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Portugal : Euro-Prediger

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Um die Portugiesen über den Euro informieren, wird auf ungewöhnliche Mittel zurückgegriffen: Priester sollen den Job übernehmen.

          2 Min.

          Portugal beschreitet unkonventionelle Wege, um seine Bürger über den Euro zu informieren. Um möglichst alle Bevölkerungsschichten zu erreichen, soll die katholische Kirche mithelfen, die Botschaft vom Nahen des Euro zu überbringen.

          Die schon im Jahr 2000 eingeleitete Zusammenarbeit von Diözesen und nationalem Euro-Komitee basiert auf der Idee, das über die Vermittlung der Kirche nicht nur breite Teile der Bevölkerung, sondern auch besonders benachteiligte Schichten erreicht werden können. Das hohe Ansehen und die starke Stellung der katholischen Kirche ermöglicht es ihr, über Priester, Laienorganisationen und andere Kanäle bei der Einführung der neuen Währung in Portugal eine wichtige Rolle zu spielen.

          Das nationale Euro-Komitee stellt den Diözesen das erforderliche Informationsmaterial zur Verfügung und unterstützt bei Bedarf Schulungsmaßnahmen. Unter anderem sollen Priester am Ende der Abendmahlzeremonien, wenn üblicherweise kurze Mitteilungen verlesen werden, auf leicht verständliche Weise das Wichtigste zum Euro mitteilen. Das könnten kurze Informationen sein wie etwa „Die Euro-Scheine und -Münzen werden erst ab Januar 2002 in Umlauf sein“ oder „Die Escudos werden spätestens am 1. März 2002 aus dem Verkehr gezogen“. Durch diese Hinweise sollen die Menschen auch vor möglichem Betrugsversuchen gewappnet werden.

          Informationsstand noch niedrig

          Dass dieser Vorstoß Not tut, wird bei der Betrachtung der Zahlen aus der aktuellen Euro-Umfrage der Europäischen Kommission deutlich. Im Vergleich zum europäischen Durchschnitt fühlen sich die Portugiesen noch sehr schlecht über den Euro informiert. Über die Hälfte der Befragten gab an, sich nicht gut oder überhaupt nicht informiert zu fühlen. Im Durchschnitt der Euro-Zone waren es nur 36 Prozent.

          Besonders unsicher zeigen sich die Portugiesen bei der Frage, wie lange man nach der Einführung des Euro in den Geschäften noch mit Escudos zahlen kann: nur rund ein Drittel wusste die genaue Zeitspanne, 20 Prozent gaben eine längere Zeit an, und knapp 40 Prozent konnten oder wollten dazu keine Antwort geben. Zumindest eines wissen die Portugiesen sicher: wie viele Escudos ein Euro wert ist. Die korrekte Antwort von 200,482 Escudos wussten 83 Prozent der Befragten, der höchste Wert aller Euro-Länder. Durchschnittlich wussten in Euroland rund 60 Prozent die richtige Antwort.

          500-Euro-Schein zu groß für Portugiesen

          Neben der Beteiligung der Kirche an den Informationskampagnen gibt es in Portugal noch etwas ungewöhnliches bei der Euro-Einführung: Die portugiesische Zentralbank will keine 200- und 500-Euro-Scheine ausgeben. „Die Leute hier benutzen keine großen Scheine, wir sind das einfach nicht gewöhnt“, erklärte ein Sprecher der Zentralbank.

          Der zur Zeit umlaufende Schein mit dem höchsten Nennwert ist die 10.000-Escudo-Note, umgerechnet knapp 50 Euro, und auch diesen sieht man nur selten. Der 500-Euro-Schein entspricht 100.200 Escudos, und ist damit mehr wert als das monatliche Lohnminimum von 62.000 Escudos oder umgerechnet 309 Euro.

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