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Andrew Wheeler steht ab Montag an der Spitze der amerikanischen Umweltbehörde EPA. Bild: Reuters

Neuer EPA-Chef Wheeler : Ein Kohlefreund und Klimawandel-Leugner

  • -Aktualisiert am

Der Druck auf Scott Pruitt wurde zu groß, jetzt soll Andrew Wheeler die amerikanische Umweltbehörde EPA leiten. Berühmt wurde er durch eine besonders kuriose Aktion seines ehemaligen Chefs.

          Am Ende war es selbst für die Regierung Trump zu viel. Skandal an Skandal häufte Scott Pruitt als Chef der amerikanischen Umweltbehörde EPA an, die man wahlweise als Geldverschwendung oder als Korruption deuten kann. So kam der amerikanische Präsident am Ende wohl nicht umhin, ihn zu entlassen. Entsprechend fiel dann auch Donald Trumps Abschiedsgruß auf Twitter aus. Pruitt habe einen „herausragenden Job“ gemacht, er werde „ihm dafür immer dankbar sein“.

          Pruitt war ein Mann ganz nach Donald Trumps Vorstellungen, das war vermutlich auch der Grund, warum er so lange an ihm festhielt. Auch wenn er seine eigene Behörde nicht wie zuvor befürchtet ganz abschaffte, so lockerte der Ölfreund doch Stück für Stück jene Umweltauflagen, die unter Barack Obama eingeführt wurden. Zuletzt ging es um Standards für Neuwagen der Modelljahre 2022 bis 2025. Ihr Durchschnittsverbrauch sollte bis zum Jahr 2025 auf umgerechnet 4,3 Liter auf 100 Kilometer sinken, so wollte es die Obama-Administration. Pruitt ordnete im April an, die Auflagen abzuschaffen. Kalifornien und 16 weitere Staaten reichten daraufhin Klage ein.

          Karriere bei der EPA begonnen

          Mit Andrew Wheeler an der Spitze dürfte sich der radikale Kurs der Umweltbehörde fortsetzen. Der 53 Jahre alte Wheeler gilt ähnlich wie sein Vorgänger als Freund der „alten“ Energiewelt und Leugner des wissenschaftlich unumstrittenen Klimawandels. Erst im April hatte Pruitt ihn zum Vize-Direktor der Behörde gemacht; er galt seitdem als Favorit auf den Chef-Posten, sollte Pruitt dem wachsenden öffentlichen Druck nicht standhalten.

          Die EPA kennt Wheeler sehr gut, fing er doch seine Karriere mit 26 Jahren bei eben jener Behörde an  – in einer Zeit, als Amerika noch von George Bush senior und später Bill Clinton regiert wurde. Später wurde er Büroleiter und Chef-Berater des republikanischen Senators James Inhofe aus Oklahoma, einem der radikalsten Leugner der globalen Klimaerwärmung. Inhofe erlangte Berühmtheit, als er einen Schneeball in den Senat rollte, um zu demonstrieren, dass der Klimawandel erfunden sei.

          Geschickter Diplomat

          2009 wechselte Wheeler in die Industrie und lobbyierte als Chef einer Beratungsfirma für eine Reihe von konventionellen Energiekonzernen. Bestzahlender Kunde: der Kohle-Konzern Murray Energy. Nach Angaben des Transparenz-Vereins Center for Responsive Politics erhielt Wheeler zwischen 2010 und 2017 jedes Jahr mindestens 300.000 Dollar von dem Konzern. Wheeler selbst ist stolz auf seine Vergangenheit in der Industrie. Die Bezeichnung „Kohlelobbyist“ sei für ihn keine Beleidigung, sagte er vor wenigen Tagen in einem Interview.

          Nun wolle er als erstes Planungssicherheit für die Industrie schaffen, sagte Wheeler, sonst würden besonders kleine Unternehmen Schaden nehmen. Wheeler gilt anders als Pruitt als geschickter Diplomat, der seinen Mitarbeitern zuhören kann. Er wüsste , wie man „Probleme vermeide“ und „mit Leuten arbeite“, um Veränderungen anzustoßen, sagte sein ehemaliger Kollege Matt Dempsey gegenüber der Nachrichtenagentur Bloomberg. „Er versucht, drastische Änderungen anzustoßen – und die werden dann nachhaltig sein.“

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