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Planwirtschaft : Nordkorea erstarrt durch die Währungsreform

Die überraschende Währungsreform bedroht die zarten Pflanzen privater Initiative Bild: Patrick Welter

Ohne Vorwarnung hat das kommunistische Regime am Wochenbeginn eine Währungsreform eingeleitet. Die Geschäfte und Märkte in der Hauptstadt Pjöngjang sind geschlossen. Nur in Geschäften, die ausländisches Geld akzeptieren, kann noch eingekauft werden.

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          Die überraschende Währungsreform in Nordkorea bringt das Wirtschaftsleben durcheinander und trifft die Händler auf den privaten Märkten. Seit Montagmittag sind die Geschäfte und Märkte in der Hauptstadt Pjöngjang geschlossen, nur in Geschäften, die ausländisches Geld akzeptieren, kann noch eingekauft werden.

          Patrick Welter

          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          Die Menschen reihen sich vor den Banken in lange Schlangen, um ihr Geld in die neue Währung zu tauschen; manche tragen in Säcken Bargeld heran. Die Führung des kommunistischen Landes unter Kim Jong-il hatte am Wochenbeginn ohne Vorwarnung die Währungsreform begonnen; die Botschaften in Pjöngjang wurden am Dienstag informiert. Eine offizielle Mitteilung der Führung über den Geldtausch gibt es bislang nicht.

          Der nordkoreanische Won wird zum Kurs von 100:1 in neues Geld gewechselt, die alte Währung hat ihre Gültigkeit schon verloren. Die Umtauschfrist endet am Sonntag. Die Menschen verbittert, dass zu diesem Kurs nur bis zu 100.000 Won je Familie umgetauscht werden dürfen; das entspricht zum Schwarzmarktkurs etwa 20 Euro. Sparguthaben bei Banken werden zwar gewechselt, Barbeträge von mehr als 100.000 Won aber nur zu 30 Prozent oder weniger.

          Die alte Währung hat ihre Gültigkeit verloren
          Die alte Währung hat ihre Gültigkeit verloren : Bild: dpa

          Die Reform trifft auch die blühenden privaten Märkte

          Damit zielt die Führung des verschlossenen Landes nicht nur darauf ab, zwei Nullen zu streichen, um den Wert der Währung optisch zu heben. Mit dem Währungsschnitt wird zugleich die Kaufkraft beschnitten, so dass der Inflationsdruck zeitweise geringer ausfallen dürfte. Welche Preise in den staatlichen Geschäften für die Zeit nach der Währungsreform festgelegt werden, ist freilich noch nicht bekannt. Vor allem aber trifft der Währungsschnitt die blühenden privaten Märkte in Nordkorea.

          Ende November, noch vor dem Währungsschnitt, drängten sich im Tongil-Markt in Pjöngjang Hunderte von älteren Frauen an eng gereihten Tischen. Junge Verkäuferinnen sind nicht zu sehen; ihnen ist der Verkauf auf den privaten Märkten untersagt. Zwischen den Ständen schieben sich Hunderte von Kunden. Der Kontrast zu den staatlichen Geschäften in der Innenstadt, in die sich nur wenige Käufer verirren, könnte kaum größer sein. Präsentieren die Staatsgeschäfte ihre Waren sehr übersichtlich, wird auf den Tischen und in den Regalen im Tongil-Markt jeder Quadratzentimeter Platz ausgenutzt.

          Säuberlich in Folien verpackt, stapelt sich Trockenfisch, ein wenig weiter werden frischer Fisch und Fleisch angeboten. Das Sortiment an Obst und Gemüse steht dem Angebot in marktwirtschaftlichen Nachbarstaaten nicht nach, Apfelsinen von der südkoreanischen Insel Jeju liegen neben Ananas. Ein Kilo Schweinefleisch kostete am Freitag vor dem Währungsschnitt 5500 Won (etwa 1,10 Euro), ein Vielfaches des in Staatsgeschäften verlangten Preises. Ein Kilo Äpfel kostet 3500 Won. Bananen aus den Philippinen kosten 7000 Won je Kilo, kleinere Bananen wohl aus China oder Südkorea 5500 Won.

          Private Märkte werden nur widerwillig geduldet

          Bei einem Durchschnittsverdienst von rund 4000 Won im Monat sind solche Preise für normale Nordkoreaner eigentlich nicht zu bezahlen. Das ist das wichtigste Indiz, dass in Nordkorea neben der regulierten Staatswirtschaft viel Einkommen am Schwarzmarkt oder auf den privaten Märkten erwirtschaftet wird. Neben den Nahrungsmitteln finden sich im Tongil-Markt auch Rucksäcke, Taschen und Schuhe. Das Warensortiment ist staatlich begrenzt. Die Herkunft der Waren ist nicht immer nachvollziehbar. Viel kommt über den kleinen Grenzverkehr mit China ins Land, auch von humanitären Hilfslieferungen fällt etwas ab. Bauern dürfen privat verkaufen, was sie in ihren kleinen eigenen Gärten erwirtschaften.

          Einige Verkäuferinnen im Tongil-Markt wie auch an Verkaufsständen auf der Straße nannten die Preise schon am Freitag vor dem Währungsschnitt mit 35 oder 55 Won anstatt mit 3500 oder 5500. Womöglich ist die bevorstehende Währungsreform nicht für alle Nordkoreaner eine Überraschung gewesen.

          Die privaten Märkte werden von dem kommunistischen Regime nur widerwillig geduldet, obwohl auch Funktionäre dort wegen der besseren Qualität gern einkaufen. Versuche in den vergangenen Jahren, die marktwirtschaftlichen Inseln in der Planwirtschaft zurückzudrängen, wie die Anhebung des Mindestalters der Verkäuferinnen, stießen auf großen Unmut der Betroffenen. Der Währungsschnitt, mit dem zumindest Teile des Kapitals der Händlerinnen vernichtet werden dürften, ist ein weiterer Schlag gegen die kapitalistischen Nischen.

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