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Proton Bank : Ein Bankraub auf griechisch

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Zentrale der griechischen Proton Bank in Athen

Zentrale der griechischen Proton Bank in Athen Bild: dpa

Bei der kleinen griechischen Proton Bank ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen Verdachts auf Geldwäsche und Veruntreuung von 700 Millionen Euro. Warum musste die Bank vom Staat gerettet werden?

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          Die kleine Athener Proton Bank verkörpert die modernen Krankheiten Griechenlands. Denn die Athener Staatsanwaltschaft ermittelt wegen des Verdachts auf Geldwäsche und Veruntreuung von 700 Millionen Euro gegen ihren Großaktionär und Präsidenten, Lavrentis Lavrentiadis, sowie gegen sechs weitere Mitgliedern des Vorstands.

          Sie sollen die Bank auf moderne Art ausgeraubt und anschließend dem Staat zur Rettung überlassen haben. Dem blieb schließlich nichts anderes übrig als einzuspringen. Der griechische Finanzstabilisierungsfonds rettete am 10. Oktober 2011 die Proton Bank mit ihren 31 Filialen als erstes Finanzinstitut des Landes durch eine Verstaatlichung vor der Insolvenz. Dazu steckte er 900 Millionen Euro in die Bank.

          Nicht die aktuelle Griechenlandkrise und marode Staatspapiere in den Büchern der Proton Bank haben den Fonds zum Eingreifen bewogen, sondern die Schieflage der Bank als Folge ihrer Geschäfte und Kredite an Unternehmen von Lavrentiadis sowie an Scheinfirmen im Ausland, etwa in Liechtenstein.

          Das rettende Geld des Fonds stammt von der EU und dem Internationalen Währungsfonds. Lavrentiadis soll bis zum kommenden Dienstag zu den Vorwürfen Stellung beziehen. Bisher hat er sich uneinsichtig gezeigt und beteuert seine Unschuld. Gerettet aber ist die Bank. Der griechische Staat richtete eine gute und gesunde „neue Proton Bank“ ein, und er schrieb die nicht einzutreibenden Verbindlichkeiten ab.

          Dass es bei der Bank nicht mit rechten Dingen zugeht, hätten die Verantwortlichen bereits beim Blick auf die Zinssätze erkennen müssen. So soll die Bank mit Zinsen von 9 Prozent Einlagen angelockt haben. Auf Kredite erhob sie aber lediglich Zinsen von wenigen Prozent - zumindest für die Kredite an die Firmengruppe des Herrn Lavrentiadis. Und die waren möglicherweise schon seit Beginn nicht auf eine Rückzahlung angelegt. In dieses Dunkel will nun die Staatsanwaltschaft Licht bringen, nachdem die Zentralbank bereits Vorermittlungen geleistet hat.

          Lavrentiadis war in der Chemiebranche und durch den Waschmittelproduzenten Neochimiki reich und bekannt geworden. 2009 stieg er bei der Proton Bank ein. Die überwies von nun an Gelder an Firmen wie Alapis und Elfe, die Lavrentiadis zugerechnet werden. Aber auch Phantasienamen wie Gold Valley tauchen auf und von der Zentralbank als riskant eingeschätzte Kredite an neu gegründete Gesellschaften wie Cyprus Properties, zu denen keine ausreichenden Wirtschaftsdaten vorliegen. Der „Bankraub“ des Herrn Lavrentiadis schadet nicht nur der griechischen Finanzbranche, sondern noch mehr dem ohnehin lädierten Ansehen Griechenlands.

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