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Preise : EZB sorgt sich um gefühlte Inflation

  • Aktualisiert am

Hoher „Chill-Faktor” bei der Inflation Bild: dpa

Die EZB fürchtet negative Folgen für die Wirtschaft, wenn die Inflation weiter überschätzt wird. Dann drohten hohe Lohnforderungen und Konsumunlust.

          2 Min.

          Die Diskussion um einen angeblichen Teuro-Effekt beschäftigt auch die Europäische Zentralbank. „Wenn die Konsumenten die aktuelle Preisentwicklung überschätzen, dann könnten sie die Entwicklung ihrer Realeinkommen und damit ihrer Kaufkraft unterschätzen", schrieben die Volkswirte der EZB im Monatsbericht für Juli. Das Gefühl starker Preiserhöhungen könnte so zu überzogenen Lohnforderungen führen und die Verbraucher dazu veranlassen, sich bei ihren Einkäufen zurückzuhalten. Die von den Verbrauchern empfundene Inflation und die tatsächliche Preisentwicklung liefen bereits seit Mitte 2000 auseinander.

          Besonders in Deutschland haben viele Menschen den Eindruck, mit der Einführung des Euro-Bargeld sei alles teurer geworden, obwohl die amtliche Statistik einen langsameren Preisauftrieb ausweist. So sank die Jahresteuerung in Deutschland im Juni mit 0,8 Prozent auf den niedrigsten Stand seit Herbst 1999. Das teilte das Statistische Bundesamt am Donnerstag mit und korrigierte dabei die ursprüngliche Angabesogar noch um einen Zehntelpunkt nach unten. Aus Unsicherheit und Ärger über vermeintliche Preiserhöhungen hatten die Verbraucher ihre Ausgaben eingeschränkt und damit besonders Handel und Gastronomie empfindliche Umsatzeinbußen beschert.

          Beruhigung im Jahresverlauf

          Die EZB rechnet aber damit, dass die gefühlte Preisentwicklung sich der tatsächlichen Inflation wieder stärker annähern wird, sofern keine neuen Preisschocks auftreten. „Diese Angleichung ist von zentraler Bedeutung, da sie dazu beitragen würde, die Verbraucher vor einer falschen Einschätzung beispielsweise der Entwicklung der Realeinkommen zu bewahren", schließen die EZB-Experten.

          EZB-Präsident Wim Duisenberg hatte zuletzt immer wieder vor den Inflationsgefahren aus zu hohen Lohnforderungen gewarnt. Zudem beruht das Erholungsszenario der Zentralbank für die Euro-Zone auch darauf, dass die Verbraucher im weiteren Jahresverlauf wieder mehr ausgeben und damit die Binnennachfrage stärken. Zumindest was die reale Teuerungsrate betrifft, kann sich Duisenberg vorerst entspannen.

          Kein „Teuro-Effekt“ beim Preisniveau

          Ob das die Verbraucher überzeugt, darf allerdings bezweifelt werden. Halten sich doch hartnäckig die Vorwüfe von Preistreiberei. Als Grund für die hohe gefühlte Inflation gilt, dass die Verbraucher besonders auf die Preise von Gütern und Dienstleistungen achten, die sie häufig kaufen oder beanspruchen. Benzin, Fleisch und Gemüse sowie Restaurantbesuche sind Beispiele für häufig getätigte Ausgaben - und gerade bei diesen Produkten sind die Preise in den vergangenen zwei Jahren durch Einflüsse wie Tierseuchen, teureres Öl oder ungewöhnlich kalte Witterung deutlich stärker gestiegen als die gesamten Lebenshaltungskosten.

          Die EZB-Volkswirte betonten erneut, dass die Euro-Einführung keinen nennenswerten Einfluss auf das gesamte Preisniveau gehabt habe. Wie schon das Statistische Bundesamt geht die EZB allerdings davon aus, dass Dienstleister die Einführung des Euro-Bargelds zu Preiserhöhungen genutzt haben: „So war die Teuerung im Gastronomiebereich im Januar 2002 gegenüber dem Vormonat dreimal so hoch, wie der durchschnittliche Anstieg in diesem Monat im Zeitraum 1996 bis 2001.“ Zumindest bis Mai diesen Jahres hätten sich die ungewöhnlich hohen Preissteigerungen bei einigen Dienstleistungen fortgesetzt.

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