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Der Ziehsohn : Michael Macht

  • Aktualisiert am

Wiedekings Nachfolger: Produktionsvorstand Michael Macht Bild: picture-alliance/ dpa

Wendeling Wiedeking hat seinen Nachfolger bei Porsche selbst aufgebaut. Wiedeking erkannte früh die Begabung Machts und machte ihn zu seinem Referenten. Das dürfte ihm in Wolfsburg nicht zum Schaden gereichen - zumal ihn VW-Kontrolleur Ferdinand Piëch wohl eher in der zweiten Reihe halten will.

          Porsche-Produktionsvorstand Michael Macht stand bislang selten im Rampenlicht der Öffentlichkeit. Dies wird sich nun ändern. Michael Macht gilt als Ziehsohn von Porsche-Chef Wendelin Wiedeking. Der 48 Jahre alte Schwabe ist gemeinsam mit dem Westfalen die Karriereleiter in der Sportwagenschmiede hinaufgestiegen.

          Er studierte Maschinenbau an der Universität Stuttgart und arbeitete zunächst beim Stuttgarter Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation, bevor er in 1990 die Wirtschaft wechselte. Bei Porsche begann er 1990 als Fachreferent für Motorenplanung. Macht arbeitete sich schnell hoch. Der damalige Produktionschef Wiedeking erkannte die Begabung Machts. Anfang der 90er-Jahre stand der Sportwagenbauer am Abgrund. Auch als Wiedeking 1992 in rauen Zeiten das Ruder bei dem Stuttgarter Nobelhersteller übernahm, wurde Macht seine rechte Hand.

          Strippenzieher im Hintergrund

          Macht zog bei der Sanierung des Autobauers im Hintergrund die Strippen und setzte die Vorgaben seines Chefs um. Beide fuhren gemeinsam mit anderen Porsche-Managern nach Japan, um sich dort die Organisation in den dortigen Fabriken genauer anzuschauen. Ein Schlagwort war damals das Thema „schlanke Produktion“.

          Langjährige Gefährten: Wendelin Wiedeking und Michael Macht im Jahr 2000 auf einer Pressekonferenz

          Die Produktivitätssprünge beim Umbau der Fertigung verblüfften nicht nur die eigene Mannschaft, sondern machten auch potentielle Kunden hellhörig. Macht legte damit den Grundstein für einen weiteren Karriereschritt bei dem Autobauer. Der Schwabe wurde Geschäftsführer der Porsche-Consulting, einer Beratungstochter des Konzerns. Diese war gegründet worden, weil andere Firmen bei Porsche angeklopft hatten und nach dem Geheimnis des Erfolgs der Sanierung fragten. Die Firma sollte die Erfahrungen beim Umbau des Stuttgarter Unternehmens vermarkten.

          Seit 1998 im Porsche-Vorstand

          Die Tochterfirma war nach früheren Angaben so erfolgreich, dass sie in nur vier Jahren ihren Umsatz verzehnfachte. Kunden von Porsche-Consulting waren nicht nur Zulieferer aus der Autobranche wie Bosch ZF, sondern auch branchenfremde Firmen wie Heidelberger Druckmaschinen oder die Deutsche Bahn. In den vier Jahre bei der Porsche-Tochter holte sich Macht das Rüstzeug für seinen weiteren Aufstieg.

          Mit diesem Erfolg im Rücken stieg Macht, sicherlich zur großen Zufriedenheit seines Förderers Wiedeking, Anfang Juni 1998 in den Vorstand des Unternehmens auf. Dort steuerte er seither Produktion und Logistik. Nach der missglückten Übernahme von VW und dem Aus für seinen Ziehvater Wiedeking übernimmt Macht nun das Steuer. Er muss nach dem erbittert geführten Machtkampf mit Volkswagen erst einmal die Wogen glätten und für Ruhe sorgen.

          Gern gesehen in Wolfsburg

          Anders als Wiedeking, der in Wolfsburg nach dem Einzug in den Aufsichtsrat rasch auf Gegenwind stieß, ist Macht in Wolfsburg gern gesehen. Dass der gebürtige Stuttgarter, der 1990 zu Porsche kam, vorübergehend auch die rechte Hand des langjährigen Porsche-Chefs war, stört dabei nicht. Er soll den Porsche-Beschäftigten das Gefühl geben, nicht künftig ganz aus Wolfsburg fremdbestimmt zu sein.

          Als studierter Maschinenbauer ist Macht ohnehin ein Manager nach dem Geschmack des Ingenieurs Ferdinand Piëch - als Mann im Hintergrund sicher auch. Dass er nicht zugleich zum Chef der Obergesellschaft Porsche Holding SE gemacht wurde, könnte ein Zeichen dafür sein, dass ihn Piëch auch in der zweiten Reihe halten will.

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