https://www.faz.net/-gqe-nzs9

Peter Mihatsch : Mit harter Hand ins Land der Maut

Peter Mihatsch Bild: dpa

Wird der Telekommunikationsfachmann Mihatsch zum Retter des technischen Systems zur Erfassung der Lastwagenmaut? Die neue Aufgabe bietet ihm die Chance, seinen zuletzt angekratzten Ruf wieder aufzupolieren.

          2 Min.

          Wird der Telekommunikationsfachmann Peter Mihatsch zum Retter des technischen Systems zur Erfassung der Lastwagenmaut? Die Voraussetzungen dafür könnten gut sein. Das liegt nicht nur daran, daß der 62 Jahre alte Nachrichteningenieur der Vater des vom Start weg höchst erfolgreichen D2-Mobilfunknetzes ist. Mihatsch kommt in seiner neuen Rolle an der Spitze des Mautkonsortiums Toll Collect vielleicht auch zugute, daß man ihn als Manager der alten Schule bezeichnen kann, der im Umgang vor Ruppigkeit nicht zurückschreckt.

          Carsten Knop

          Chefredakteur digitale Produkte.

          Mihatsch hat in der Telekommunikationssparte seines ehemaligen Arbeitgebers Mannesmann zweifellos sehr viel Sachverstand und Tüchtigkeit bewiesen. Doch gibt es ausreichend ehemalige Mitarbeiter, die sich ungern an seine Ungeduld und Grantigkeit gegenüber Fehlern und ihm überflüssig erscheinenden Fragen erinnern. Das Chaos bei Toll Collect wiederum, das seine Vorgänger um den scheidenden Aufsichtsratsvorsitzenden Klaus Mangold und den Geschäftsführer Michael Rummel hinterlassen, scheint eine harte Hand dringend nötig zu machen.

          Führungsstil nicht unumstrittenen

          Bei Mannesmann wurde über den nicht unumstrittenen Führungsstil von Mihatsch wegen seines großen Erfolgs ohnehin gerne hinweggesehen, schließlich hatte der inzwischen von Vodafone gekaufte Düsseldorfer Konzern Mihatsch den Einstieg in die profitable Telekommunikation zu verdanken. Der damalige Mannesmann-Chef Werner Dieter hatte wohl einen seiner besten Tage als Manager, als er Mihatsch, der zuvor 17 Jahre lang für den Kommunikationskonzern SEL gearbeitet hatte, zu Mannesmann und zuerst zur damaligen Tochtergesellschaft Mannesmann Kienzle holte.

          An der Spitze der "Planungsgruppe D2" hat Mihatsch danach gemeinsam mit einem Stab von 50 Mitarbeitern dem Stahl- und Maschinenbaukonzern 1988 die Mobilfunklizenz gesichert. Als Vorsitzender der Geschäftsführung der Mannesmann Mobilfunk GmbH baute er später sowohl das Funknetz als auch das neue Unternehmen auf. Skeptiker konnte er schnell überzeugen. Ein gutes Jahr nach dem Betriebsbeginn zählte Mannesmann Mobilfunk Ende 1993 schon 500 000 Kunden; 1998 war die Zahl der D2-Nutzer auf 3,5 Millionen gestiegen.

          Schon im März 1994 war Mihatsch zum Vorstandsmitglied der Konzernholding bestellt worden, wo er den Einstieg des Unternehmens in die Festnetztelefonie (Arcor) und die Expansion der Sparte in das Ausland betrieb. Ende Mai 1998 schied Mihatsch überraschend bei Mannesmann aus, ohne einen neuen Arbeitgeber präsentieren zu können. Lange hieß es, er sei im Zorn darüber gegangen, daß nicht ihm, sondern dem damaligen Finanzchef Klaus Esser die Führung des Konzerns angetragen worden war.

          Nicht immer glückliche Hand

          Später beteuerte er, diese Aufgabe habe ihn nie interessiert. Doch konnte man sich den gebürtigen Prager auch nie als einen von Essers Untergebenen vorstellen. Später wurde Mihatsch immer wieder als Kandidat für wichtige Ämter in der Telekommunikationsbranche genannt, so auch als Nachfolger von Ron Sommer an der Spitze der Deutschen Telekom. Doch Mihatsch lehnte viele Angebote ab, betätigte sich lieber in diversen Aufsichtsratsgremien und beratenden Funktionen. Dabei hat er nicht immer eine glückliche Hand bewiesen.

          In seiner Rolle als Standortbeauftragter für Baden-Württemberg hat er manche enttäuscht und zudem nach nur elf Monaten sein Amt niedergelegt. Bei der Kirch Holding, wo er für Technologie und Netze zuständig war, hat er nicht viel bewegt und ist im Zuge der Insolvenz im Frühjahr des vergangenen Jahres letztlich sang- und klanglos ausgeschieden. Wenn es wirklich stimmt, daß Toll Collect inzwischen gar keine technischen Probleme mehr hat, ist Mihatsch nun die unverhoffte Chance zugefallen, seinen zuletzt etwas angekratzten Ruf leicht wieder aufzupolieren. Das wird seine Leidenschaft anstacheln.

          Weitere Themen

          McDermott geht nach Kalifornien

          Früherer SAP-Chef : McDermott geht nach Kalifornien

          Bill McDermott hatte überraschend seinen Posten bei SAP abgegeben, nun hat der Amerikaner einen neuen Führungsposten bei ServiceNow in Kalifornien. Sein Vorgänger geht zu Nike.

          Topmeldungen

          Das britische Unterhaus am Dienstag Abend

          Johnson-Zeitplan abgelehnt : Brexit zum 31.Oktober nahezu ausgeschlossen

          Das britische Parlament hat den Gesetzesrahmen für den Brexit-Deal im Grundsatz gebilligt. Unmittelbar nach diesem Zwischenerfolg lehnte das Unterhaus jedoch den Zeitplan von Boris Johnson ab. EU-Ratspräsident Tust will eine Verlängerung der Brexit-Frist empfehlen.
          Mal wieder Münchner Mitarbeiter des Abends: Robert Lewandowski

          3:2 in Piräus : Bayern retten sich ins Ziel

          Die Bayern geraten bei Olympiakos Piräus früh in Rückstand und unter Druck – aber auf Torjäger Lewandowski ist Verlass. Für die Münchner Abwehr gilt das beim 3:2-Sieg schon wieder nicht.
          Kurze und höchst umstrittene Amtszeit: Stefan Jagsch spricht vor dem Gemeinschaftshaus in Altenstadt-Waldsiedlung.

          Nur einen Monat im Amt : NPD-Ortsvorsteher nach Eklat abgewählt

          Die Wahl eines NPD-Parteimitglieds zum Ortsvorsteher im hessischen Ort Altenstadt hatte bundesweit für Empörung gesorgt. Nun wurde Stefan Jagsch wieder abgewählt. Er fechtet die Entscheidung an – und versammelt einige Unterstützer hinter sich.

          AKK-Vorstoß : Gezielte Überrumpelung

          Annegret Kramp-Karrenbauer hat den Koalitionspartner mit ihrem Syrien-Vorstoß schwer düpiert. Jetzt muss sie ihre Idee so seriös weiterentwickeln, dass sie dem Vorwurf entgeht, es sei ihr nur um die eigene Profilierung gegangen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.