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Pininfarina : Der letzte Turiner Karosserieschneider wird indisch

Mahindra ist in Indien ein Alleskönner im Geschäft mit Rädern: Das Unternehmen stellt Zwei- und Dreiräder, Lastwagen und Personenwagen her. Zugleich entwickelt es Billig-Traktoren für Millionen potentieller Kunden. Im Gespräch mit der F.A.Z. sagte Mahindra: „Wir sind kein Konglomerat, sondern ein Verbund von Unternehmen.“ Man versuche, Synergien unter den Unternehmen zu heben, am Markt treten sie getrennt auf. „Ich gebe Ihnen ein Beispiel: Unser Traktor- und unser Automobilgeschäft agieren getrennt voneinander. Aber natürlich profitieren sie von ihrer Zusammenarbeit im Hintergrund – angefangen von Entwicklung über Bau bis zur Absatzfinanzierung. Dann kommen noch Zweiräder dazu, Autoteile, die ländliche Finanzierung – damit spielen schon mal fünf von unseren acht Sparten Hand in Hand.“ Die Finanzierung diene Traktoren, Zweirädern und Kleinwagen – „auch das passt also“, sagte Mahindra.

Pininfarina war 2008 fast pleite

Pininfarina hatte zuletzt keine Chance mehr, unabhängig zu überleben, seit das Unternehmen 2008 am Konkurs vorbeigeschrammt war. Im Gegensatz zu Giugiaro hatte sich Pininfarina als Produzent von Kleinserien von Sportwagen, Geländewagen oder Cabriolets im Auftrag großer Hersteller betätigt. Mit vier Autofabriken hatten sich die Italiener übernommen. Denn die Auftraggeber wie Peugeot, Mitsubishi, Alfa Romeo, Volvo, Bentley oder Ford waren immer weniger auf diese Kleinserien angewiesen, weil sie selbst immer flexiblere Produktionsanlagen besitzen. Pininfarina musste zuletzt die Investitionen für die Einrichtung der Produktionslinien selbst tragen, als sich die Autos nicht gut verkauften, war das Designhaus überschuldet und musste sich von den Fabriken trennen.

Berühmt geworden war das 1930 gegründete Unternehmen ohnehin nicht mit der Produktion, sondern mit dem Design von Autos. In den dreißiger Jahren war Turin einer der wichtigen Standorte, an dem sich reiche Autokäufer auf ein Fahrgestell eine individuelle Karosserie schneidern ließen. Daraus erwuchs in der Nachkriegszeit das Designhaus, das für Auftraggeber wie Ferrari, Alfa Romeo oder Peugeot Autos mit besonders eleganter Linie entwarf. Wegen des Prestiges des Herstellers erhielt Gründer Battista Farina das Privileg, dass der Staatspräsident per Dekret seinen Nachnamen änderte. Der piemontesische Spitzname des Gründers, „Pinin“, wurde dem Allerweltsnamen Farina („Mehl“) vorangestellt. Das Unternehmensemblem blieb weiter ein geschwungenes „f“.

Nach dem Scheitern als Autobauer verkleinerte sich Pininfarina und konzentrierte sich auf Autoentwicklung und -design. Daneben entstanden Entwürfe für Fußballstadien oder Hochhäuser. Nach der Existenzkrise hatte Pininfarina nur 2012 einen Gewinn ausweisen können. 2014 machte das Unternehmen mit einem Umsatz von 53 Millionen Euro fast 3 Millionen Euro Verlust. Die 13 italienischen Gläubigerbanken waren nicht interessiert, das Unternehmen weiter zu begleiten, sondern wollten so schnell wie möglich verkaufen. Nun wird von der bisherigen Führungsspitze und von den künftigen Eignern betont, dass Pininfarina eigenständig bleibe und weiter mit Kunden wie BMW und Ferrari zusammenarbeiten könne. Zugleich gebe es jedoch Projekte für eine Ausdehnung der Aktivitäten auf andere Branchen, etwa den Flugzeugbau, wo italienisches Design indische Technik verpacken soll.

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