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Pharma : Merck übernimmt Serono

  • Aktualisiert am

Bild: dpa

Der Pharmakonzern Merck hat die Mehrheit am Schweizer Biotechnologiekonzern Serono übernommen. Bis November werde ein öffentliches Übernahmeangebot vorgelegt, teilte das Unternehmen mit. Der Deal kostet Merck umgerechnet 10,6 Milliarden Euro.

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          Der Darmstädter Pharma- und Spezialchemiekonzern Merck will den Schweizer Biotechkonzern Serono für umgerechnet 10,6 Milliarden Euro übernehmen. Mit der Serono-Eignerfamilie Bertarelli sei ein Vertrag über den Kauf der von ihr gehaltenen 64,5 Prozent der Anteile an dem Unternehmen geschlossen worden, teilte Merck am Donnerstag mit.

          Damit übernehme Merck 75,5 Prozent der Serono-Stimmrechte. Merck werde zudem ein öffentliches Übernahmeangebot unterbreiten. Die Darmstädter wollen den Serono-Eignern 1100 Schweizer Franken je Aktie zahlen. Damit belaufe sich der Wert der Transaktion auf 16,6 Milliarden Franken oder 10,6 Milliarden Euro. Die Offerte liege 20 Prozent über dem Serono-Aktienkurs vom Mittwoch.

          Die Zukunft des Familienunternehmens sichern

          Die Akquisition entwickle das Pharmageschäft von Merck deutlich weiter und „bringt es in eine führende Position im Biotechmarkt“, erklärte Merck-Chef Michael Römer. Dies trage dazu bei, die Zukunft des Familienunternehmens Merck zu sichern. Die geplante Übernahme zielt Merck zufolge nicht auf
          Synergieeffekte ab. „Die Logik der Transaktion ist nicht synergiegetrieben“, sagte ein Merck-Sprecher am Donnerstag in Darmstadt. Vielmehr gehe es darum, daß sich beide Firmen in der Ergänzung ihrer Geschäfte verstärken können.

          Pharma mischt sich mit Biotechnologie: Merck hat Interesse an Serono

          Die Übernahme soll zunächst aus der Barmittelkasse sowie durch eine Zwischenfinanzierung gestemmt werden. Dann soll die Transaktion durch Darlehen, eine Anleihe und eine Kapitalerhöhung von zwei bis 2,5 Milliarden Euro refinanziert werden. An der Kapitalerhöhung werde sich die Merck-Familie mit bis zu einer Milliarde Euro beteiligen. Merck erwartet, daß die Übernahme Anfang 2007 abgeschlossen wird.

          Neuer Übernahmeversuch nach Scheitern bei Schering

          Mit der Serono-Übernahme gelingt den Darmstädtern ein Überraschungscoup. Serono gehört nach eigenen Angaben zu den drei weltweit führenden Biotechnologie-Unternehmen. Die Schwerpunkte der Firma liegen demnach auf den Therapiegebieten Kinderwunsch, Wachstum und Stoffwechsel, Multiple Sklerose und Schuppenflechte. Serono ist in mehr als 40 Ländern vertreten.

          Merck hatte im Frühsommer versucht, den Berliner Pharmahersteller Schering zu übernehmen, war jedoch am Konkurrenten Bayer gescheitert. Am Verkauf der für den Übernahmeversuch erworbenen Schering-Aktien verdiente Merck rund 400 Millionen Euro. Schering gehört seit vergangener Woche zu Bayer.

          Kritische Masse für Forschung und Entwicklung erreicht

          Durch den Zusammenschluß der Merck-Sparte für rezeptpflichtige Markenarzneimittel mit Europas größtem
          Biotechkonzern könne in Forschung und Entwicklung die kritische Masse von knapp einer Milliarde Euro erreicht werden, sagte Merck-Chef Römer: „Beiden Unternehmen bietet sich die Möglichkeit, einen Wettbewerbsvorteil und ein stärkeres Produkt-Portfolio zu erlangen.“ Merck war in der Vergangenheit immer wieder vorgeworfen worden, zu einseitig auf wenige umsatzstarke Medikamente zu setzen und für den globalen Wettbewerb zu klein zu sein.

          Serono-Chef Ernesto Bertarelli sagte: „Mit dieser Transaktion schaffen wir ein gemeinsames Pharmageschäft mit großem Potential, speziell in den Bereichen Neurologie und Onkologie.“ Dadurch werde ein weltweit führendes Biotech-Unternehmen und ein gewichtiger Akteur im internationalen Pharmamarkt geschaffen. Serono hatte zuletzt seine Suche nach einem Käufer für das eigene Unternehmen aufgegeben und sich selbst nach Übernahmemöglichkeiten umgesehen.

          Die neue Merck-Gruppe hätte den Angaben zufolge 2005 einen pro-Forma-Umsatz von 7,7 Milliarden Euro erwirtschaftet, davon 3,6 Milliarden Euro im Bereich Biopharmazeutika. Der neue Konzern werde rund 35.000 Mitarbeiter beschäftigen und weiterhin in den Sparten Pharma und Chemie tätig sein.

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