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Photokina : „ Die Pixeljagd ist vorbei“

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Willy Fischel sieht den Fotomarkt dank Digitalkameras weiter wachsen Bild: BVT

Neben den neuen Digitalkameras gehören zahlreiche Produkte rund um die digitale Fotografie zu den Highlights auf der Photokina.

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          Hersteller und Handel hoffen, dass die am heutigen Mittwoch in Köln beginnende Fachmesse Photokina einen zusätzlichen Schub für das Weihnachtsgeschäft bringt. Die Schau mit 1.550 Ausstellern aus 46 Ländern gilt als eine „Wachstumslok der Foto-Branche“. Über die aktuellen Trends der Photokina sprach FAZ.NET mit Willy Fischel, Geschäftsführer des Bundesverbands Technik des Einzelhandels. Neben den Neuheiten rund um die digitale Fotografie gehört laut Fischel die kabellose Übertragung von Bilddaten über Bluetooth zu den Highlights der Messe.

          Unter der Konsumflaute leidet auch die Fotobranche. Wie sind die Aussichten im Photokina-Jahr?

          Der Fotohandel musste in den bisherigen Monaten einen Umsatzrückgang hinnehmen, wobei wir stark davon ausgehen, dass wir eine Sonderkonjunktur zum Weihnachtsgeschäft bekommen.

          Die ganze Fotobranche verändert ihr Gesicht. Die Produktwelten wachsen zusammen und wir haben neue Standards wie etwa Bluetooth. Deshalb ist die Photokina jetzt auch ein Konvergenzprodukt aus den Bereichen Foto, PC, Konsumelektronik und Informationstechnik. Daneben investieren die Konsumenten verstärkt in den Ausbau ihres Equipments, also etwa Zubehör wie Scanner, weil das alte Modell nicht mehr reicht, Bildbearbeitungsprogramme, Digitalkameras und Spezialpapier.

          Der Anschub in der Fotobranche geht auf jeden Fall von den Digitalkameras aus. Denn egal auf welcher Veranstaltung Sie heute sind, ob jung oder alt haben die Leute eine Digitalkamera in der Hand und denken schon an die nächste.

          Was sind die wichtigsten Trends und Innovationen auf der Messe?

          Die Fotowelt wird digitaler, beratungsintensiver, designorientierter, schneller und komfortabler. Nach wie vor wünscht sich der Konsument aber Bedienerfreundlichkeit und ein Erfolgserlebnis in der Form des Bildes. Nicht Formate oder Systeme sind für ihn entscheidend.

          Für die kabellose Übertragung von Bilddaten ist Bluetooth ein entscheidender Trend. Aber Bluetooth ist nicht nur hilfreich beim Fotoapparat, sondern es ist auch der Kurzstreckenübertragungsstandard für Handy, Drucker, PC, PDA, Camcorder, Notebook - alle sprechen Bluetooth.

          Ein weiterer Trend sind die Kamera-Handys, sprich MMS (Multimedia Messaging Service), also Aufnehmen und Verschicken von Fotos per Handy. Natürlich auch Digitalkameras mit Zusatzobjektiven. Trotzdem ist die Pixeljagd vorbei. Eine Auflösung von sechs Megapixel ist traumhaft und wenn Sie Bilder per E-Mail verschicken wollen, fahren Sie mit niedrigen Auflösungen besser. In einer hohen Auflösung könnte ein Bild bis zu einem Megabyte schlucken. Beim elektronischen Versand von Fotos geht der Trend deshalb zu weniger Megapixel.

          Immer mehr digitale Kameras werden verkauft. Wann überrunden die digitalen die analogen Modelle?

          2002 werden wir voraussichtlich insgesamt 5,4 Millionen Kameras verkaufen. Das ist eine Zuwachsrate von 15 Prozent zu 2001. Davon sind 2,4 Millionen Digitalkameras und 3 Millionen analog. Der Digitalkamera-Boom zieht auch den Verkauf von Trägermedien mit sich. Nach 800.000 verkauften Speicherkarten 2001 gehen wir 2002 von 2,4 Millionen Stück aus.

          Es gibt kein analog oder digital. Es ist immer eine Frage, was Sie wollen: Fast-Food-Bilder oder anspruchsvolle Fotografie. Die digitalen und analogen Technologien wachsen in den Regalen des Handels zusammen, auf der Messe und in den Köpfen der Konsumenten. Der Fotofachhandel investiert verstärkt in Zukunftstechnologien wie Minilabs .

          Wie beeinflusst der wachsende Digitalkameramarkt den Fotohandel weiter?

          Die Digitalfotografen machen im Schnitt 400 Aufnahmen im Jahr, lassen aber nicht alle als Papierbild entwickeln. Die analogen Fotografen machen etwa 160 Aufnahmen, aber alle werden entwickelt.

          Obwohl die Digitalfotografen im Durchschnitt öfter auf den Auslöser drücken, lassen sie noch weniger entwickeln. Doch das ist erst die erste Phase des Marktes, in der es noch relativ wenige Aufträge gibt. Dieser Trend nimmt aber zu, weil die Konsumenten feststellen, dass es ein teures Vergnügen ist, die Bilder zuhause auszudrucken.

          Die Großlabore gehen davon aus, dass der Anteil digitaler Aufträge am Umsatz von derzeit 3,5 Prozent bis zum Jahr 2005 auf 15 Prozent steigen wird.

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