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Popakademie : „Nur über Youtube wird keiner Popstar“

  • Aktualisiert am

Hubert Wandjo Bild: ddp

Die Musikindustrie steckt in der Talsohle. Obwohl die Zahl der illegalen Downloads sinkt, bleiben sie das größte Problem. Bernd Freytag sprach mit Hubert Wandjo von der Popakademie in Mannheim über den Umbruch der Branche und die Frage, wie man im Internetzeitalter Popstar wird.

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          Herr Wandjo, lohnt es sich noch, Popstar zu werden?

          Für die, die es packen, lohnt es sich immer noch. Aber es werden immer mehr junge Künstler von ihren professionellen Ambitionen Abschied nehmen müssen. Die Musikindustrie hat schwere Jahre hinter sich und die Investition in junge Talente sichtbar zurückgefahren.

          Wie wird man denn im Internetzeitalter überhaupt Popstar?

          Popstars werden auch heute noch im Wesentlichen von klassischen Medien in Symbiose mit der Musikindustrie gemacht. Das Fernsehen kann emotionalisieren und die Aufmerksamkeit der Menschen konzentrieren, das kann das Internet nicht. Nur über Youtube oder Myspace ist noch keiner Popstar geworden.

          Woran liegt das?

          Erfolge über eine rein digitale Vermarktung sind bis auf wenige Ausnahmen ein Mythos geblieben. Natürlich hat jeder dort die Möglichkeiten, sich milliardenfach zu präsentieren. Aber wie wird er in dieser Masse gefunden? Das kann zwar mit Guerrilla-Marketingmaßnahmen funktionierten, bedarf aber Budgets und dem entsprechenden Knowhow – und das ist nach wie vor das Spiel der etablierten Musikfirmen und Medien.

          Wenn Lena Meyer-Landrut beim Eurovision Song Contest in Oslo gewinnt, wird sie dann Millionärin?

          Sie hat sicher gute Chancen, eine zu werden, das hängt von ihren Verträgen ab. Sie ist bereits hierzulande sehr erfolgreich, und im Falle eines Sieges in Oslo könnten sich ihre Verkäufe vervielfachen.

          In einigen Bewerbershows bleibt der Eindruck hängen, die Sänger werden verheizt.

          Wirtschaftlich sicher nicht. Fast alle Künstler werden heute durch Branchenanwälte vertreten und marktüblich an den Umsätzen beteiligt.

          Was sind marktübliche Umsätze?

          Es gibt viele verschiedene, teils komplexe Vertragsmodelle. Ein Newcomer könnte branchenüblich bei einer Beteiligung von etwa einem Euro plus/minus ungefähr 30 Prozent im Falle einer Langspiel-CD liegen. Dies ist abhängig von der jeweiligen Komplexität der Vertragskonstellationen.

          Welche Voraussetzungen braucht man denn, um Popstar zu werden?

          Talent, Persönlichkeit, Charisma, Stil und die Fähigkeit zu emotionalisieren. Gutes Handwerk ist von Vorteil, aber nicht zwingend Voraussetzung. Bei solchen Casting-Wettbewerben ist Musik nur die Basis. Ziel sind hohe Einschaltquoten und Werbeeinnahmen. Die Sänger sind Hauptdarsteller in einer Soap. Das ist auf keinen Fall der Künstlertyp, wie wir ihn an der Popakademie Baden-Württemberg haben.

          Sondern?

          Wir wollen unsere Studierenden so ausbilden, dass sie mit und von ihrer eigenen Musik, ihrer Kreativität und ihrem Talent im Musikgeschäft langfristig leben können.

          Geht es der Branche denn schon besser?

          Der Abwärtstrend hat sich zwar verlangsamt, aber von Aufschwung kann noch nicht die Rede sein. Das Geschäft mit aufgezeichneter Musik ist in den vergangen zehn Jahren um die Hälfte auf etwa 1,5 Milliarden Euro geschrumpft.

          Wird der Rückgang nicht durch die wachsende Zahl von Downloads kompensiert?

          Nein. Noch immer machen physische Tonträger 90 Prozent des Umsatzes aus. Die Zahl der Downloads steigt zwar, aber die CD bleibt das wichtigste Geschäft.

          Welche Rolle spielen Raubkopien?

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