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Pfefferspray und Pumpernickel : Das Geschäft mit der Angst

Die Krise verstärkt bei Männern wie Martin K. beide Tendenzen. Dass sein Papiergeld spätestens in wenigen Jahren nichts mehr wert sein wird, ist für den 29 Jahre alten Anlageberater, der seinen wahren Namen nicht nennen will, „klipp und klar“. Das sage er auch seinen Kunden. Die These von der Geheimregierung, die die gewählten Politiker steuert, hält der Nürnberger „mit hoher Wahrscheinlichkeit“ für wahr, genauso Kriegsszenarien zwischen Ost und West sowie chaotische Zustände.

Vorräte für mehrere Monate

K. hat vorgesorgt und sich mit Pfefferspray eingedeckt. In seinen Regalen lagern Reis-, Nudel- und Konservenvorräte. „Das reicht für zwei Monate“, sagt er. Alfredo Kubbig ist nahe Hannover Geschäftsführer eines Landmaschinenunternehmens mit 20 Angestellten. Er glaube nicht an einen Krieg, wohl aber an hohe Inflation in Deutschland und eine mögliche Verarmung der Bürger.

Deshalb investiere er in alles, was man anfassen kann: Immobilien, Felder, Wald, Edelmetalle. Soziale Unruhen hält er für möglich: „Sie werden nicht mehr unterscheiden können, ob die Bilder von Ausschreitungen aus Valencia oder Frankfurt kommen.“

Wer es noch nicht getan hat, kann sich in Fulda für den Fall der Fälle ausrüsten. Im Licht glänzende Münzen werden an einem Stand angeboten, ein Verkäufer preist in Dosen verpacktes Vollkornbrot an. Lange haltbar sei es, und es schmecke gut. Von dem Elektroschocker rät der junge Mann ab, dann schon eher das hier: Er zeigt auf eine eingeschweißte Pfefferspraypistole, Modell „Jet Protector JPX“, Kosten: 199 Euro.

Edelmetall, Pfefferspray, Pumpernickel

Man könne die Pistole in Deutschland ohne Waffenschein bei sich führen, weil sie für die Tierabwehr gedacht sei, wirbt der Verkäufer. Aber selbstverständlich sei sie auch für Menschen geeignet, versichert er auf Nachfrage. Der Mann, der für all das hier verantwortlich ist, sieht sich selbst als einen Missionar, als einen, der die Menschen vor den Folgen des Systemzusammenbruchs schützen will.

Noch sei jedes ungedeckte Papiergeldsystem gescheitert. „Je mehr Menschen verstehen, was auf sie zukommen könnte, desto besser können sie sich vorbereiten“, sagt Kongressveranstalter Sven Hermann. Ein schöner Nebeneffekt: Die Menschen, die Hermanns Erkenntnis teilen, können bei ihm Edelmetalle, Pfefferspray und Pumpernickel kaufen und spülen Geld in die Kasse des 33 Jahre alten Selbständigen.

Den Vorwurf, die Ängste der Menschen bewusst zu befeuern und sie so in persönliche Gewinne umzumünzen, weist der Mann, der seine Veranstaltung auf der Website der rechtspopulistischen Zeitung „Junge Freiheit“ beworben hat, weit von sich. Bevor Hermann seine Gäste wieder in die Welt entlässt, bekommen sie noch einen Vortrag von Matthias Weik und Marc Friedrich zu hören. Die beiden jungen Männer stammen aus der Finanzbranche und haben es mit ihrem Krisenbuch „Der größte Raubzug der Geschichte“ in die Bestsellerlisten geschafft.

Auch für sie ist es „nicht die Frage, ob, sondern wann der große Crash kommt“. In ihrem Vortrag kommen die Autoren jedoch ohne geheime Verschwörungen und böse Mächte aus, sie erzählen ganz einfach die Geschichte der Krise nach. Das genügt, um den Pessimismus der Zuhörer noch weiter zu verstärken. Auch das ist eine bedenkliche Erkenntnis, hier im Hotel Esperanto.

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