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Poker um Schering : Bayer gewinnt Übernahmekampf

  • Aktualisiert am

Bayer greift zu: Produktion bei Schering Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

Der Übernahmekampf ist vorbei, und alle präsentieren sich als Sieger: Bayer zahlt für Schering zwar 600 Millionen Euro mehr als geplant, ist aber endlich am Ziel. Und Merck, so wird gemunkelt, kann mit dem Sondererlös aus dem Schering-Poker auf Einkaufstour gehen.

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          Der Darmstädter Pharma- und Chemiekonzern Merck hat mit dem Verkauf seines Schering-Anteils für 3,7 Milliarden Euro an Bayer den spektakulärsten Übernahmekampf in der deutschen Industriegeschichte beendet. Am Mittwoch bot Merck Bayer seinen Schering-Anteil von 21,8 Prozent an, wie die Bayer AG mitteilte. Der Kaufpreis beträgt 89 Euro pro Aktie. Zuvor hatte Bayer 86 Euro pro Aktie geboten. Der Wert der Transaktion liegt insgesamt bei 3,7 Milliarden Euro.

          „Auch alle anderen Schering-Aktionäre, die ihre Aktien innerhalb des öffentlichen Angebotsverfahrens angedient haben oder dies noch bis zum Ablauf der Annahmefrist am Mittwoch um Mitternacht deutscher Zeit tun wollen, werden in den Genuß dieses Preises kommen, der um drei Euro über dem ursprünglichen Angebot liegt“, kündigte Bayer an.

          Offizielles Ergebnis am 22. Juni

          Bayer wird das offizielle Ergebnis seines Übernahmeangebots voraussichtlich am 22. Juni bekanntgeben. Das teilte Bayer am Donnerstag mit. Die Mindestannahmequote von 75 Prozent dürfte erreicht worden sein.

          „Wir sind sehr froh über diese Entscheidung von Merck, denn ein langfristiger Bieterwettbewerb hätte die Zukunft von Schering stark beeinflußt“, gab sich Bayer-Chef Werner Wenning erleichtert. „Wir sind sehr optimistisch, nunmehr mindestens die Dreiviertel-Mehrheit bei Schering zu bekommen und damit den Integrationsprozeß schnell angehen zu können“, fügte er hinzu. Merck hatte den Bieterstreit um Schering verloren, danach aber begonnen, massiv Aktien aufzukaufen.

          Merck wird aus der Veräußerung ihres Schering-Paktes im zweiten Quartal einen außerordentlichen Ertrag von knapp 400 Millionen Euro verbuchen, wie das Unternehmen mitteilte. „Kurzfristige Spekulationsgewinne waren nie unser Ziel und sind wahrlich kein Handlungsmotiv für ein Unternehmen, das in Generationen denkt“, ließ sich Merck-Chef Michael Römer zitieren. Merck und Bayer seien in gemeinsamen Gesprächen übereingekommen, bereits laufende und weitere Kooperationsmöglichkeiten zu prüfen.

          Analysten: „Beste Lösung für alle“

          Als „beste Lösung für alle Beteiligten“ bezeichnen Analysten auf Anfrage die Einigung von Bayer und Merck. „Der klare Menschenverstand hat gesiegt“, sagt ein Beobachter. „Damit zahlt Bayer nun für die Schering-Übernahme allerdings knapp 600 Millionen Euro mehr als geplant - das ist schon ein Batzen“, fügt ein anderer Analyst hinzu. Wichtiger sei jedoch, daß der Deal nun voraussichtlich doch noch klappen wird. Die Anleger honorierten die schnelle Einigung, heißt es mit Blick auf das deutliche Kursplus bei Bayer. Die Bayer-Aktien notierten am Nachmittag 7,1 Prozent im Plus.

          Merck dürfte jetzt auf Einkaufstour gehen

          Voraussichtlich werde Merck nun mit dem außerordentlichen Gewinn auf Einkaufstour gehen, heißt es weiter. Voraussichtlich werde sich Merck nun genau in dem Therapeutika/Onkologie-Bereich umsehen, der bereits bei Schering so interessant gewesen wäre.

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