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Princeton-Professor über Wahl : „Eure Kanzlerkandidaten sind wie guter Wein“

Vielzahl an Wahlplakaten an einer Laterne in Berlin Bild: dpa

Deutschland jammert über die Mittelmäßigkeit seiner Spitzenpolitiker. Von außen betrachtet sieht das ganz anders aus, sagt Wirtschaftshistoriker Harold James.

          6 Min.

          Professor James, wie wichtig ist die deutsche Wahl für die Welt?

          Ralph Bollmann
          Korrespondent für Wirtschaftspolitik und stellvertretender Leiter Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.
          Maja Brankovic
          Verantwortliche Redakteurin für Wirtschaft und „Wert“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Sehr wichtig. Merkel hat sehr lange regiert, mit verschiedenen Koalitionen. Jetzt beginnt eine neue Zeit. Trotzdem erleben wir einen lauwarmen Wahlkampf. Ich war bis vor wenigen Tagen in München – und habe mich doch sehr gewundert, wie wenig man in der Stadt von der Wahl mitbekommen hat.

          Woran liegt das?

          An den stabilen Verhältnissen in der deutschen Politik, im Gegensatz zu vielen anderen Ländern. Nehmen Sie das Vereinigte Königreich, dort mussten die Wähler zwischen völligen Gegensätzen wählen: zwischen Boris Johnson und dem sozialistischen Labour-Kandidaten Jeremy Corbyn. Auch bei der amerikanischen Wahl letztes Jahr war das der Fall. Oder in Frankreich mit Emmanuel Macron und der nationalistischen Ma­rine Le Pen. Dagegen gibt es zwischen den drei Kanzlerkandidaten in Deutschland keine großen Unterschiede: Alle drei bewerben sich darum, ein Äquivalent zu Merkel zu werden. Das ist bemerkenswert.

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