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Piloten im Ausstand : Lufthansa: Keine Flugausfälle in Frankfurt wegen Streik

  • Aktualisiert am

Streikbutton eines Lufthansa-Piloten Bild: dpa

Obwohl die Gewerkschaft am Dienstag streiken will, sollen alle Maschinen starten. Am Steuer sitzen freiwillige Piloten und solche aus dem Management.

          3 Min.

          Trotz der erneuten Streikdrohung ihrer Piloten will die Lufthansa an diesem Dienstag sämtliche Langstreckenflüge ab Frankfurt in die Luft bringen und Passagieren das Schlimmste ersparen. Es ist geplant, dass alle 40 Flieger starten, wie die Fluggesellschaft am Montag mitteilte. Der Streik werde lediglich zu Verspätungen bei 24 Interkontinental-Verbindungen führen, sie aber nicht ausfallen lassen. Die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) hatte zuvor die fünfte Streikwelle zwischen 9.00 und 17.00 Uhr am Dienstag angekündigt.

          Lufthansa hatte bereits an vorangegangenen Streiktagen Management-Piloten und Freiwillige in ungenannter Zahl eingesetzt. Ausfälle im Überseeverkehr sind wegen der nachlaufenden Flugausfälle besonders schmerzhaft für eine Airline. Lufthansa rief betroffene Fluggäste dazu auf, sich über die veränderten Zeiten zu informieren, und kündigte an, registrierte Kunden per SMS und E-Mail zu informieren.

          Hintergrund des festgefahrenen Tarifkonflikts ist der Streit um die Übergangsversorgung der Piloten bei der Lufthansa. Die Fluggesellschaft hatte zuvor scharf auf die neuerliche Streikdrohung der VC reagiert. Es sei ungeheuerlich, dass die Gewerkschaft die für Montag angekündigten Konkretisierungen des Unternehmens zu seinem Verhandlungsangebot nicht abgewartet habe, erklärte ein Sprecher in Frankfurt. „Die VC hat jegliches Maß verloren. Ihr Ziel ist eindeutig der Fluggast.“

          VC-Sprecher Jörg Handwerg wies den Vorwurf zurück. „Konkretisierung heißt doch im Klartext „Ihr habt es noch nicht richtig verstanden“. Wir haben aber sehr wohl verstanden, was Lufthansa von uns will.“ Die Pilotenschaft sei nicht bereit, ihre Übergangsversorgung der Dividendenpolitik des Unternehmens zu opfern. Es handele sich bei den angekündigten Details um den Versuch des Managements, die Öffentlichkeit gegen die Piloten aufzubringen und einen Keil in die Belegschaft zu treiben, sagte Handwerg. Lösungen würden aber nicht in der Öffentlichkeit, sondern am Verhandlungstisch gefunden.

          Zum Mittag veröffentlichte Lufthansa komplexe Berechnungsgrundsätze, nach denen die einzelnen Piloten in den überarbeiteten Vorruhestand treten könnten. Von ihren grundsätzlichen Forderungen nach einem späteren individuellen Eintritt (60 statt 55) sowie einer Anhebung des durchschnittlichen Eintrittsalters (von 58 auf 61) wich die Lufthansa laut ihrer Mitteilung aber nicht ab. Das Unternehmen begründete das ungewöhnliche Vorgehen damit, die Piloten direkt über die Pläne informieren zu wollen.

          Die Pilotengewerkschaft will die Übergangsversorgung auf dem heutigen Stand beibehalten. Derzeit gehen die rund 5400 Piloten und Co-Piloten im Schnitt mit knapp 59 Jahren in den vom Unternehmen bezahlten Vorruhestand - also sechs Jahre vor dem Erreichen der gesetzlichen Altersgrenze. Einzelne können schon ab 55 in den Vorruhestand wechseln. Europas größte Airline strebt auch wegen der hohen Kosten an, dass die Piloten künftig im Durchschnitt erst zwei Jahre später, also mit 61 Jahren, in den Vorruhestand gehen.

          „Das läuft aus dem Ruder“, beurteilte der Luftverkehrs-Analyst Jürgen Pieper von der Privatbank Metzler die Situation. Die Forderungen der „sehr privilegierten“ Piloten seien angesichts des harten Wettbewerbs zwar unverständlich, aber letztlich habe auch die Lufthansa selbst zu dem Konflikt beigetragen. „Es sind zu viele Themen gleichzeitig aufgemacht worden.“

          Auch die Air-France-Piloten streiken

          Hintergrund des Arbeitskampfes ist auch die ablehnende Haltung der VC gegen weitere konzerninterne Billigfluggesellschaften in der sogenannten „Wings-Familie“. In einem ähnlichen Konflikt legten am Montag die Piloten der Air France die Arbeit nieder, was auch zu Flugausfällen in Richtung Deutschland führte. Die französischen Gewerkschaften kündigten verschärfte Streiks zur Wochenmitte an.

          Erst am vergangenen Mittwoch hatte die VC das nach Frankfurt zweitgrößte Drehkreuz der Lufthansa in München bestreikt und 140 Europa-Flüge ausfallen lassen. Seit April hat die VC in vier Streikwellen bei Lufthansa und ihrer Tochter Germanwings rund 4300 Flüge ausfallen lassen, die Reisepläne von über 480.000 Menschen durcheinandergebracht und dem Unternehmen Millionenverluste zugefügt.

          Bahnreisende dürften unterdessen in den kommenden Wochen vorerst von weiteren Warnstreiks verschont bleiben. Die Mitglieder der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) sind zu einer Urabstimmung über neue Streiks aufgerufen, die Stimmen sollen am 2. Oktober gezählt werden. Bis dahin soll es laut GDL keine weiteren Warnstreiks geben.

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