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Prozessfinanzierer : Geschäft mit der Wut

  • -Aktualisiert am

Prozessfinanzierer profitieren von emotional aufgeladenen Streitigkeiten. Einer von ihnen durchlebt nun selbst eine schwere Krise.

          Sie sind das Öl im Getriebe der Klägerindustrie. Prozessfinanzierer profitieren von der aufgestauten Wut in den Diesel-Klagen, Glyphosatfällen oder Bilanzskandalen. Ihnen vertrauen sich die Kläger an. Denn ohne fremdes Kapital könnten viele Verbraucher sich keine teuren Anwälte und die Gerichtkosten leisten. Burford, hierzulande größter Finanzierer in den Kundenklagen gegen Volkswagen oder im Streit mit dem Lkw-Kartell, ist seit einem Jahrzehnt erfolgreich im Geschäft. Nun durchleben die Amerikaner selbst eine schlimme Krise. Nach schweren Vorwürfen bis hin zu angeblichen Insolvenz-Gerüchten durch die Investmentgesellschaft Muddy Waters sackten die Burford-Aktien in dieser Woche um bis zu 64 Prozent ab; der einstige Liebling der Investoren verlor 2 Milliarden Dollar an Marktwert. Auch wenn Muddy Waters ein höchst dubioser Ruf vorauseilt und das Management von Burford alle Vorwürfe zurückweist, bleibt ein Makel hängen. Burford, sonst im Hintergrund, steht plötzlich im Rampenlicht. Jetzt braucht es mehr als die angekündigten Finanzspritzen, um wieder Ruhe bei Investoren und Geschäftspartnern herzustellen. Misslingt dies, könnte dies auf die Gerichtsverfahren in Deutschland ausstrahlen. Wenn Verbraucher ihr Vertrauen verlieren, könnte insbesondere den VW-Klagen die Puste ausgehen – wo doch bald der Bundesgerichtshof ein finales Wort haben könnte.

          Marcus Jung

          Redakteur in der Wirtschaft.

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