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Pleitewelle : Zahl der Insolvenzen erreicht Höchststand

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Die Zahl der Insolvenzen in Deutschland dürfte in diesem Jahr einen neuen Höchststand erreichen. Zu diesem Schluß kommt die Wirtschaftsauskunftei Creditreform aufgrund der bereits gemeldeten Pleiten.

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          Die Zahl der Insolvenzen in Deutschland dürfte in diesem Jahr einen neuen Höchststand erreichen. Zu diesem Schluß kommt die Wirtschaftsauskunftei Creditreform aufgrund der bereits gemeldeten Pleiten. 99 800 Unternehmen und Privatpersonen werden am Jahresende einen Insolvenzantrag gestellt haben, wie Hauptgeschäftsführer Helmut Rödl am Donnerstag in Frankfurt sagte.

          Dies sei eine Steigerung von 18,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Dabei kletterte die Zahl der bankrotten Betriebe um 5,5 Prozent auf 39 700. Die Zahl der überschuldeten Privatpersonen lag mit 60 100 Verbrauchern und ehemaligen kleineren Selbständigen zum zweiten Mal noch darüber. Deren abermaliger Anstieg um 28,7 Prozent ist aber auch auf Änderungen in der Insolvenzordnung zurückzuführen. Auch für das kommende Jahr gibt es keine Entwarnung. Es müsse mit 40 000 bis 42 000 Firmenschließungen gerechnet werden. "Im günstigsten Fall werden wir die Zahl halten", sagte Rödl.

          Keine Trendwende

          Der Zuwachs der Unternehmensinsolvenzen 2003 hat sich gegenüber den beiden Vorjahren abgeschwächt. Rödl warnte jedoch davor, von einer Trendwende zu sprechen. Denn innerhalb der vergangenen zehn Jahre habe sich die Zahl der zusammengebrochenen Firmen mehr als verdoppelt. Im zu Ende gehenden Jahr beruhte der Zuwachs vor allem auf der Schließung von Betrieben in Westdeutschland (plus 11,9 Prozent). In Ostdeutschland meldeten dagegen mit rund 10 000 Unternehmen 9,7 Prozent weniger Konkurs an als im Vorjahr. Die Zahlungsunfähigkeit treffe vor allem Kleinbetriebe mit bis zu fünf Mitarbeitern.

          Rödl gab den Banken wegen ihrer zögerlichen Kreditvergabe eine Mitschuld: "Selten war die Lage bei den Mittelständlern elender als heute." Die wenigen spektakulären Fälle - Grundig, Wienerwald, Kettner und Aero Lloyd - hätten nicht an die Dimension des Vorjahres herangereicht, unterstreicht die Auskunftei.

          Pleitewelle zerstört Arbeitsplätze

          Die aus den Zusammenbrüchen entstandenen Schäden für andere Unternehmen, Privatpersonen und die öffentliche Hand beziffert Creditreform auf 40,5 Milliarden Euro (Vorjahr: 38,4). Mehr als zwei Drittel davon hätten private Gläubiger hinnehmen müssen, die als Kreditgeber, Arbeitnehmer oder Lieferanten auf ihren Ausfällen sitzengeblieben seien. Durch die Pleitewelle gingen im Jahr 2003 rund 613.000 Arbeitsplätze verloren (plus 3,9 Prozent).

          Creditreform hat jedoch auch einige gute Nachrichten zu vermelden. So habe sich die Ausstattung der Mittelständler mit Eigenkapital verbessert. Mittlerweile verfügten 18,3 Prozent der Betriebe über eine angemessene Quote von mindestens 30 Prozent (Vorjahr: 16,6 Prozent). Auch sei die Zahl der Unternehmensgründungen gestiegen: 761 000 Unternehmen ließen sich ins Handels- und Gewerberegister eintragen - 5,7 Prozent mehr als im Jahr 2002. Gleichzeitig nahm zwar die Zahl der Löschungen um 3 Prozent auf 656 000 Unternehmen zu. Doch damit bleibt unter dem Strich ein Zuwachs von 105.000 Betrieben. Ein Teil davon sei allerdings auf die von der Bundesregierung geschaffenen "Ich-AGs" zurückzuführen. Dabei erhalten Langzeitarbeitslose, die eine eigene Firma gründen, Zuschüsse. Diese Firmen seien freilich von "bescheidener Stabilität", sagte Rödl.

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