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Prozeß-Taktik : Ackermann geht gegen Ankläger vor

  • Aktualisiert am

In seinem Ansehen beschädigt? Bild: dpa/dpaweb

Im Mannesmann-Prozeß sind die Verteidiger von Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann mit Dienstaufsichtsbeschwerden und dem Vorwurf der Verleumdung gegen die Ankläger vorgegangen.

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          Eklat im Mannesmann-Prozeß: Die Verteidigung des angeklagten Deutsche-Bank-Chefs Josef Ackermann hat der Staatsanwaltschaft mangelnde Fairneß vorgeworfen und daher Dienstaufsichtsbeschwerde beim nordrhein-westfälischen Justizministerium eingereicht. Die Anklage sprach von Polemik und erklärte, sie behalte sich Schritte gegen die Ackermann-Anwälte vor.

          „Das Vorgehen der Staatsanwaltschaft steht in krassem Gegensatz zu den Grundregeln eines fairen Verfahrens", heißt es in einem Schreiben der Anwälte Eberhard Kempf und Klaus Volk an Landesjustizminister Wolfgang Gerhards (SPD), das die Anwälte am Mittwoch zeitgleich dem Düsseldorfer Landgericht und dem Ministerium vorlegten.

          „Wahrheitswidrig der Straftat bezichtigt“

          Die Anklage habe nicht nur durch üble Nachrede das Ansehen Ackermanns herabgewürdigt und seine Persönlichkeitsrechte verletzt, sondern ihn wahrheitswidrig der Straftat bezichtigt, als Vorsitzender der Hauptversammlung der Mannesmann AG die Aktionäre falsch informiert zu haben. Dadurch würden Ackermann, der damals im Mannesmann-Aufsichtsrat saß, und die Deutsche Bank in ihrem Ansehen beschädigt.

          Die Staatsanwaltschaft hatte in einem Beweisantrag die Verlesung des Protokolls der Mannesmann-Hauptversammlung aus dem Juni 2000 und die Vorladung von Aktionärsvertretern verlangt, um ihren Vorwurf zu untermauern, Ackermann habe die Aktionäre falsch über die Finanzierung der bei der Mannesmann-Übernahme durch Vodafone geflossenen Millionen-Prämien informiert.

          Seit Anfang des Jahres müssen sich sechs Ex-Manager von Mannesmann - darunter Ackermann und der damalige Chef Klaus Esser - wegen des Vorwurfs der schweren Untreue oder Beihilfe dazu vor Gericht verantworten. Mannesmann war vor vier Jahren für über 180 Milliarden Euro vom britischen Telekom-Riesen Vodafone übernommen worden. Dabei sind Abfindungen und Boni in Millionenhöhe geflossen. Das Gericht hatte jedoch Ende März schon angedeutet, daß sich die Angeklagten nicht der Untreue schuldig gemacht hätten.

          Staatsanwalt kontert

          Staatsanwalt Dirk Negenborn warf Kempf seinerseits Rechtsbeugung vor. Er bezeichnete Kempfs Antrag als Pamphlet. Die Staatsanwaltschaft behalte sich weitere Schritte vor. Die Staatsanwaltschaft kündigte weitere Beweisanträge an, nachdem sie bereits in der vergangenen Woche sieben Beweisanträge gestellt hatte, um eine drohende Niederlage in dem Verfahren doch noch abzuwenden.

          Die zuständige Richterin Brigitte Koppenhöfer rief die Prozessbeteiligten zur Ordnung auf. Der Ton habe sich von allen Seiten verschärft. Dennoch erhob auch Essers Anwalt Sven Thomas schwere Vorwürfe gegen die Staatsanwälte. „Es geht der Staatsanwaltschaft nicht um die Klärung der Vorwürfe, sondern um die Verunglimpfung und Diffamierung des Mandanten in der Öffentlichkeit.“ Thomas forderte das Gericht auf, die in der Vorwoche vorgelegten Beweisanträge der Staatsanwaltschaft zurückzuweisen.

          Nach der Zwischenbilanz des Gerichts hatten Vertreter der Angeklagten mit einem Freispruch noch vor der Sommerpause gerechnet. Angesichts der neuen Beweisanträge und des Schlagabtauschs zwischen Anklage und Verteidigung könnte sich das Verfahren aber auch über die Sommerpause hinaus hinziehen. Richterin Koppenhöfer erläuterte bereits vorsorgliche Planungen für eine 30-tägige Sitzungspause ab der letzten August-Woche.

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