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Porsche-Hauptversammlung : Bitte nervt jetzt nicht! Wo sind die Würstchen?

Wolfgang Porsche (l) mit Martin Winterkorn (r) Bild: dpa

Ferdinand Piëch ist nicht zur Hauptversammlung der Porsche SE gekommen. Dabei sind nach seiner Niederlage im VW-Machtkampf noch Fragen offen. Die Kleinaktionäre kümmert das wenig.

          Was bedeutet „Wahrscheinlich. Ja“? Kann man aus diesen zwei Wörtern ableiten, wie Ferdinand Piëch seine Niederlage im Kampf um die Macht bei VW verarbeiten wird? Die zwei Wörter kommen von Wolfgang Porsche, dem Aufsichtsratsvorsitzenden der Porsche SE. Hunderte von Porsche-Kleinaktionäre um ihn herum ahnen nicht einmal, dass zwei Wörter plötzlich wieder für Aufregung sorgen. Was kann damit gemeint sein, fragen sich die Journalisten. Die Kleinaktionäre dagegen kümmern sich nicht um den Tross um Wolfgang Porsche und  Martin Winterkorn, der sich vor Beginn der Hauptversammlung der Porsche SE durch die Ausstellung der schönsten Porsche-Modelle bewegt. Hefezopf oder Würstchen sind wichtiger, für manche auch der bewundernde Blick auf die Autos. Das wäre wohl auch nicht anders gewesen, wenn Ferdinand Piëch mit in der Gruppe gewesen wäre. Man kommt als Porsche-Aktionär nicht, um sich an Spekulationen über Führungs- und Familienquerelen zu ergötzen.

          Susanne Preuß

          Wirtschaftskorrespondentin in Stuttgart.

          Für die aus der ganzen Republik nach Stuttgart gereisten Wirtschaftsjournalisten gilt das Gegenteil – hatte man sich doch erhofft, etwas klarer zu sehen, wie es mit Piëch weitergeht. Einzelne Sätze, Satzfetzen sogar, haben in der Vergangenheit die Geschicke des Volkswagen-Konzerns bestimmt und auch der Porsche SE, die Mehrheitseigentümerin der Volkswagen AG ist. Jetzt werden alternativ die Sätze von Wolfgang Porsche auf die Goldwaage gelegt, dem Cousin von Ferdinand Piëch, der nie diese Rolle als öffentlich tätiger Strippenzieher innehatte. Er sagt das, was ihm die Kommunikationsabteilung für diese Situation aufgeschrieben hatte: „Ich kann Ihnen versichern: Auch künftig werden wir unsere Verantwortung als Großaktionär für den Volkswagen-Konzern und seine 600.000 Mitarbeiter wahrnehmen.“  Aha. Und, fragt eine Journalistin, gilt das auch für die übrigen Mitglieder des Aufsichtsrats? „Jawoll“, sagt Wolfgang Porsche schon, bevor die Frage noch zuende formuliert ist – auch für Ferdinand Piëch? Für einen ganz kleinen Moment überlegt Porsche und sagt: „Wahrscheinlich. Ja.“

          Piëch hatte am Morgen abgesagt

          Mehr Rückhalt gibt es nicht für den Cousin. In der Begrüßung der Aktionäre lässt Wolfgang Porsche auf ganz subtile Weise durchklingen, dass er das Verhalten von Ferdinand Piëch nicht gutheißt. Er berichtet, der Aufsichtsrat Ulrich Lehner sei aus dienstlichen Gründen entschuldigt und „Ferdinand Piëch hat sein Kommen abgesagt“. Eine Begründung wird nicht gegeben. Von Entschuldigung ist nicht die Rede. Irgendwann zwischen 7 und 8 Uhr morgens hat Piëch den Chefjustitiar der Porsche SE angerufen und mitgeteilt, dass er nicht zur Hauptversammlung kommt. Schon am Vortag war er nicht zur Aufsichtsratssitzung in Stuttgart erschienen. Als Vorzeichen für sein Fehlen bei der Hauptversammlung wurde das bei der Porsche SE nicht interpretiert, jedenfalls nicht eindeutig.

          Martin Winterkorn, der den Machtkampf um die Führung der Volkswagen AG auf spektakuläre Weise für sich entschieden hat und in Personalunion auch die Porsche SE führt, hilft auch nicht bei der Interpretation von Piëchs Verhalten. „Seine Entscheidung“, sagt er knapp während des Rundgangs auf die Frage von Journalisten. Wenige Minuten später lässt er sich nicht anmerken, dass es überhaupt irgendeine Bedeutung hat, ob Piëch kommt oder nicht. Er bekommt Beifall, als er von künftigen Investitionsentscheidungen spricht: Milliarden wollen in Zukunft sinnvoll angelegt sein, und Winterkorn erklärt, welch wegweisendes Engagement der für kleines Geld erkaufte Einstieg bei Inrix ist, einem Spezialisten für Verkehrsinformationen in Echtzeit, Grundlage für das Zukunftsfeld autonomes Fahren. In Wahrheit  besteht die Porsche SE bisher eigentlich nur aus dem Anteil von 50,7 Prozent an den Stammaktien der Volkswagen AG. Das Kern-Investment habe derzeit einen Wert von 33 Milliarden Euro, berichtet Winterkorn den Aktionären.

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