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Das Ende der Pflegenoten : Pflegeheime erhalten neue Qualitätsstandards

  • -Aktualisiert am

Eine Krankenschwester in einer Demenzstation Bild: epd

Lange kritisiert, haben Pflegenoten als Gradmesser für die Qualität in Pflegeheimen jetzt ausgesorgt. Einfacher wird es damit aber nicht.

          2 Min.

          Die Arbeitsqualität der mehr als 13.000 deutschen Alten- und Pflegeheime wird von sofort an nach einem neuen Verfahren bewertet. Dazu müssen die Heime ihre Pflegequalität in 15 Bereichen nach einem bundesweit einheitlichen Raster erfassen und einer zentralen Stelle melden. Bewertungsmaßstab ist, ob die Einrichtung besser oder schlechter als der Bundesschnitt abschneidet. Regelmäßige Kontrollen des Medizinischen Dienstes vervollständigen das Bild und sollen den Heimen helfen, Qualitätsmängel abzuschaffen, erklärten der Spitzenverband der Kassen und sein Medizinischer Dienst.

          Andreas Mihm

          Wirtschaftskorrespondent in Berlin.

          Damit verlieren die bisher vergebenen „Pflegenoten“ Ende 2020 endgültig ihre Bedeutung. Sie waren kritisiert worden, weil dabei ein schlechtes Abschneiden in Kernbereichen der Pflege durch „weiche“ Faktoren wie Ernährung oder Unterbringung kompensiert werden können. Deshalb hatten die meisten Einrichtungen „sehr gut“ abgeschnitten, was zugleich die Aussagekräftigkeit der Note als Bewertungsmaßstab für Bewohner und Angehörige einschränkte.

          Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) lobte die Neuerung, die nach fast zehnjährigen Debatten über die Pflegenoten eingeführt wird. „Künftig geht es nicht mehr darum, wer die Haken in der Akte am besten macht, sondern darum, wie es den Bewohnern wirklich geht“, sagte er. Pflegebedürftige und ihre Angehörigen sollen nach dem sogenannten Qualitäts- und Prüfsystem künftig einfacher ein geeignetes Heim finden. Der Pflegebevollmächtigte der Bundesregierung, Andreas Westerfellhaus, hob hervor, der irreführende Prüfmodus der Pflegenoten werde nun schrittweise abgeschaltet. „Das ist ein guter Tag für all diejenigen, die sich fundiert und objektiv über Pflegeeinrichtungen informieren wollen“, sagte er.

          Mehr Zeit, Muße und Engagement

          Allerdings müssen die Interessenten künftig dafür mehr Zeit, Muße und Engagement mitbringen als bisher. Die Defizite der Pflegenote, die am Ende zu oberflächlich und damit zu oft falsch war, werden nun durch ein differenziertes Informationssystem aus Texten, Grafik und Symbolen ersetzt. „Das sind einige Seiten, im zweistelligen Bereich, eine ganze Fülle von Informationen“, sagte die zuständige Abteilungsleiterin des Kassenverbands, Monika Kücking.

          Interessenten könnten die Daten, die bis Ende nächsten Jahres bundesweit für alle Häuser erhoben und bundesweit verglichen sein sollen, dann vor Ort auf Papier einsehen. Vor allem aber sollen sie in die von den Kassenverbänden unterhaltenen internetbasierten „Pflegelotsen“ einfließen und für eine größere Vergleichbarkeit sorgen.

          Schon werden Forderungen laut, etwa des Sozialverbands VdK, die anonymisierten Daten sollten auch anderen Interessenten zur Auswertung und Aufbereitung zur Verfügung gestellt werden. Dazu gehörten private Anbieter wie Zeitungen, die Ranglisten von Heimen erstellten, oder Institutionen wie die Bertelsmann-Stiftung, die eine „Weiße Liste“ auch zur Prüfung von Pflegeheimen im Netz betreibt. Auf lange Sicht sollten darin weitere Faktoren jenseits der Pflege wie etwa Preise, Zuzahlungen, die Zufriedenheit der Bewohner oder auch Anmerkungen von Ärzten, Rettungskräften oder Seelsorgern in die Bewertung einfließen, betonte Ines Verspohl vom VdK.

          Peter Pick, Geschäftsführer des Medizinischen Dienstes MDS, wies darauf hin, dass Qualitätsprüfungen seiner Institution sich stärker auf den einzelnen Bewohner konzentrierten. Neben klassischen Themen wie Ernährung und Flüssigkeitsversorgung, Körperpflege, Medikamenten- und Wundversorgung käme neue hinzu. Dazu gehörten Unterstützung bei Mobilität, Hilfe bei der Strukturierung des Tages, Beschäftigung und Kommunikation sowie der Umgang mit „herausforderndem Verhalten“, wie es Demenzkranke oft an den Tag legten. Für ambulante Pflegedienste werde ein eigenes Prüfsystem derzeit vorbereitet.

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