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Gaskrise : Schluss mit der Halbherzigkeit

Olaf Scholz: Setzt weiter auf Gas aus der Pipeline Nordstream 1 Bild: AFP

Während Russland Städte bombardiert, Menschen umbringt und Weizenfelder abfackelt, füllt Deutschland Putins Kriegskasse. Dabei ginge es auch ohne Russlands Gas.

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          Zu Beginn eine Schätzfrage: Wie hat sich das Geschäft Russlands mit Deutschland im ersten Halbjahr entwickelt? Wer wegen des russischen Angriffskriegs auf einen Einbruch wettet, liegt falsch. Russland hat in den ersten sechs Monaten 22,6 Milliarden Euro von deutschen (Energie-)Kunden kassiert. Das war ein Rekord und rund 50 Prozent mehr als im Vorjahr. Schuld daran sind die gestiegenen Rohstoffpreise und die Halbherzigkeit im Umgang mit dem Kriegstreiber Putin.

          Während Russland Städte bombardiert, Menschen umbringt und Weizenfelder abfackelt, füllt Deutschland Putins Kriegskasse. Wer Zweifel hat, dass das eine das andere zumindest begünstigt, muss auf einem anderen Planeten leben. Warum die Bundesregierung jetzt, da ohnehin nur noch ein Fünftel der ursprünglichen Gasmenge durch die Pipeline Nord Stream 1 fließt, Putin nicht die kalte Schulter zeigt und ihm den Geldhahn abdreht, wird von Woche zu Woche unverständlicher.

          Einen weiteren Beleg dafür, dass Deutschland sich das – wenn auch unter wirtschaftlich großen Schmerzen – leisten kann, hat eine Gruppe von Ökonomen am Freitag vorgelegt. Sie kamen in einer neuen Berechnung zu dem Ergebnis, dass ein sofortiger Importstopp zwar eine Rezession, aber keinen Zusammenbruch der Volkswirtschaft verursachen würde. Das hatten die Ökonomen schon im Frühjahr prophezeit und waren dafür vom Bundeskanzler abgekanzelt worden. Nun versahen sie ihre Berechnung mit dem Hinweis, dass ihre Zahlen inzwischen belastbarer seien als im März. Einfach wegwischen kann die Regierung all das nicht mehr so einfach. Zumal selbst die Industriebranchen wie Chemie und Glas, die im Frühjahr am lautesten geschrien hatten, Wege gefunden haben, mit weniger Gas auszukommen.

          Richtig ist, dass die bisherigen Sparbemühungen für den Winter noch nicht ausreichen: Privatleute müssen mit finanziellen Anreizen und Belohnungen zu mehr Verzicht bewegt werden, Gebäude ein bisschen weniger geheizt und energieintensive Produkte im Zweifelsfall importiert werden. Das kostet Geld und Nerven, aber die Konzepte dafür liegen vor. Warum also zögern?

          Johannes Pennekamp
          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaftsberichterstattung, zuständig für „Die Lounge“.

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