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Preise : Trotz Teuro niedrige Inflationsrate

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Die Preissteigerung in Deutschland war im vergangenen Jahr so gering wie seit 1999 nicht mehr. Im Euro-Raum liegt Deutschland damit am unteren Ende.

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          Im ersten Jahr des Euro-Bargelds sind die Verbraucherpreise in Deutschland um 1,3 Prozent gestiegen. Zuletzt lag die Teuerungsrate 1999 niedriger - mit damals 0,6 Prozent aufs Jahr gerechnet.

          Das geht aus den am Dienstag veröffentlichten endgültigen Berechnungen des deutschen Statistischen Bundesamtes hervor. Die Lebenshaltung verteuerte sich im Osten Deutschlands im Jahresschnitt mit 1,1 erneut langsamer als im Westen, wo die Preise um 1,4 Prozent stiegen.

          Im Euro-Raum liegt Deutschland mit seiner Jahresteuerung von 1,3 Prozent ganz am unteren Ende. Nach Berechnungen der Deka-Bank dürfte die Jahresteuerung, gemessen am europäisch harmonisierten Index, in Spanien bei 3,5 Prozent liegen. Für Frankreich zeichne sich eine Jahresteuerung von 1,9 Prozent ab, für Italien von 2,6 Prozent. In Finnland werde die dortige Jahresinflation 2002 bei zwei Prozent liegen, sagte Deka-Volkswirt Karsten Junius.

          Für den gesamten Euro-Raum dürfte die Inflationsrate im vergangenen Jahr bei 2,2 Prozent gelegen haben, erwarten Bankvolkswirte. Die Europäische Zentralbank (EZB) erwartet, dass die Inflationsrate im Euro-Raum in diesem Jahr unter zwei Prozent sinkt.

          Teuro-Effekt begrenzt

          In den Jahreszahlen für Deutschland wird auch deutlich, dass die Euro-Bargeldeinführung weit weniger als in der Öffentlichkeit wahrgenommen die Preise in die Höhe getrieben hat. Der „Teuro“ ist in einzelnen Bereichen gerade bei den Dienstleistungen zwar deutlich zu spüren gewesen. Auf das gesamte Preisniveau aber hat der Bargeldtausch kaum durchgeschlagen. So sind etwa Mieten, die den größten Teil der Ausgaben eines typischen privaten Haushalts ausmachen, in Deutschland exakt von D-Mark auf Euro umgerechnet worden.

          EZB-Chefvolkswirt Otmar Issing hatte am Montag in Frankfurt gesagt, der Einfluss der Währungsumstellung auf das allgemeine Preisniveau sei merklich, aber begrenzt gewesen. Es führe indes kein Weg daran vorbei, dass die Akzeptanz der neuen Währung in breiten Kreisen der Bevölkerung unter einem „Inflationsgefühl“ gelitten habe.

          Laut den Verbraucherumfragen der Europäischen Kommission haben freilich die Verbraucher eine weit höhere Teuerung wahrgenommen als sie tatsächlich gegeben war. Die „gefühlte Inflation“ lag deutlich höher als sie sich in den Inflationszahlen ausdrückt.

          Die Deutsche Bundesbank und die EZB hatten den „Teuro“-Effekt schon im Sommer 2002 auf wenige Zehntel Prozentpunkte beziffert und vor Hysterie gewarnt. Das Statistische Bundesamt hatte sich bei einer Jahresendabschätzung im Dezember einer genauen Ziffer enthalten.

          Zustimmung zu Euro geht zurück

          Nicht zuletzt auf Grund der „Teuro“-Diskussionen, die es etwa auch in Italien gab, ist das Vertrauen in den Euro laut Umfragen deutlich gesunken. Der Euro habe mehr Nachteile als Vorteile, sagten 56 Prozent der europaweit Befragten dem Meinungsforschungsinstitut Ipsos. Das Institut stellte die Studie am Dienstag vor.

          Den Angaben zufolge ist die Zahl der Euro-Skeptiker gut ein Jahr nach der Einführung des neuen Bargeldes um neun Prozentpunkte gestiegen. Ipsos befragte 6662 Menschen ab 15 Jahre in acht EU-Staaten.

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