Milliarden Australische Dollar von internationalen Investoren gesichert, die auf ein Wiederaufleben des Flugverkehrs wetten. Gut eine Viertelmilliarde Australische Dollar erhielt Qantas vom Staat als Subventionen für Arbeitsplätze. Eine weitere Viertelmilliarde kam aus anderen Hilfsprogrammen aus der Haushaltskasse. Insgesamt hat die Fluggesellschaft dadurch einen Finanzpolster von 4,5 Milliarden Australischen Dollar.

          Gut 4000 der geplanten 6000 Entlassungen sollen bis Ende September abgearbeitet sein. Insgesamt haben derzeit rund 25.000 Qantas-Mitarbeiter keine Arbeit. „Wir mussten in den vergangenen Monaten einige sehr harte Entscheidungen treffen, um unsere Zukunft zu sichern. Mindestens 6000 Mitarbeiter werden uns ohne einen Fehler begangen zu haben verlassen, und Tausende mehr werden für eine sehr lange Zeit keine Arbeit haben“, sagte Joyce.

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