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Pleiten in Deutschland : Die Insolvenzen des Jahres

Ein Beispiel von vielen Insolvenzen: Strauss Innovation Bild: Caro / Schulz

Im Europa-Vergleich ist Deutschland glimpflich davongekommen. Erwischt hat es aber nicht nur den größten Agrarkonzern. Gerade durch die Modebranche lief eine wahre Pleitewelle.

          7 Min.

          Der Gott des Himmels wird es uns gelingen lassen, denn wir, seine Knechte, haben uns aufgemacht und bauen wieder auf.“ Diese Tageslosung vom 14. Dezember aus dem Buch Nehemia (Teil der Geschichtsbücher) im Alten Testament wirkt auf der Internetseite des Lutherischen Verlagshauses in Hannover etwas trotzig. Dieser kleine Verlag ist nämlich kurz vor dem Jubiläumsjahr Martin Luthers (500 Jahre Reformation) endgültig gestrauchelt. Mitte Oktober meldete er Insolvenz an. Der Verlag, der schon seit Jahren gegen wirtschaftliche Schwierigkeiten kämpft, musste nicht als einziger aufgeben. Überraschender war im Sommer die Meldung, dass der Langenscheidt-Nachfahre Florian mit seinem Kölner Verlag Deutsche Standards Editionen ebenfalls gescheitert ist.

          Georg Giersberg

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Der Betriebswirt“.

          Für das Haus, in dem so opulente wie bekannte Bücher wie „Marken des Jahrhunderts“, „Deutsche Standards“ oder „Lexikon der Deutschen Familienunternehmen“ erschienen sind, wird derzeit ein Übernehmer gesucht. Die Liste der Absagen ist inzwischen offenbar sehr lang. Zwei andere insolvente Verlage fanden neue Eigentümer. Rogner & Bernhard ging an den Züricher Verlag Kein & Aber, Haffmans & Tolkemitt wurde von Till Tolkemitt aus der Insolvenz herausgekauft.

          Das Jahr 2016 hat aber auch große Unternehmen ins Straucheln gebracht. Zwar ging nach den Erhebungen des Verbands der Vereine Creditreform die Zahl der Unternehmensinsolvenzen insgesamt um mehr als 6 Prozent auf 21.700 (Vorjahr 23.180) zurück. Sie erreicht damit den tiefsten Stand seit 1994. Aber es gingen wieder mehr Großunternehmen mit jeweils mehr als 500 Millionen Euro Umsatz in die Insolvenz. Damit stieg auch der durch Insolvenzen angerichtete volkswirtschaftliche Schaden. Für die privaten Gläubiger waren in diesem Jahr 19,6 (Vorjahr 13,1) Milliarden Euro nicht mehr einzutreiben, weil die Schuldner zahlungsunfähig geworden sind. Darüber hinaus musste der Staat auf weitere 7,9 Milliarden Euro, vor allem Steuern, verzichten.

          903.000 Euro Schaden im Schnitt

          Dass der durchschnittliche Schaden je Insolvenzfall für private Gläubiger auf 903.000 Euro kletterte und damit überdurchschnittlich hoch lag, hängt vor allem damit zusammen, dass in diesem Jahr bei großen Insolvenzen viele Anleihen nicht mehr bedient wurden. Damit hat auch der einst so viel gelobte Kapitalmarktbereich der Mittelstandsanleihen durch die Insolvenzen in diesem Jahr weiteren Schaden genommen.

          So hatten viele Anleger dem größten Bauern Europas Geld gegeben. Gegessen werde immer, glaubten sie – und zeichneten eine Anleihe nach der anderen der KTG Agrar AG. Das Unternehmen lebte aber weniger von den Früchten seiner Felder als von Agrarsubventionen. Wie viel ihrer 350 Millionen Euro die Anleihegläubiger zurückbekommen, muss sich noch zeigen. Etwas weiter sind schon die Gläubiger der German Pellets GmbH. Das Wismarer Unternehmen stellte schon im Februar Insolvenzantrag. Es ist inzwischen zerschlagen. Leidtragende sind nicht nur mehr als 600 Mitarbeiter, sondern auch Gläubiger über 200 Millionen Euro Mittelstandsanleihen.

          KTG oder German Pellets waren zwar öffentlichkeitswirksame Insolvenzen, aber die größten waren sie nicht. Gemessen an der Anzahl der betroffenen Mitarbeiter war die Insolvenz des Textilunternehmens Steilmann am folgenreichsten. Das an der Frankfurter Börse notierte Unternehmen mit Sitz in Bergkamen hatte einst in der Spitze 18.000 Mitarbeiter. Vor zehn Jahren stand das Unternehmen schon einmal vor dem Aus. Das endgültige Ende konnte durch den Verkauf von Unternehmensteilen auch diesmal verhindert werden. Gut die Hälfte der zuletzt 5000 Beschäftigten konnte dadurch ihren Arbeitsplatz behalten.

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