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Private Equity : Listige Texaner rollen deutsche Firmen auf

  • -Aktualisiert am

Soll auf Geheiß von TPG 1.500 Stellen abbauen: Grohe Bild: picture-alliance / dpa/dpaweb

Texas Pacific Group kauft, was andere verschmähen. Gerüchte besagen: Im Hintergrund spielt der amerikanische Geheimdienst CIA mit. Beim Armaturenhersteller Grohe hat TPG mit der Vorgabe, 1.500 Stellen zu streichen, für Wirbel gesorgt.

          David Bonderman lebt nach der Devise: „Wer viel arbeitet, darf auch ordentlich feiern.“ Folglich lud der Kopf der amerikanischen Private-Equity-Gesellschaft Texas and Pacific Group (TPG) zu seinem 60. Geburtstag mehrere hundert Gäste für ein Privatkonzert mit Robbie Williams und den Rolling Stones nach Las Vegas ein. Man gönnt sich ja sonst nichts.

          Weniger zum Feiern zumute sein dürfte dagegen den Beschäftigten der deutschen Grohe AG, eines führenden Herstellers von Armaturen für Badezimmer. Ihnen droht ein kräftiger Abbau von Arbeitsplätzen - unterstützt durch TPG, die an Grohe maßgeblich beteiligt ist. Und ob die Büdelsdorfer Mobilcom-Freenet mit ihrem neuen Großaktionär TPG glücklich wird, bleibt vorerst offen. Der bisherige Vorstandschef Thorsten Grenz mußte jedenfalls gehen, angeblich, weil TPG erhebliche Mittel aus Mobilcom abziehen will.

          Eine offizielle Antwort der Amerikaner ist nicht zu erhalten. TPG schweigt, und auch die für die Gesellschaft tätige New Yorker Medienagentur mauert. Daß sie in der Öffentlichkeit den Ruf eines raffgierigen, rücksichtslos auf Profit ausgerichteten Anlegers erhalten könnte, scheint TPG gleichgültig.

          Chef studierte Jura - in Kairo

          Dabei fällt TPG selbst im schillernden Kreis der Private-Equity-Gesellschaften auf. Nicht nur wegen des sehr hohen verwalteten Vermögens von rund 20 Milliarden Dollar, das unter anderem aus der Pensionskasse von General Motors stammt. Sondern auch wegen der Biographie seines Chefs.

          Bonderman ist ein Jurist, der an der Universität Kairo studierte und später zu einem bekannten amerikanischen Anwalt für Verbraucherschützer avancierte. Dann trat er in die Dienste des texanischen Milliardärs Dick Bass.

          Im Jahre 1993 gründete Bonderman Texas Pacific mit Firmensitzen in Fort Worth (Texas) und San Francisco. Er benannte es nach einer alten Eisenbahngesellschaft. Schon der erste Deal war spektakulär: TPG übernahm die notleidende Fluglinie Continental und verkaufte sie einige Jahre später mit einem Plus von 950 Prozent.

          Deutlich wurde damals bereits Bondermans Beharren auf Qualitätssteigerungen bei seinen Unternehmen. Als ihm auf einem Flug mit Continental ein ungenießbares Mittagessen serviert wurde, schickte er es prompt dem zuständigen Vorstandsmitglied mit der Bemerkung, er wünsche nie wieder einen solchen Fraß zu sehen.

          Firmen kaufen, die kein anderer will

          Im Laufe der Jahre erlangte TPG den Ruf eines Investors, der Firmen kauft, die kein anderer will. Fest steht, daß Bonderman gerne bei Unternehmen mit gutem Markennamen zuschlägt, die aber schlecht gemanagt wurden, um sie anschließend wieder in Schwung zu bringen.

          Mit dieser Maxime stieg TPG bei dem amerikanischen Hersteller von Dosengemüse, Del Monte, ebenso ein wie beim italienischen Motorradbauer Ducati oder dem schweizerischen Schuhhersteller Bally. Nicht alle Investitionen erwiesen sich dabei als erfolgreich. Auch die bekannte Hamburger-Kette Burger King bereitete TPG nicht nur Freude.

          Dann wiederum lächelte das Glück. Als die deutsche EON eine defizitäre Tochter in Amerika zum Verkauf stellte, schickte TPG sechs Ein-Dollar-Banknoten im Briefumschlag. Heute ist die ehemalige EON-Tochter mindestens eine Milliarde Dollar wert.

          Einen ganz schlechten Ruf besitzt TPG in Frankreich, wo der Investor vor ein paar Jahren mit der deutschen Quandt-Gruppe die Kontrolle über Gemplus übernahm. Das ist der größte Hersteller von Chipkarten in der Welt. Als Chef berief TPG einen Manager, dem man - vielleicht nicht ganz zu Unrecht - Beziehungen zum amerikanischen Geheimdienst CIA unterstellte.

          Theo Waigel als „Türöffner“

          Die mißtrauischen Pariser Geheimdienste vermuteten, die CIA habe TPG vorgeschickt, um ein führendes französisches Technologieunternehmen zu kapern und auszuplündern. Bonderman wies den Vorwurf als völlig absurd zurück. Doch tauchte er einige Zeit später auf, als sich TPG an dem europäischen Satellitenbetreiber Eutelsat beteiligte. Fest steht nur, daß TPG auch durch eigenes Fehlverhalten mit Gemplus eine ganze Menge Geld verloren hat.

          Frankreich und Italien sind nicht die einzigen europäischen Länder, auf die TPG einen Blick geworfen hat. In Deutschland erwarb die Gesellschaft mit einem Partner im Jahre 2004 die Isola AG, einen Hersteller von Komponenten für Leiterplatten. Vorausgegangen war ein gescheiterter Versuch, ebenfalls mit einem Partner die Bankgesellschaft Berlin zu erwerben. Als „Türöffner“ für die Politik hatte TPG den ehemaligen Bundesfinanzminister Theo Waigel verpflichtet.

          Bisher verhielt sich TPG in Deutschland eher unauffällig. Mit dem harten Sanierungsplan bei Grohe zeigen die Amerikaner aber, wie knallhart sie sein können, wenn ihre Rendite in Gefahr erscheint. Der führende Armaturen-Hersteller soll 1.500 Stellen abbauen.

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