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Projekt „Offshore Leaks“ : Umfangreiche Daten zu Steueroasen im Internet veröffentlicht

  • Aktualisiert am

Steueroase Singapur Bild: AFP

Eine Gruppe von Journalisten hat eine umfangreiche Datensammlung zu Treuhandgesellschaften und Firmen in Steueroasen ins Internet gestellt. Die Daten stammen aus dem Projekt Offshore Leaks, das die Debatte über den Umgang mit Steueroasen neu entfacht hat.

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          Das Enthüllungsnetzwerk ICIJ hat am Samstag Namen und Daten von mehr als 100.000 Treuhandgesellschaften und Firmen in Steueroasen ins Internet gestellt. Die Daten seien zugänglich, um darin nach Steuerhinterziehern und anderen Betrügern zu suchen. Die Offshore-Leaks-Dateien sollten die nötige Transparenz schaffen, um etwa Betrug, Geldwäsche und Steuerhinterziehung bekämpfen zu können, erklärte ICIJ-Chef Gerard Ryle.

          Die bisherige Diskretion in  Steueroasen habe Korruption und Geldwäsche Vorschub geleistet. Das ICIJ verfügt über eine Festplatte mit insgesamt mehr als 2,5 Millionen Datensätzen aus zwei Firmen, die die Gründung von Treuhandgesellschaften (so genannte Trusts) und Firmen auf den Britischen Jungferninseln oder den Cook-Inseln vermitteln. In den Datensätzen sind 130.000 Personen aus mehr als 170 Ländern aufgelistet. Journalisten aus der ganzen Welt - darunter in Deutschland die Süddeutsche Zeitung und der NDR - hatten an dem Projekt „Offshore-Leaks“ recherchiert. Möglicherweise seien aber „die besten Geschichten noch da draußen“, sagte Ryle.

          Das Konsortium betonte, die Daten seien für die Veröffentlichung von Experten und Redakteuren aufbereitet worden. Sensible  Informationen wie Nummern von Bankkonten, Kopien von Pässen, vertrauliche Korrespondenzen oder Lebensläufe sind demnach weiterhin nicht auffindbar. Internetnutzer können allerdings Zusammenhänge  zwischen Offshore-Firmen und ihren Gesellschaftern und Direktoren  ermitteln. Die Quelle, die die Daten geliefert hatte, bleibe weiterhin geschützt. Eine ungefilterte Veröffentlichung von Recherchematerialien oder eine Weitergabe sensibler Daten sei zudem weiterhin ausgeschlossen.

          Auch die Behörden haben inzwischen Offshore-Leaks-Daten erhalten und arbeiten sie auf. Nach Angaben der Bundesregierung haben die USA, Großbritannien und Australien Deutschland rund 400 Gigabyte an Daten zur Verfügung gestellt. Zuletzt hatte EU-Kommissar Algirdas Semeta das „Offshore-Leaks“-Projekt als wegweisend für die künftige Steuerpolitik bezeichnet. „Die Berichterstattung hat den Kern des Problems getroffen - Intransparenz“, sagte Semeta.

          Die Bekämpfung von Steuerflucht und die Schließung internationaler Steuerschlupflöcher steht auch auf der Tagesordnung des am Montag beginnenden G8-Gipfels in Nordirland. Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte, die Bekämpfung von Steuerflucht müsse eine der großen Aufgaben der internationalen Staatengemeinschaft sein. Die Gruppe der sieben führenden Industrienationen und Russlands (G8) „kann hier Ansporn sein für Regelungen, die auch von den G20-Staaten komplett übernommen werden“, sagte sie in ihrem am Samstag veröffentlichen Podcast.

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