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Notstand in Deutschland : Die ersten Pfleger aus Mexiko sind da

  • -Aktualisiert am

War gerade in Mexiko auf Anwerbe-Reise: Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) Bild: dpa

Deutschland sucht händeringend Pflegekräfte und dies rund um die Welt. Wie das klappt, erklärt ein Altenwohnheim-Manager.

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          Das Personal in der Pflege ist knapp. Dieses Problem ist erkannt, Abhilfe kann nur aus dem Ausland kommen, so die Lehre der Politik. Ohne Import von Fachkräften aus aller Herren Länder wird es nicht gehen, „allein durch Ausbildung hier bei uns werden wir den Bedarf nicht decken können“, sagt Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) ein ums andere Mal.

          Georg Meck

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Erstmals kommen nun Mexikaner in deutschen Alten- und Pflegeheimen zum Einsatz. „Wir sind das erste deutsche Unternehmen in der Altenpflege, das Pflegekräfte aus Mexiko angeworben hat“, sagt Rainer Hohmann, geschäftsführender Direktor der Alloheim Senioren-Residenzen SE, einem der drei größten privaten Anbieter in dem Bereich.

          Fünf Dutzend mexikanische Pflegekräfte arbeiten dort seit mehreren Monaten, verteilt auf 24 Einrichtungen des Pflegekonzerns, der insgesamt mehr als 20.000 Menschen versorgt. Für seine Mexikaner hat Alloheim ein Pilotprojekt mit der Bundesagentur für Arbeit und deren Zentraler Auslands- und Fachvermittlung gestartet, die vor Ort in Mittelamerika die Vorauswahl geeigneter Mitarbeiter übernimmt.

          „Einführungswoche in das Leben in Deutschland“

          Regelmäßig geht Gesundheitsminister Jens Spahn auf Werbetour für Pflegepersonal. Im Sommer war er im Kosovo, im September in Mexiko, Vertreter seines Ministeriums hat er zudem auf die Philippinen geschickt, um Verstärkung für die deutschen Seniorenheime anzufordern.

          Um den Nachschub zu organisieren, hat die Politik vorige Woche eine eigene Behörde gegründet: die Deutsche Fachkräfteagentur für Gesundheits- und Pflegeberufe (DeFa). Schneller und einfacher soll es werden, Pflegepersonal im Ausland anzuheuern, so der Auftrag.

          Bislang ist der bürokratische Aufwand gewaltig. So hat der private Pflegekonzern Alloheim nach Unterzeichnung des Arbeitsvertrags der Mexikaner für sie die Arbeitserlaubnis beantragt, ebenso die Anerkennung der Berufsabschlüsse und danach die Visa bei der deutschen Botschaft – ein Prozess, der zwischen sechs und zwölf Monate beansprucht, sich für den Arbeitgeber aber trotzdem lohnt, wie Alloheim-Geschäftsführer Hohmann erläutert: „Die Mitarbeiter aus Mexiko sind fachlich sehr gut ausgebildet, der Pflegeberuf setzt dort in der Regel ein vierjähriges Studium voraus. Auch die deutsche Sprache haben sie in Mexiko schon trainiert.“

          Knackpunkt für ihren Einsatz im Seniorenheim ist auch nicht das Hochdeutsch. Sondern die Dialekte vor Ort. „Das ist für den Anfang nicht ganz einfach.“

          Der Einstieg in Deutschland beginnt für die Neuankömmlinge aus Mexiko mit einer „Einführungswoche, in der sie das Leben in Deutschland in Theorie und Praxis kennen lernen“, sagt der Alloheim-Manager, der schon seit elf Jahren Pflegekräfte im Ausland anwirbt; aktuell aus Albanien, Bosnien, China, Mazedonien, Serbien, den Philippinen und nun neuerdings auch aus Mexiko.

          Die Bevölkerung dort ist im Schnitt deutlich jünger als hierzulande, der Überschuss an Pflegekräften hoch. „Wir haben ein hohes Interesse mexikanischer Pflegekräfte festgestellt, in Deutschland zu leben und zu arbeiten“, sagt der Alloheim-Geschäftsführer.

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