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Porträt Carsten Maschmeyer : Der großzügige Freund

AWD-Gründer Carsten Maschmeyer hat viel Geld, viele Freunde und auch viel Geld für viele Freunde Bild: Röth, Frank

Der Finanzmanager und AWD-Gründer Carsten Maschmeyer sucht die Nähe zu Politikern, Schauspielern, Musikern und Moderatoren, weil ihn eine Sehnsucht plagt: Die Sehnsucht nach Respekt und gesellschaftlicher Anerkennung. Bis heute versucht er, sein Image aufzupolieren.

          Über den geschäftlichen Nutzen von Freundschaften kann man lange diskutieren. Man kann es aber auch kurz machen und auf die Internet-Startseite der Maschmeyer-Rürup AG klicken. Dort stellen sich die beiden Namensgeber und Hauptakteure dieses Beratungsunternehmens vor: Carsten Maschmeyer, Gründer des Finanzvertriebs AWD, und Bert Rürup, ehemals Wirtschaftsweiser und Regierungsberater. Gleich darunter steht in übergroßen Lettern ein Zitat von Altkanzler Gerhard Schröder: „Ich bin mit den beiden Gründern persönlich befreundet.“ Noch Fragen?

          Johannes Ritter

          Korrespondent für Politik und Wirtschaft in der Schweiz.

          Carsten Maschmeyer hat viele Freunde. Seit jüngerer Zeit wollen sich dazu freilich nicht mehr alle so offenherzig bekennen wie Schröder. Aber der „Genosse der Bosse“ hat ja auch kein öffentliches Amt mehr zu verlieren. Ganz anders als Christian Wulff. Den Bundespräsidenten aus der CDU holt seine Vergangenheit in Hannover ein, wo er - genau wie der Sozialdemokrat Schröder - seine politische Heimat hat. Wulff will nichts davon gewusst haben, dass Maschmeyer ihm 2008 im Kampf um die Wiederwahl zum Ministerpräsidenten indirekt unter die Arme gegriffen hat. Der Unternehmer bezahlte eine Anzeigenstrecke, in der für einen Gesprächsband mit Wulff geworben wurde. Das erweist sich nun als Bärendienst.

          „Ich habe eher den Ruf, großzügig zu sein“

          „Aus der Beziehung ist eine Freundschaft geworden.“ So hat Wulff sein Verhältnis zu Maschmeyer früher einmal beschrieben. Allerdings gehört zu Freundschaft in aller Regel auch, dass man den Freund nicht in eine unmögliche Situation bringt. Das Zitat dürfte Wulff jetzt, wo er sich dafür rechtfertigen muss, dass er sich in seiner Amtszeit in Niedersachsen von allerlei befreundeten Unternehmern hat einladen lassen, sauer aufstoßen.

          Auch Maschmeyer, der spätestens seit seiner Liaison mit der Schauspielerin Veronica Ferres in ganz Deutschland bekannt ist, hat Dinge gesagt, die er inzwischen vermutlich bereut. Der scheinbar harmlose Satz „Ich habe eher den Ruf, großzügig zu sein“ etwa lässt angesichts des heutigen Wissens um die finanzielle Unterstützung für Schröders und Wulffs Wahlkampf den Verdacht aufkommen, Maschmeyer habe versucht, Politiker zu „kaufen“, um sie für sich und seine Interessen einzunehmen. Doch so eindimensional ist die Sache nicht. Der 52 Jahre alte Maschmeyer sucht die Nähe zu Politikern, Schauspielern, Musikern und Moderatoren, weil ihn eine Sehnsucht plagt: die Sehnsucht nach Respekt und gesellschaftlicher Anerkennung. Bis heute versucht er sein Image aufzupolieren.

          Ein begnadeter Verkäufer

          Maschmeyer kommt aus einfachen Verhältnissen. Sein Medizinstudium bricht er ab, um sich dem Verkauf von Versicherungspolicen, Fondsanteilen und allerlei anderen Finanzprodukten zu widmen. Mit seiner einnehmenden Art gelingt es ihm leicht, andere zu überzeugen. Diese Fähigkeit ist die Grundlage für seinen unternehmerischen Aufstieg, Maschmeyer ist ein begnadeter Verkäufer. 1988 macht er sich selbständig und gründet den Allgemeinen Wirtschaftsdienst AWD. Zimperlich gehen er und seine Männer nicht zu Werke, wie die zahlreichen Klagen von Anlegern beweisen, mit denen sich der AWD bis heute herumzuschlagen hat.

          Das öffentlichkeitswirksame Lamento verlustgeplagter Anleger schadet dem AWD. Das ärgert Maschmeyer, auch wenn es an seinem Vermögensstatus nichts ändert. Denn der Vater von zwei Söhnen hat sich schon vor ein paar Jahren von AWD verabschiedet: Der Verkauf seiner Anteile an Swiss Life brachte ihm rund 600 Millionen Euro ein. Dieses Geld und das Vermögen anderer Investoren legt er nun neu an. Nach dem Erwerb von Immobilien im In- und Ausland sowie der Übernahme von Firmenbeteiligungen in unterschiedlichen Branchen hat er sich neuerdings ein Investitionsziel ausgesucht, das ebenfalls für viele Schlagzeilen sorgte. Maschmeyer hat sich mit gut 5 Prozent an der Marseille-Kliniken AG beteiligt. Bei der krisengeschüttelten Hamburger Pflegeheimkette herrscht Führungschaos; der Hauptaktionär Ulrich Marseille ist rechtskräftig zu einer Haftstrafe auf Bewährung verurteilt. Eine Übernahme plane Maschmeyer nicht, er setze nur auf einen Kursanstieg, heißt es in seinem Umfeld.

          „Armut kommt von arm an Mut“

          Wieder einmal agiert Maschmeyer also nach dem Motto, das er einst seinen Vertriebsleuten eingehämmert hat: „Armut kommt von arm an Mut.“ Inzwischen hat Maschmeyer aber auch die Schattenseite seines Bekanntheitsgrads zu spüren bekommen. Ein vorbestrafter Mann hat versucht, ihn zu erpressen. Auf die Idee brachten den Täter Fernsehbilder von Maschmeyer und seinen Villen in Hannover und auf Mallorca.

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