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F.A.Z. exklusiv : Private Krankenversicherungen werden deutlich teurer

Ein Einzelzimmer in einem Krankenhaus in Stralsund Bild: dpa

Um 8,1 Prozent steigen die Beiträge für die private Krankenversicherung im kommenden Jahr an. Das liegt unter anderem an höheren Kosten für Ärzte, Krankenhäuser und Arzneimittel. Der Verband versucht, die Erhöhung zu relativieren.

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          Die privaten Krankenversicherungen wollen ihre Beiträge zum Januar deutlich anheben – im Durchschnitt um 8,1 Prozent. Das geht aus einer Auswertung des Wissenschaftlichen Instituts der privaten Krankenversicherungen WIP hervor, die der F.A.Z. vorliegt. Zuvor war bekanntgeworden, dass die Debeka als größte private Krankenversicherung eine Erhöhung um 17,6 Prozent plant.

          Christian Geinitz
          Wirtschaftskorrespondent in Berlin

          Begründet werden die satten Aufschläge mit steigenden Ausgaben für Ärzte, Krankenhäuser und Arzneimittel sowie mit den niedrigen Zinsen auf Finanzanlagen. Ein Sprecher des Verbands der PKV bestätigte am Donnerstag: „Auch in vielen Tarifen anderer Unternehmen stehen Beitragsanpassungen bevor.“

          Der Verband spricht von „starken PKV-Erhöhungen für 2021“, beeilt sich aber darauf hinzuweisen, dass es jahrelang keine Veränderungen gegeben habe. Betrachte man längere Zeiträume, dann seien die Tarifanhebungen für die 8,7 Millionen Privatversicherten sogar niedriger als die der gesetzlichen Krankenkassen (GKV). Das WIP beruft sich in seiner Analyse auf die Zahlen der Kassen sowie auf die Erwartungen des GKV-Schätzerkreises.

          Florian Reuther, Direktor des Verbandes der Privaten Krankenversicherung
          Florian Reuther, Direktor des Verbandes der Privaten Krankenversicherung : Bild: obs

          Berücksichtigt wurde unter anderem, dass die Bemessungsgrenze, bis zu welcher Beiträge gezahlt werden müssen, 2021 um 1.800 Euro auf 58.050 Euro steigt. Außerdem werden die beitragspflichtigen Einkommen ausgeweitet, und die Zusatzbeiträge klettern um durchschnittlich 0,2 Prozentpunkte. Daraus ergibt sich laut WIP, dass die Einnahmen je Versichertem in der GKV zwischen 2011 und 2021 um 38,4 Prozent steigen; das sind 3,3 Prozent im Jahr. Demgegenüber legten die PKV-Einnahmen nur um 33,9 Prozent zu oder um 3 Prozent im Jahr.

          PKV-Verbandsdirektor Florian Reuther sagte der F.A.Z.: „Auch bei einer aktuell besonders starken Erhöhung sollten die Versicherten daher stets ihre langfristige Beitragsentwicklung im Blick haben.“ Ein großer Teil der Erhöhung fließe in das Vorsorgekapital für das Alter: „Diese Werte bleiben den Versicherten also erhalten.“

          Reuther erinnerte daran, dass die PKV die Beiträge erst nachträglich an den Kostenanstieg anpassen dürfe. Und nur dann, wenn gesetzlich festgelegte Schwellenwerte überschritten würden. Dadurch komme es zu einem „Wechselbad“ zwischen Jahren ohne Anstieg und einzelnen größeren Ausreißern. Die PKV sei zu jährlichen Anpassungen bereit, um den Versicherten böse Überraschungen zu ersparen: „Doch leider blockiert die SPD die nötige Gesetzesänderung.“

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