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Porsche gegen VW : Mit ungleichen Waffen

Im „Andenpakt” noch Verbündete: Günther Oettinger und Christian Wulff Bild: picture-alliance/ dpa

„Hinter Wulff steht die Kanzlerin, hinter Oettinger die Wand“: Einst waren die Ministerpräsidenten Oettinger und Wulff im „Andenpakt“ verbündet. Beim Kampf zwischen VW und Porsche begegnen sie einander nun als Widersacher.

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          Irgendwann wird es wohl im Fuhrpark der Landesregierung in Stuttgart auch einen Porsche geben. Seitdem der Justizminister privat von Porsche auf Ferrari umgestiegen ist, wird die Ruhe in der Villa Reitzenstein nur selten vom Dröhnen eines Porsche-Motors gestört. Aber der Sportwagenhersteller hat seit kurzem eine viertürige Limousine im Angebot, den Panamera. Das Interesse, Politiker mit einem solchen Auto vorfahren zu lassen, ist in diesen Zeiten groß im Hause Porsche. Doch Ministerpräsident Günther Oettinger hat an solchen Angeboten derzeit wenig Freude. Denn ein solches, mit 400 PS ausgestattetes Auto würde ihn täglich - akustisch und visuell - an die Sommerwochen des Jahres 2009 erinnern, die Zeit, in der mit unglaublich harten Bandagen, übler Fallenstellerei und allen erdenklichen Tricks in Hannover, Wolfsburg, Berlin und nicht zuletzt auch in Stuttgart um die Zukunft von Porsche gekämpft wurde.

          Rüdiger Soldt

          Politischer Korrespondent in Baden-Württemberg.

          Oettinger hat mehrfach gesagt, er beschäftige sich seit Wochen täglich drei Stunden mit dem Thema Porsche. Wer auch nur in Ansätzen verstehen wolle, um was es gehe, müsse sich durch mindestens drei Aktenordner kämpfen und einen mehrstündigen Vortrag anhören. Oettinger sagt das wohl auch, weil in dieser Kabale zwischen Hannover und Stuttgart, zwischen Ferdinand Piëch und Wolfgang Porsche, Tag für Tag sogenannte Exklusivinformationen aufgetischt werden, die sich schon Stunden später als halbgar oder halbwahr herausstellen - was an der Wirksamkeit dieser Mutmaßungen nichts ändert.

          Fast täglich hieß es aus Niedersachsen, die „Finalisierung des Masterplans“, also die Übernahme Porsches durch VW stehe unmittelbar bevor. Der niedersächsische Ministerpräsident Wulff schaffte es, seine Sicht der Dinge so zahlreichen Journalisten so häufig in den Block zu diktieren, dass der Druck und vor allem die Angst der Familie Porsche immer größer wurde. In Stuttgart wurden die politisch handelnden Akteure immer blasser, und, wie man im Schwäbischen sagt, immer bruddeliger.

          Wulff ist Ehrenhäuptling „Offenes Wort” bei den Karl-May-Spielen in Bad Segeberg - für VW trifft das nicht immer zu

          „Zum Krieg gehören mindestens zwei“

          Persönliche Angriffe auf Parteifreunde versucht Oettinger zu vermeiden. Wie sehr die Beziehung der beiden CDU-Ministerpräsidenten belastet ist, die seit der Gründung des sogenannten Andenpaktes ein freundschaftliches Verhältnis pflegten, lässt sich an den zwei Giftpfeilen ablesen, die Oettinger in Richtung Hannover schickte: Wulff liege „haarscharf daneben“, wenn er behaupte , die KfW könne nur Kleinunternehmen helfen. Einige Woche später forderte er ihn auf, das „Kriegsschrei“ zu unterlassen. Solche Sätze hat der wirtschaftsliberale Oettinger früher nur verdienten Herz-Jesu-Marxisten in der Union spendiert.

          Schon als vor mehr als einem Jahr über das VW-Gesetz gestritten wurde, hielt sich Oettinger, zumindest öffentlich, mit großzügigen Versprechungen zurück, die vermutlich mit dem EU-Wettbewerbsrecht unvereinbare Sperrminorität des Landes Niedersachsen könne vor der Bundestagswahl politisch verhindert werden. Vielleicht hat er die politischen Machtverhältnisse bei diesem Thema schon damals realistisch eingeschätzt. „Zum Krieg gehören mindestens zwei, die Waffen haben, aber wir haben eigentlich keine Waffen“, sagt ein Minister in Stuttgart.

          Oettinger habe das Gewicht einer „Briefmarke“

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