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VW vs. Porsche : Endlich ist Ferdinand Piëch am Ziel

  • -Aktualisiert am

Kollegen, Geschäftspartner, viel mehr aber noch Rivalen. Ferdinand Piëch und Wendelin Wiedeking (v.l.) Bild: dpa

Porsche kauft Volkswagen, und Wendelin Wiedeking herrscht über Wolfsburg. Das klang listig. Doch der Plan hatte nicht mit der Chuzpe Ferdinand Piëchs gerechnet. Jetzt kauft VW Porsche. Und Wendelin Wiedeking ist am Ende. Das Protokoll aufregender Monate.

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          Wendelin Wiedekings Zeit ist vorbei. Niemand wettet mehr darauf, dass der Porsche-Chef sich noch lange im Amt hält. Der Machtkampf zwischen Wolfsburg und Zuffenhausen ist offenbar entschieden: Ferdinand Piëch triumphiert. Volkswagen übernimmt Porsche, der Sportwagenhersteller wird zur zehnten Marke von Europas größtem Autohersteller. Für Wiedeking bleibt kein Platz. Schon wird über Nachfolger spekuliert, setzt eine Diskussion über seine Abfindung ein.

          Georg Meck

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Mit zuletzt knapp 80 Millionen Euro Jahresgehalt ist der Porsche-Chef der höchstbezahlte Manager der Republik. Da sein Vertrag bis zum Jahr 2012 läuft, stößt der Betrag, der ihm zum Abschied zusteht, schnell an die 100-Millionen-Euro-Grenze. In der öffentlichen Wahrnehmung wird Wiedeking zum Buhmann, zum größenwahnsinnigen Zocker, der Porsche an den Abgrund gewirtschaftet hat. Welche Schmach!

          Und welch rasanter Imagewandel! Bis vor kurzem war Wiedeking der Superstar, gelobt dafür, wie er Porsche zum profitabelsten Autobauer der Welt gemacht hat, bewundert für seinen Mut mit dem VW-Coup, ausgezeichnet als Manager des Jahres, zuverlässig auf Platz eins der beliebtesten Konzernchefs Deutschlands.

          Formvollendeter Auftritt, knallhartes Geschäft: Piëch und seine Frau Ende Mai beim Fußballspiel Wolfsburg gegen Werder Bremen

          März 2005: Wendelin Wiedeking präsentiert den Familien Porsche und Piëch in Salzburg eine gewagte Idee: Wollen wir den x-mal größeren VW-Konzern kaufen? Damit ließe sich zusammenfügen, was nach Ansicht der Familie sowieso zusammengehört: Ferdinand Porsche hat einst im Auftrag der Nazis den Käfer erfunden, Ferdinand Piëchs Vater Anton das Werk in Wolfsburg geleitet. Die Gelegenheit für den Coup scheint günstig, führt Wiedeking aus: VW, durch die Schmuddelaffäre um käufliche Betriebsräte erschüttert, hat schon profitablere Zeiten gesehen, entsprechend billig sind die Aktien zu haben. Die Familie ist Feuer und Flamme, „wie kleine Kinder, die schon immer auf den Mond wollen und endlich das Raumschiff dazu bekommen“, erinnert sich ein Porsche-Manager. So genial finden sie die Idee, das sie sich rasch darüber streiten, wer tatsächlich als Erster darauf gekommen ist: Der Allmächtige Ferdinand Piëch oder der Angestellte Wiedeking? „Eingefallen ist dieser Coup dem Doktor Wiedeking“, sagt Wolfgang Porsche.

          David greift nach Goliath

          25. September 2005: Porsche kündigt an, 20 Prozent der VW-Aktien zu kaufen: David greift nach Goliath! Wiedeking argumentiert mit der industrielle Logik: Porsche allein sei auf Dauer zu klein und deshalb angewiesen auf die Kooperation mit VW, in dessen Werk in Bratislava etwa der Cayenne gebaut wird. All das sei in Gefahr, warnt der Porsche-Chef, wenn angelsächsische Hedge-Fonds sich den VW-Konzern schnappen. Anzeichen dafür sieht er in auffälligen Kursbewegungen. Wiedeking verpackt seinen Coup als patriotische Tat. Anfangs begrüßt der VW-Vorstand Porsche, den neuen Ankeraktionär, zumindest tut er so. Denn schnell schwant den Managern in Wolfsburg: Sie sollen zu Befehlsempfängern Stuttgarts degradiert werden.

          17. April 2007: Ferdinand Piëch wird 70. Mit einem pompösen Fest feiert er den Geburtstag und einen persönlichen Triumph: Alle Versuche, ihn in die Hartz-Affäre reinzuziehen, sind gescheitert. Er wird für eine weitere Amtszeit als VW-Aufsichtsratsvorsitzender bestätigt. Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff hatte dies mit allen Mitteln zu verhindern gesucht. Vergeblich. Mit einem Großaktionär Porsche ist Piëch nicht mehr abzusetzen, sieht der CDU-Politiker ein – und schließt mit dem bisherigen Erzfeind einen geheimen Pakt: Unter Anleitung eines Moderators sprechen sich Wulff und Piëch mehrere Stunden aus, stecken ihre jeweiligen Ziele ab und schließen eine Art Vertrag zur Wahrung der gegenseitigen Interessen – im Zweifel gegen Wendelin Wiedeking.

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