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Praktiker : Zoff im Baumarkt

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Hoch verschuldet: Baumarktkette Praktiker Bild: dapd

Die Baumarktkette Praktiker ist ins Schlingern geraten. Jahrelang haben Rabattaktionen („20 Prozent auf alles“) zwar die Umsätze gesteigert, dabei aber hohe Verluste gebracht. Der Konzern ist hoch verschuldet. Jetzt steht das Rettungskonzept des Vorstands auf der Kippe.

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          Die Baumarktkette Praktiker steht auf der Kippe. Der Vorstand wirbt bei den Aktionären vehement um Zustimmung für ein Rettungspaket. Doch der Plan kommt auf der Hauptversammlung nicht gut an: Großaktionäre der angeschlagenen Baumarktkette haben auf der Hauptversammlung den Rücktritt des Aufsichtsrates gefordert. „Wir lassen uns nicht erpressen“, sagte die österreichische Fondsmanagerin Isabella de Krassny mit Blick auf den Vorstand. Der Vorstand hatte zuvor mit der Insolvenz des Unternehmens gedroht, falls die Aktionäre seinem Sanierungsplan nicht zustimmten.

          Die Meinung der Fondsmanagerin hat großes Gewicht: Sie spricht auf der Hauptversammlung in Hamburg für 15 Prozent des Aktienkapitals. Weil nur 27 Prozent des Stammkapitals bei der Hauptversammlung in Hamburg anwesend sind, hätte sie damit die Stimmenmehrheit. Sie vertritt den zypriotischen Finanzfonds Maseltov (10 Prozent Anteil) sowie die österreichische Privatbank Semper Constantia (5,0 Prozent Anteil).

          Billigstrategie hat Verluste beschert

          Der Baumarktkonzern kämpft seit geraumer Zeit mit Problemen. Allein im Jahr 2011 hat Praktiker eine halbe Milliarde Euro Verlust geschrieben. Ein starkes Auslandsgeschäft sowie die Max-Bahr-Übernahme übertünchten lange Zeit die Schwierigkeiten im Heimatgeschäft. Rabattaktionen ließen hier zwar jahrelang die Umsätze steigen, die Profitabilität blieb jedoch auf der Strecke.

          Der Praktiker-Vorstand hat bereits mehrere Konzepte zur Sanierung des Unternehmens vorgelegt. Der aktuelle Plan sieht die Stärkung der Marke Max Bahr auf Kosten Praktikers vor. 120 der 234 Praktiker-Märkte sollen auf die Marke Max Bahr umgestellt werden, die bisher vor allem in Norddeutschland präsent ist. Beim Umzug der Konzernzentrale nach Hamburg sollen 200 Arbeitsplätze wegfallen. Unprofitable Märkte will der Vorstand nach und nach zum Ende der Mietverträge schließen. Erst am Montag war bekanntgeworden, dass die 11.000 Mitarbeiter kräftige Gehaltseinschnitte als Beitrag zur Sanierung hinnehmen.

          Streit um Einstieg des amerikanischen Investors Anchorage

          Um die Rettung möglich zu machen, sollen die Anteilseigner auch eine Kapitalerhöhung von 60 Millionen Euro und den Einstieg des amerikanischen Finanzinvestors Anchorage billigen.

          Das Engagement dieses Investors ist Großinvestorin de Krassny allerdings ein Dorn im Auge. Sie kritisiert, dass Anchorage die profitable Baumarkttochter Max Bahr mit 78 Filialen als Sicherheit für einen Kredit über 85 Millionen Euro erhält und damit im Fall einer Insolvenz besser abgesichert sei als die Altaktionäre. Der Investor soll zudem 17 Prozent Zinsen für das Darlehen bekommen. Außerdem soll Anchorage Aktienoptionen über 15 Prozent des Grundkapitals bekommen.

          „Wir wollen Anchorage auf keinen Fall“, sagte de Krassny. Aus diesem Grund würde sie gerne gegen den Einstieg des amerikanischen Investors stimmen, fühle sich derzeit aber von der Praktiker-Geschäftsführung erpresst.

          Vorstand droht mit Insolvenz des Unternehmens

          Vorstandschef Hafner sagte, sein Konzept müsse wie von ihm vorgelegt beschlossen werden: „Bricht nur eine wesentliche Stütze aus dem Gerüst heraus, fällt auch der Rest.“ Er drohte mit dem Ende des Unternehmens.

          De Krassny sagte, die von ihr vertretenen Aktionäre hätten eine alternative Finanzierung von 55 Millionen Euro sichergestellt, und sie sei überzeugt, ebenfalls 85 Millionen Euro zusammenzubekommen. „Und das für nur 13 Prozent Zinsen“, sagte sie.

          De Krassny ließ offen, wie sie am Ende der Hauptversammlung abstimmen wird. „Ich schaue mir erst einmal die Stimmung an“, sagte sie. Sicher sei, dass das Management ohne ihre Zustimmung die Kapitalmaßnahmen nicht durchbekomme.
           

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