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Wahlkampf in Amerika : Warren und die Tränen der Milliardäre

Die demokratische Präsidentschaftsbewerberin Elizabeth Warren bei einer Wahlkampfveranstaltung Bild: AFP

Die demokratische Präsidentschaftsbewerberin Elizabeth Warren fordert eine Steuer für Superreiche. In ihrer Kampagne greift sie Milliardäre scharf an. Die wehren sich – mitunter sehr leidenschaftlich.

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          „Einige Milliardäre mögen meine 2 Prozent-Reichtums-Steuer nicht. Ich bin schockiert“, witzelt Elizabeth Warren auf Twitter und präsentiert mit dieser Einleitung ihren jüngsten Werbespot: In ihm wirft sie vier schwerreichen Männern vor, entweder eine kriminelle Vergangenheit zu haben, Unterstützer von Donald Trump zu sein oder aber in der Finanzkrise das eigene Vermögen vermehrt zu haben. Als Krisenprofiteur wird der ehemalige Chef von Goldman Sachs, Lloyd Blankfein herausgestellt.

          Winand von Petersdorff-Campen
          Wirtschaftskorrespondent in Washington.

          Der Bankier hat nun auf Twitter bissig reagiert. Er sei überrascht, sich im Werbespot der Warren-Kampagne zu finden, angesichts ihrer wahren Gegner im politischen Feld. Sie sei zwar nicht seine favorisierte Kandidatin, er teile aber viele ihrer Ansichten. „Die Verunglimpfung von Menschen für ihre Zugehörigkeit zu einer Gruppe mag ihrem Werbefeldzug dienen, aber nicht dem Land.“

          Dann ergänzte er einen besonders giftigen Satz: „Vielleicht hat sie Stammesdenken ja einfach in ihren Genen.“ Das ist eine Anspielung auf die früher von Warren verwendete Selbstdarstellung als Cherokee-Indianerin. Trump hat sie deshalb wiederholt genüsslich „Pocahontas“ genannt. Sie fühlte sich zu einem Gentest genötigt, der zutage förderte, dass vor sechs bis zehn Generationen ein Vorfahr Indianer war.

          Der Ton wird schärfer

          Die ethnische Herkunft spielt in den Vereinigten Staaten bei Einstellungen ein wichtige Rolle, weil vor allem öffentliche Einrichtungen wie Universitäten rechtlich verpflichtet sind, Minderheiten zu fördern. Investigative Journalisten der Washington Post und des Boston Globe haben Beweise dafür gesucht, dass Warren für ihr berufliches Fortkommen an amerikanischen Hochschulen ihren vorgeblichen Minderheitenstatus ins Spiel gebracht hat. Sie haben dafür nie Belege gefunden.

          Der Ton zwischen Warren und den Milliardären wird schärfer. Ihrem inzwischen treusten Gegner, dem Hedgefonds-Gründer Leon Cooperman, warf sie im Werbespot vor, wegen Insider-Trading angeklagt worden zu sein. Das ist eine unvollständige Darstellung einer Untersuchung der Börsenaufsicht, die mit einem Vergleich ohne irgendein Schuldeingeständnis endete.

          Der aufbrausende Cooperman hat jetzt in einem Fernsehinterview gekontert: Warren sei erbärmlich, sie wisse nicht, was sie twittere. „Ich spende im Jahr mehr Geld als sie im ganzen Leben.“ Indizien sprechen dafür, dass die abermalige Provokation Coopermans kalkuliert ist. „Es ist wie ein Wunder. Jedes Mal wenn Elizabeth Warren Milliardären ans Bein pisst, bekommen wir neue Wahlkampfhelfer“, wird ihre Wahlkampfmanagerin Suzy Smith zitiert. In einem Interview, in dem Cooperman sich gegen Warren zur Wehr setzte, war der Milliardär in Tränen ausgebrochen.

          Facebook gehört für Warren zu den Bösen

          Warrens Wahlkampfteam vermarktet seitdem einen Kaffeebecher mit der Aufschrift: „Die Tränen der Milliardäre.“ Die Kampagne motiviert nicht nur Freiwillige, sie dient ihr auch zur Abgrenzung von innerparteilichen Konkurrenten. Ihr wiederholter Hinweis lautet, dass sie das große Geld bekämpfe. Deshalb nehme sie keine Schecks von Aktionsgruppen (Pacs) und besuche keine eleganten Fundraiser-Veranstaltungen. Das zielte auf Joe Biden.

          Ihr jüngster Werbespot unterstreicht noch etwas anderes: Facebook gehört für die Warren-Mannschaft endgültig in das Reich des Bösen. Im jüngsten Spot wird Investor Peter Thiel nicht nur seine Trump-Unterstützung vorgehalten, sondern auch die Mitgliedschaft im Facebook-Verwaltungsrat, als ob das für sich verwerflich wäre.

          Das passt zur jüngsten Warren-Attacke. Facebook investiere Millionen Dollar für Lobbyarbeit gegen mögliche Kartellverfahren und habe eine Charme-Offensive unter republikanischen Abgeordneten begonnen. Nun habe Facebook auch noch ein Dinner gesponsert, bei dem der umstrittene Verfassungsrichter Brett Kavanaugh die Festrede gehalten habe. „Lasst uns aussprechen, was das ist: Korruption“, twitterte Warren.

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