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Pizza-Belag : Trickser in der Tiefkühltruhe

  • -Aktualisiert am

Wer eine Schinken-Käse-Pizza kauft, erwartet auch, das selbiges oben drauf ist Bild: dpa

Fett statt Schinken, Eiweiß statt Käse: Immer öfter handelt es sich beim Pizza-Belag um eine Mogelpackung. Verbraucherministerin Ilse Aigner will Betrüger aus der Lebensmittelindustrie nun öffentlich an den Pizza-Pranger stellen.

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          Auf der Pizzapackung steht zwar Schinken oder Käse, doch immer öfter handelt es sich um eine Mogelpackung. Statt Schinken wird eine Art Formfleisch verwendet, in dem ein paar Schinkenstückchen in schnittfestem Stärkegel stecken. Auch der Käse ist oft ein Imitat, weil in diesem „Analogkäse“ Milch durch Pflanzenfett ersetzt wurde. Bei einem Test in Bayern wurde jetzt zum Beispiel festgestellt, dass in 30 von 78 Pizzapackungen des Handels kein echter Schinken steckte. Mit der Mogelei sparen die Hersteller etwa 25 Cent je Pizza, was im Preiskampf des Handels keine Kleinigkeit ist. Und der „Analogkäse“ ist sogar 40 Prozent billiger, daher wächst seine Produktion um 8 Prozent.

          Verbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) erregt sich inzwischen immer lauter über diese Täuschung der Verbraucher. Deshalb hat sie am Mittwoch vor einem Gespräch mit dem Einzelhandel über Qualitätssicherung die Discounter davor gewarnt, es mit dem Preiskampf in der Pizza-Kühltruhe zu übertreiben. „Man kommt schnell in schlechten Ruf, wenn man die Verbraucher auf diese Weise irreführt“, sagte sie in Berlin. „Wo Schinken draufsteht, da muss auch Schinken drin sein.“

          Die Betrüger kommen alle aus dem Ausland

          Wegen der Dreistigkeit vieler Hersteller attackieren nicht nur die Grünen die Industrie, auch in der Union wird der Ton schärfer. „Da wird mit unverständlichen Angaben verschleiert, damit die Verbraucher nicht erkennen, was ihnen untergeschoben wird“, schimpft die Verbraucherschutzbeauftragte der CDU/CSU-Fraktion, Julia Klöckner. Die Imitate seien in ihrer Optik bewusst so aufgemacht, dass der Käufer die Kunstprodukte nicht erkennen könne. „Dies ist ein Grund mehr, die jetzigen Regeln zur Kennzeichnung in der nächsten Legislatur zu überarbeiten“, sagte Klöckner.

          Weil die Appelle an Hersteller und Handel, ihren Ruf nicht zu ruinieren, bisher aber nicht viel genutzt haben, soll der Druck auf die Industrie nun dadurch erhöht werden, dass die Trickser schneller publik gemacht werden. Denn ein neues Gesetz zum Lebens- und Futtermittelrecht, das vor ein paar Tagen in Kraft trat, verlangt keinen vorherigen Richterspruch mehr, um „schwarze Schafe“ – etwa im Internet – zu benennen. Es genügt, dass die Täuschung schon aktenkundig ist.

          In ihrem Aktivismus wird Frau Aigner lediglich dadurch gebremst, dass die Bundesländer für die Lebensmittelkontrolle zuständig sind. In einem Brief hat die Ministerin deshalb nun ihre Kollegen in den Ländern aufgefordert, eine Internetplattform zu schaffen, um dort die Unternehmen öffentlich zu machen, die Verbraucher bewusst irreführen. Für deutsche Hersteller wäre ein solch öffentlicher Pizza-Pranger vielleicht sogar ein Wettbewerbsvorteil – denn in der jüngsten Stichprobe in Bayern stellte sich heraus, dass die Schinken-Täuscher allesamt aus dem Ausland stammten.

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