https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/prozess-gegen-markus-braun-das-falsche-versprechen-von-wirecard-18519792.html

Prozessauftakt in München : Das falsche Versprechen von Wirecard

Der frühere Wircard-Vorsitzende Markus Braun während des Prozessauftakts im Gerichtssaal in München Bild: Reuters

Das hochgelobte Technologieunternehmen war das Machwerk einer kriminellen Bande. Sagt die Staatsanwaltschaft. Geprellten Aktionären bringt diese Erkenntnis nichts.

          1 Min.

          Wirecard, das war einmal das verheißungsvolle Versprechen einer neuen Finanzwelt, gewissermaßen die deutsche Antwort auf das Silicon Valley. Zehntausende Aktionäre vertrauten auf das enorme Wachstumspotential dieses Technologieunternehmens, das als Vermittler zwischen Onlinehändlern und Kreditkartenfirmen angeblich Milliarden verdiente. Sie investierten ihr Erspartes in den damaligen Dax-Konzern, der wertvoller war als die Deutsche Bank.

          Als sich Wirecard im Juni 2020 für insolvent erklären musste, gingen weit mehr als 20 Milliarden Euro Vermögen verloren. Was die Münchner Staatsanwaltschaft von den Versprechen des damaligen Wirecard-Vorstands um den Vorsitzenden Markus Braun hält, hat sie am Donnerstag vor der 4. Großen Strafkammer des Landgerichts vorgetragen. In fünf Stunden beschrieben sie Wirecard als Machwerk einer kriminellen Bande um den heutigen Häftling Braun. Die Angeklagten hätten Geschäfte erfunden, um den Schein eines erfolgreichen Fintech-Unternehmens zu wahren, um Gelder zu veruntreuen und letztlich alle, die an sie glaubten, zu täuschen. Das Gericht hat für den Mammutprozess 100 Verhandlungstage bis ins Jahr 2024 angesetzt.

          Es wird ein langes Verfahren werden, an dessen Ende Haftstrafen für Braun und seine beiden Komplizen stehen können. Bei dem angeklagten Trio wird es zudem nicht bleiben, denn die Ermittler haben noch mehr als 20 Beschuldigte im Visier. Es besteht auch Hoffnung, dass der Strafprozess die Versäumnisse an anderen Stellen aufzeigt: die Milliardenpleite von Wirecard ist eine Blamage für die Regulierungsbehörde Bafin, für die Abschlussprüfer von EY, für die deutsche Politik. Kaum Hoffnung besteht dagegen für die geprellten Wirecard-Aktionäre. Sie gelten nicht als Gläubiger und können deshalb keine Schadenersatzforderungen gegenüber dem Insolvenzverwalter geltend machen.

          Die Grundsatzfrage, wann Aktionäre Ansprüche gegen ein insolventes Unternehmen stellen können, wird letztlich der Bundesgerichtshof entscheiden. Die Geschichte der Firmenpleiten zeigt jedoch, dass Eigentümer erst zum Zuge kommen, wenn alle Gläubiger befriedigt sind – in der Praxis so gut wie nie.

          Henning Peitsmeier
          Wirtschaftskorrespondent in München.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Unterschiedliche Blicke auf den Binnenmarkt: EU Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager und EU-Binnenmarktkommissar Thierry Breton

          30 Jahre EU-Binnenmarkt : Groß gefeiert, nichts dahinter

          Der Binnenmarkt hat den Bürgern der EU einzigartigen Wohlstand beschert. Und er hat sein Potential noch nicht ausgeschöpft. Doch statt es zu heben, betreibt die EU-Kommission Industriepolitik. Das geht besser.

          Kampfpanzer für die Ukraine : Leoparden auf dem Sprung

          14 Leopard-Panzer liefert Deutschland an die Ukraine. Was macht den Leopard 2 besonders und wie schlägt er sich gegen die russischen Modelle? Ein Überblick in Grafiken.

          Nach 0:2 gegen Union : Hertha trennt sich von Fredi Bobic

          Keine drei Stunden hat es gedauert: Nach der 0:2-Niederlage im Stadtderby gegen Union gibt Hertha BSC die Trennung von Geschäftsführer Fredi Bobic bekannt. Die Krise beim Hauptstadtklub verschärft sich.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.