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Popakademie : „Nur über Youtube wird keiner Popstar“

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Immerhin geht der Trend zu illegalen Downloads zurück. Von 2006 bis 2009 fiel die Zahl von über 600 Millionen auf 300 Millionen. Das Unrechtsbewusstsein ist gewachsen, und die zunehmende Ahndung zeigt Wirkung. Aber es bleibt natürlich ein Problem.

Aber was ist mit den legalen Musikportalen im Internet. Das Downloadgeschäft dort boomt doch?

Der Stückzuwachs ist in Deutschland noch gut, aber in Amerika stagniert er bereits. Lassen Sie sich von den Stückzahlen nicht täuschen. Bei etlichen Downloadshops dürften Zweifel angebracht sein, ob sie beim aktuellen Preisniveau profitabel arbeiten können.

Warum betreiben dann Apple und Nokia diesen Aufwand?

Das sind in erster Linie Marketingmaßnahmen für originäre sehr profitable Produkte wie MP3-Player und Smartphones, die wahrscheinlich zum größeren Teil illegal beschaffte Musik abspielen beziehungsweise transportieren. Am Ende eines solchen Prozesses leidet die Qualität der Inhalte. Das Gros der Downloads wird nach wie vor nicht über die Portale gemacht. Viele Leute leben gut in diesem System, bis auf Ausnahmen nur die Künstler nicht, insbesondere der Nachwuchs.

Wenn sich kein gescheites Angebot mehr findet, werden die Hardwarehersteller und Netzbetreiber gezwungen sein, ihre Inhalteanbieter zu kaufen.

Das geschieht hier und da, wenn es um gebündelte Angebote mit Hardware oder Netzzugängen geht. Das betrifft nur etabliertes Repertoire. Neue Künstler entdecken und entwickeln ist ein hochriskantes Geschäft, in das sich noch keiner der neuen Akteure in großem Stil verirrt hat.

Trotzdem verdienen doch viele Musiker noch immer eine Menge Geld. Oder muss man für Dieter Bohlen schon sammeln gehen?

Für ihn sicher nicht. Der Wandel trifft vor allem die vielen ambitionierten Newcomer. Die Musikindustrie war mit ihren Gewinnen stets der Treiber für den Nachwuchs. Sie investiert heute deutlich weniger in die Entwicklung und Vermarktung neuer Künstler.

Was sind denn die Alternativen?

Der Königsweg wird noch gesucht. Aber wir sollten auf jeden Fall das Urheberrecht konsequenter anwenden und uns weiter an neuen Geschäftsmodellen in Bezug auf Inhalt, Preis, Kommunikation und Vertrieb probieren. Auch eine stärkere politische Nachwuchsförderung ähnlich der Filmindustrie wäre denkbar. Und auch eine allgemeine Kulturflatrate sollte man als letztes Mittel nicht ausschließen.

Popmusik ist nicht wesentlich für die Demokratie. Dann müssen alle für etwas bezahlen, was sie vielleicht nicht wollen.

Das ist in der Tat eines der Argumente der Kritiker einer Kulturflatrate, das nicht von der Hand zu weisen ist.

Wie steht es mit Livemusik. Dieser Markt legt doch seit Jahren zu?

Der Umsatz im Livegeschäft liegt in Deutschland heute ungefähr 1 Milliarde Euro über dem Tonträgerumsatz, aber seit zwei Jahren gehen auch dort die Umsätze zurück. Der Anstieg war im Wesentlichen auf explodierende Ticketpreise zurückzuführen, ganz nach amerikanischem Vorbild. Aber heute zahlen die Leute diese Preise nicht mehr. Außerdem spielt klassische Musik im Livegeschäft die dominierende Rolle. Und die wird bekanntlich vom öffentlichen Kulturbetrieb subventioniert.

Hochschulpop

Die Popakademie Baden-Württemberg mit Sitz in Mannheim wurde 2003 gegründet. Gesellschafter sind das Land, die Stadt Mannheim, der Südwestrundfunk, Universal Music und eine regionale Unternehmensgruppe. Die Hochschuleinrichtung bildet rund 60 Studierende im Jahr in den Fächern Musikbusiness und Popmusikdesign aus. Künstlerischer Direktor ist Udo Dahmen. Der ehemalige stellvertretende Deutschland-Chef von Sony Music, Hubert Wandjo, führt die Geschäfte. Einen Teil der Mittel muss sich die Schule durch Sponsoren-, Projekt- und Fördermittel sowie Gebühren erwirtschaften. Gefördert wird die Schule von der BASF und dem Popsänger Xavier Naidoo. Bekannteste Abgänger der Akademie sind Konstantin Gropper mit seinem Projekt „Get Well Soon“, die Glamrock-Band „My Baby Wants To Eat Your Pussy“ und Johanna Zeul. (tag.)

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